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21.11.2012 - 18:05 Uhr


"Der beste Meier, den es je gab"

Frankfurts Alex Meier spielt die Saison seines Lebens und führt die Torjägerliste an

Beim HSV konnte sich der Angreifer in seiner Anfangszeit nicht durchsetzen

Erst über St. Pauli und die 2. Bundesliga fand er den Weg ins Oberhaus. Hier waren aber eher seine Sturmpartner wie Theofanis Gekas diejenigen, die für die Tore sorgten

In der Bundesliga spielte Meier (r., gegen Julian Schuster) meist solide, aber nie wirklich herausragend

In der 2. Bundesliga fand der Schlaks seine Idealposition hinter der Spitze - und wurde Torschützenkönig

Jetzt jubelt Meier (l.) wieder im Oberhaus - und wie! Ein Klick führt zum Spielerprofil

München - Es ist ja nicht so, dass Alex Meier in der Bundesliga ein Unbekannter ist. Irgendwie war er immer dabei in den letzten Jahren, allerdings nie im Rampenlicht - auch wenn er manchmal getroffen hatte.
Torschützenkönig, oder auch nur nah dran, war er nie. In seiner besten Spielzeit kam er auf zehn Tore, doch da knipste Wolfsburgs Grafite 30 Mal. In seinen ersten neun Saisons schaffte er drei Doppelpacks. Vor dieser Spielzeit hatte er für jedes seiner 32 hart erkämpften Bundesliga-Tore im Schnitt mehr als zehn Mal auf den Kasten feuern müssen. Daher bekam der meist als Stürmer aufgestellte 1,96-Meter-Mann als Partner stets einen eiskalten Vollstrecker wie beispielsweise Theofanis Gekas zu Seite, weil er selbst, Meier, keiner war - bis jetzt.

Personifizierte Torgefahr



Aktuell ist Alex Meier die Nummer eins der Torjägerliste, und das als nomineller Mittelfeldspieler. Er hat so viele Doppelpacks geschnürt wie Mario Mandzukic, Stefan Kießling und Vedad Ibisevic zusammen. Seine Torquote hat er um mehr als das Dreifache verbessert. Jetzt trifft er alle 120 Minuten und fast jeder vierte Schuss landet im Netz.

Fast so wie beim 4:2-Sieg seiner Eintracht am 12. Spieltag, als der Schlaks fünf Abschlüsse für seinen bereits dritten Doppelpack der Saison benötigte, was die User von bundesliga.de mit dem Sieg bei der Wahl zum "Spieler des Spieltags" honorierten. Mit 41,96 Prozent der User-Stimmen siegte Meier damit deutlich vor Dortmunds Mario Götze (33,09 Prozent) und den anderen vier Kandidaten. "Das ist der beste Meier, den es je gab", sagt sein Coach Armin Veh. Nach einem solchen Durchbruch sah es aber lange Zeit nicht aus, wie bundesliga.de zeigt.
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Für den HSV nicht gut genug

Meier stammt aus der Metropolregion Hamburg und begann seine Profilaufbahn auch beim HSV. Durchsetzen konnte er sich dort aber nie. Bei einer Leihe zum Rivalen FC St. Pauli mauserte er sich immerhin zum Zweitliga-Stammspieler, den Regionalliga-Abstieg 2003 konnte er mit sieben Toren aber auch nicht verhindern. Für die Bundesliga und die Ansprüche des HSV genügte Meier immer noch nicht, der Club verlieh den Angreifer erneut in die 2. Liga - nach Frankfurt. Bei der Eintracht stand er in allen 34 Saisonspielen auf dem Platz, traf neun Mal und stieg das erste Mal mit den Hessen auf.

