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31.01.2013 - 22:19 Uhr


"BVB ist stärker als die Bayern!"

Fast vier Jahre war Wolfgang Frank Trainer von Mainz 05. Er hinterließ einen bleibenden Eindruck

Jürgen Klopp (l.) war als Spieler noch unter Frank in Mainz aktiv und hat sich zu Beginn seiner eigenen Trainerlaufbahn stark an ihm orientiert

In Deutschland saß Frank zuletzt von Oktober 2010 bis April 2011 auf der Bank von Carl Zeiss Jena. Danach wechselte er nach Belgien zum AS Eupen, wo er bis Juni vergangenen Jahres in der Verantwortung stand

Köln - Gut möglich, dass Mainz 05 ohne Wolfgang Frank heute nicht in der Bundesliga spielen würde. Genauso fraglich ist es, ob Borussia Dortmund in den letzten beiden Spielzeiten Deutscher Meister geworden wäre. Wolfgang Frank war von 1995 bis 1997 und von 1998 bis 2000 Trainer des 1. FSV Mainz 05. Und er hat tiefe Spuren hinterlassen. In Mainz und im deutschen Fußball. Er setzte als erster Trainer der 2. Bundesliga auf die Viererkette und war für seine innovativen Trainingsmethoden bekannt.
Seine Spieler saugten alles wissbegierig in sich auf. Einer dieser Spieler war Jürgen Klopp. Der Dortmunder Trainer hat sich gerade zu Beginn seiner Trainerlaufbahn stark an Frank orientiert. Das betont der heutige Meistertrainer immer wieder. bundesliga.de hat mit Klopps Mentor über seinen Lehrling, das kommende Spitzenspiel in Leverkusen und die Entwicklung des deutschen Fußballs gesprochen.

bundesliga.de: Guten Tag Herr Frank. Wo erwische ich Sie gerade?

Wolfgang Frank: Ich bin im Moment in Amman in Jordanien. Ich habe mir Spiele in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten angeschaut. Ich wollte mir mal ein Bild vom arabischen Fußball machen. Hier entwickelt sich einiges.

bundesliga.de: Am Sonntag stehen sich Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund gegenüber. Wie schätzen Sie die beiden Teams ein?

Wolfgang Frank: Ich habe die Borussia in dieser Saison schon mehrfach gesehen und glaube, dass sie mit Nuri Sahin noch einmal enorm an Qualität dazugewonnen hat. Das hört sich jetzt aufgrund der Tabellensituation vielleicht ziemlich blöd an, aber für mich sind die Dortmunder sogar noch stärker als die Bayern.

bundesliga.de: Und Leverkusen?

Wolfgang Frank: Die spielen eine tolle Saison, ob es aber am Ende zu einem der ersten beiden Plätze reicht, wird man sehen. Vom Spielermaterial sind Bayern und Dortmund besser besetzt.

bundesliga.de: Was ist Bayers Erfolgsgeheimnis?

Wolfgang Frank: Ich denke, Hyypiä und Lewandowski haben sehr gut erkannt, wie sie die Mannschaft spielen lassen müssen. Sie haben mit Rolfes, Bender und Reinartz drei eher defensiv orientierte Mittelfeldspieler, die es jeder Mannschaft sehr schwer machen können, ins Spiel zu kommen. Und vorne spielen Kießling, Schürrle und Castro einfach überragend. Gerade von Schürrles Entwicklung bin ich begeistert. Seinen Werdegang verfolge ich schon seit seiner Mainzer Juniorenzeit.

bundesliga.de: Wie können die Dortmunder Leverkusen knacken?

Wolfgang Frank: Sie müssen versuchen, den Druck hoch zu halten. Toprak und Wollscheid sind sehr gute Innenverteidiger, aber zu internationalen Spitzenleuten wie Hummels, Subotic oder Santana fehlt noch ein wenig. Da sehe ich den BVB eindeutig im Vorteil.

bundesliga.de: Wo sehen Sie im Gegenzug Bayers Chancen?

Wolfgang Frank: Dortmunds System erfordert von jedem Spieler eine enorm hohe Laufbereitschaft. Geht die Mannschaft läuferisch nicht an ihre Grenzen, bekommt sie Probleme. Sie versuchen, den Ball immer möglichst schnell zu erobern. Ziehen nicht alle mit, können Lücken entstehen. Aus meiner Sicht liegen sie weit hinter den Bayern zurück, weil es sehr schwierig ist, diese Leistung im Rhythmus Samstag-Mittwoch-Samstag abzurufen. In der Champions League sind sie fantastisch aufgetreten - in der Bundesliga fehlten vielleicht hier und da ein paar Prozent. Da die englischen Wochen der Rückrunde noch nicht begonnen haben, sehe ich den BVB im Vorteil.

bundesliga.de: Sie kennen Jürgen Klopp aus ihrer Mainzer Zeit sehr gut. Was sind seine großen Stärken als Trainer?

Wolfgang Frank: Ganz abgesehen davon, dass er taktisch ganz stark ist und auch innerhalb eines Spieles auf verschiedene Situationen clever reagiert, hat er einen sehr guten Draht zu seinen Spielern. Er besitzt enorme Führungsqualitäten. Das reißt die Mannschaft mit.

bundesliga.de: Glauben Sie, dass die Meisterschaft noch einmal spannend wird?

Wolfgang Frank: Man weiß nie. Bei dem großen Abstand sollten die Verfolger den Ball flach halten. Wenn die Bayern tatsächlich in eine Schwächephase geraten, müssen sie da sein.

bundesliga.de: Wie sehen sie insgesamt die Entwicklung des deutschen Fußballs?

Wolfgang Frank: Zu Beginn meiner Trainerkarriere habe ich nach Italien geschaut. Die Serie A war den anderen europäischen Ligen taktisch weit überlegen. Mittlerweile stagniert der italienische Fußball. Die Bundesliga gehört dagegen taktisch zu den Vorreitern in Europa. Da ist sehr gute Arbeit geleistet worden. Matthias Sammer hat beim DFB im Juniorenbereich sehr viel angeschoben. Die fußballerische Ausbildung in Deutschland ist auf einem absoluten Topniveau.

bundesliga.de: Sehen wir Sie noch einmal auf einer Trainerbank wieder?

Wolfgang Frank: Das hoffe ich doch. Bei meiner letzten Station in Eupen hatten wir Großes vor und einen langfristigen Plan. Wir wollten den Verein in die erste belgische Liga bringen, mittelfristig auch nach Europa. Dann wurde der Club von katarischen Scheichs aufgekauft. Die brachten eine Armada von spanischen Trainern mit und ich musste gehen. So möchte ich nicht aufhören.

bundesliga.de: Zum Abschluss Ihr Tipp für das Spiel am Sonntag?

Wolfgang Frank: Wenn ich mich festlegen muss, tippe ich auf einen knappen Dortmunder Erfolg. 1:0 oder 2:1.

Das Gespräch führte Florian Reinecke
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