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18.05.2013 - 12:36 Uhr


"Augsburg wird Fürth niederwalzen"

Friedhelm Funkel glaubt, dass Augsburg sich retten wird und Düsseldorf in die Relegation muss

Die Schwaben um Daniel Baier (r.) treffen zuhause auf den Tabellenletzten Greuther Fürth mit Felix Klaus (l.) - das Hinspiel endete 1:1-Remis

Düsseldorf um Kapitän Andreas Lambertz (r., gegen Manuel Schmiedebach) spielt bei Hannover 96 - das Hinspiel gewannen die Rheinländer 2:1

Mit 1.133 Einsätzen als Spieler und Trainer in der 1. und 2. Bundesliga ist Friedhelm Funkel der Rekordmann des deutschen Fußballs. Mit dem MSV Duisburg und Eintracht Frankfurt erreichte er als Coach das DFB-Pokalfinale, als Spieler holte er mit Bayer Uerdingen den Pott. Im Interview mit bundesliga.de nimmt der 59-Jährige die interessantesten Begegnungen des letzten Spieltages vorab unter die Lupe und wagt eine Prognose.
bundesliga.de: Herr Funkel, der Tag der letzten Entscheidungen naht. Ihr ehemaliger Verein Eintracht Frankfurt kann den Einzug nach Europa perfekt machen. Ein Unentschieden reicht gegen Wolfsburg. Packt es die Eintracht?

Friedhelm Funkel: Das schafft die Eintracht, obwohl der VfL Wolfsburg auswärts eine richtig starke Saison spielt. Aber ich kenne die Atmosphäre bei der Eintracht. Es wird eine Wahnsinnsatmosphäre herrschen. Das Stadion wird bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Die Eintracht wird sich für ein fantastisches Jahr belohnen, wird diesen einen noch fehlenden Punkt holen und dann verdient in die Europa League einziehen.

bundesliga.de: Wie überraschend ist es, dass der Aufsteiger bis jetzt konstant immer unter ersten Sechs der Tabelle stand?

Funkel: Das ist eine große Überraschung. Ich habe vor der Saison die Eintracht als stärksten Aufsteiger getippt, weil in der Mannschaft viele gestandene Bundesliga-Spieler standen und sie sehr sinnvoll verstärkt wurde. Dass sie an 33 Spieltagen immer unter den ersten Sechs stehen, ist schon sensationell.

bundesliga.de: Ist der Erfolg eine Eintagsfliege oder lässt er sich wiederholen?

Funkel: Es wird sehr schwer werden, das zu wiederholen. Aber es ist nicht unmöglich, weil die Mannschaft gewachsen und noch sehr jung ist. Ich hoffe, dass die Mannschaft zumindest im nächsten Jahr noch zusammenbleibt und auch Sebastian Rode bleibt, der ein ganz wichtiger Spieler für die Eintracht ist. Sebastian Jung bleibt auch. Sie werden sich verstärken, zwei Spieler aus Freiburg haben sie schon verpflichtet. Trotzdem darf man nicht vergessen, welche Mannschaften die Eintracht hinter sich gelassen hat und wie die jetzt aufrüsten werden. Ich denke an den VfL Wolfsburg, Hannover 96, möglicherweise Werder Bremen. Es wird sehr schwer.

bundesliga.de: Die zweite Entscheidung des Samstags ist das Endspiel Freiburg gegen Schalke um den 4. Platz. Was für eine Partie erwarten Sie?

Funkel: Ich glaube, dass es ein richtig gutes und spannendes Spiel werden wird, und der Ausgang völlig offen ist. Irgendwie gönnt man es ja dem SC Freiburg. Das ist jetzt keine Antipathie gegen Schalke. Aber was der SC Freiburg mit diesem Trainer, mit den wenigen Mitteln geschafft hat, ist ja noch sensationeller als der Erfolg von Eintracht Frankfurt. Auf der anderen Seite wäre es für den deutschen Fußball besser, wenn Schalke in die Qualifikation gehen würde, weil der Verein sich sicher noch richtig gut verstärken wird und eher eine Chance als der SC Freiburg hat, sich für die Champions League zu qualifizieren, weil sie eine international erfahrene Mannschaft haben. Aber nochmal: Man kann gar nicht genug Hochachtung vor dem haben, was Freiburg erreicht hat.

bundesliga.de: Ist der Sport-Club mit seiner Jugendarbeit auch beispielhaft für andere Vereine mit geringeren Möglichkeiten?