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Veh legt den Schalter um

Seit sieben Jahren trägt der 29-Jährige nun schon das Adlertrikot. Sein Talent war seit jeher unbestritten, doch seinen genialen Momenten folgten immer wieder Schwächephasen. Bei den Fans stand er stets in der Kritik, seine Fähigkeiten zu selten abzurufen. Es musste erst jemand den Schalter umlegen, dass aus dem Meier von damals der von heute wurde: Armin Veh. "Ich wusste schon immer, wie gut er ist und wollte ihn schon zu meiner Stuttgarter Zeit zum VfB holen", sagt der jetzige Eintracht-Trainer. Nach dem Abstieg 2011 stellte sich Frankfurt neu auf. Veh machte Meier zum Vizekapitän, nahm ihn so in die Verantwortung. "Das hat mir gezeigt, dass ich einen Stellenwert habe", sagt Meier.

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Fleißig wie Federer

Seitdem steht Meier, neben dem "Ewigen Oka" Nikolov, wie kein Zweiter für die Eintracht - und trifft, wie er will. Als Zweitliga-Torschützenkönig ballerte er Frankfurt mit 17 Buden zurück ins Oberhaus. Für seine Schusstechnik schiebt er Extraschichten. "Federer übt die Vorhand auch weiter, obwohl er sie perfekt kann. Zusatzschichten sind normal. Das brauche ich, um Sicherheit zu bekommen", verrät er. Trotz seiner fulminanten Auftritte wurden im extrem kritischen Frankfurter Umfeld Stimmen laut, die den Rechtsfuß nach dem Aufstieg nicht mehr für die Eintracht in der Bundesliga stürmen sehen wollten. Doch Meier blieb ruhig und der Eintracht weiter treu.

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Mit der Verantwortung kamen die Tore

Schließlich fand Meier seine Idealposition: die "Neuneinhalb" in Vehs 4-2-3-1. Dort kann der kopfballstarke Hüne sowohl ablegen als auch vollenden. Früher wurde ihm vorgeworfen, er verstecke sich auf dem Platz zu oft. Nun strahlt er im und außerhalb des Strafraums eine Souveränität und Selbstverständlich-
keit aus, die in der Bundesliga ihresgleichen sucht. Cool schnappte er sich gegen Augsburg am Strafraum den Ball, verzögerte und netzte ein. Immer wieder sucht er selbstbewusst den Abschluss. "Der Junge weiß manchmal gar nicht, was er kann. Der kann so viel", sagt Veh. Selbst aus unmöglichen Situationen wie gegen Stuttgart gelingen ihm Traumtore (Video). Ganz klar - Meier ist unter dem Druck der Verantwortung gewachsen.

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Schweglers Wette

Was er kann wie kein Zweiter, ist Doppelpacks schnüren. Kein anderer Bundesliga-Spieler durfte in dieser Saison bereits drei Mal doppelt jubeln. Auch Pirmin Schwegler sagt: "Der Alex ist immer für einen Doppelpack gut. Auf ihn würde ich immer wetten. Habe ich bislang aber noch nicht, sonst wäre ich reicher." Dabei stünden die Quoten dafür trotz Meiers Gala-Form wahrscheinlich gar nicht so schlecht, denn drei Doppelpacks sind genauso viele, wie er in seinen acht bisherigen Bundesliga-Jahren zustande gebracht hatte (Torjägerliste).

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Frankfurt ohne Meier? Hmm...

Zuletzt gelang ihm das Kunststück gegen den FC Augsburg. Beim 4:2 vollendete er die beste Kombination des Spiels über Stefan Aigner mit einem satten Direktschuss, bevor er beim Handelfmeter die Nerven behielt (Video-Spielbericht). "Meier hat mir gesagt, ich soll ihm den Ball geben. Er braucht nur eine Chance, dann ist er drin." Wohlgemerkt - diese Aussage tätigte Mitspieler Karim Matmour vor dem Augsburg-Spiel. Solches Selbstbe-
wusstsein reißt die Mitspieler mit. Wo wäre Frankfurt nur ohne Meier? Auf Platz 12, wenn man seine neun Tore und zwei Vorlagen wegrechnet, drei Punkte vorm Relegationsplatz. Doch sein enormer Wert als Identifikationsfigur macht vielleicht einen noch größeren Unterschied als all seine Tore.

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