Funkel: Ganz sicher. Der Erfolg ist ja unglaublich. Allerdings wird der Sport-Club im nächsten Jahr möglicherweise den Fluch des Erfolges zu spüren bekommen. Es geht vielleicht die halbe Mannschaft - Stammspieler, Leistungsträger. Dann ist es für einen Verein wie Freiburg sehr schwer, zu gleicher Stärke zurückzufinden.

bundesliga.de: Bliebe am Tag der Entscheidung noch die Abstiegsfrage. In der vergangenen Woche hatten Sie im "Kicker" geschrieben, dass sich Fortuna Düsseldorf mit einem Sieg gegen Nürnberg retten wird. So kann man sich irren.

Funkel: Das ist in der Tat schief gegangen. Nach der Niederlage der Fortuna ist die Ausgangssituation nun aus meiner Sicht für den FC Augsburg besser. Denn ich glaube, dass Augsburg zuhause gegen Fürth gewinnen wird oder zumindest einen Punkt holt, der reichen würde, wenn Hannover 96 die Fortuna schlägt. Hannover muss einen vernünftigen Saisonabschluss hinlegen, nachdem die Saison ein bisschen enttäuschend verlaufen ist. Im Moment sprechen alle Zeichen dafür, dass die Fortuna es in Hannover ganz schwer haben wird. Ich glaube nicht, dass sie dort punktet.

bundesliga.de: Warum ist es so schwer, sich aus einer Negativspirale wieder zu befreien?

Funkel: Das ist ganz schwer, weil viel zusammenkommt. Bei Fortuna kommt Verletzungspech dazu, es gab Undiszipliniertheiten. Das spricht dafür, dass in der Mannschaft Probleme sind. So hat sie sich auch in den letzten Wochen auf dem Spielfeld präsentiert. Ich glaube, dass Norbert Meier die richtige Maßnahme ergriffen hat und ins Trainingslager gefahren ist, um aus Düsseldorf wegzukommen. In Düsseldorf sind die Stimmung und die Berichterstattung in der Boulevardpresse sehr negativ gegen die Mannschaft, Wolf Werner und Norbert Meier. Das haben sie absolut nicht verdient. Aber das passiert, wenn man so viele Spiele verliert und so wenig Punkte holt. Dann zählt all das, was vorher fünf Jahre sehr gut war, nicht mehr. Aber damit müssen sie jetzt fertig werden. Für Düsseldorf wird es sehr schwierig, weil die Tendenz absolut negativ ist und Hannover nichts herschenken wird. Deswegen sehe ich für Fortuna für dieses Spiel schwarz.

bundesliga.de: Der FC Augsburg gilt dagegen als stabiler, hat aber selbst fünf der letzten sieben Spiele verloren.

Funkel: Aber sie haben in der Rückrunde 21 Punkte geholt, nach nur neun Punkten nach der Hinrunde. Das ist schon sensationell. Dass diese Mannschaft nicht immer gewinnen kann, ist ja auch klar. Der FCA hat gegen die Bayern über 70 Minuten eine richtig vernünftige Leistung abgeliefert. Deswegen traue ich Augsburg mehr zu als Düsseldorf. In Augsburg wird das Stadion beben. Aber man darf den Augsburger Gegner Greuther Fürth nicht unterschätzen. Die Mannschaft ist auswärts viel stärker als daheim. Aber ich glaube, dass Augsburg sie niederwalzen wird.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Chancen von 1899 Hoffenheim ein?

Funkel: Im Fußball ist zwar alles möglich. Aber dass Hoffenheim in Dortmund gewinnt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Dortmund will sich mit einem Sieg aus der Saison verabschieden und wird eine vernünftige Generalprobe für das Champions-League-Finale in London absolvieren wollen. Jürgen Klopp wird mit der besten Mannschaft spielen.

bundesliga.de: In Bremen ist am Mittwoch die Ära Thomas Schaaf zu Ende gegangen. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Funkel: Ich glaube, dass der Thomas in den letzten Wochen unglaublich viel an negativen Dingen verarbeiten musste. Er war es überhaupt nicht gewohnt, angegriffen zu werden und mit Werder Bremen um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen. Das wird an seinen Nerven gezerrt haben. Ich habe erwartet, dass am Ende der Saison ein Schnitt gemacht wird. Überraschend ist es, dass es jetzt einen Spieltag vor Saisonende passiert ist. Das zeigt, dass er an andere Dinge denken will als das letzte Spiel gegen den 1. FC Nürnberg.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski
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