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11.12.2012 - 20:35 Uhr


"Arangol": Wenn das Schwierige ganz einfach wird

Am Boden, aber obenauf: Juan Arango (v.) erzielt gegen Mainz im Wegrutschen das 2:0 - aus 44 Metern Entfernung

Der Venezolaner ist ein richtiges Schlitzohr und leert den Bundesliga-Keepern mit seinen Geniestreichen das Fürchten

Durch seine perfekte Schusstechnik ist Arango in der Lage, aus jeder noch so schwierigen Situation ein Tor zu erzielen

"Fohlen"-Coach Lucien Favre (r.) weiß, was er an seiner Nummer 18 hat und spart deshalb nicht mit Lob

München - "Als ich gesehen habe, dass der Ball von Heinz Müller zu Juan kommt, wusste ich: Gleich steht es 2:0", sagte Gladbachs Martin Stranzl nach dem Sieg gegen Mainz. Seine Vorahnung sollte sich bewahrheiten. Juan Arango enttäuschte die Erwartungen seiner Mitspieler nicht und erzielte aus über 40 Metern Entfernungen per Bogenlampe den zweiten Treffer gegen den FSV - im Wegrutschen (Video: Top-Tore des 16. Spieltags). Doch dies war nicht der erste außergewöhnliche Treffer des Venezolaners im Gladbach-Trikot.
Der Mittelfeldspieler erzielte am Sonntagabend (Spielbericht) sein fünftes Bundesliga-Saisontor, sein siebtzehntes für die "Fohlen" - natürlich jedes mit seinem begnadeten linken Fuß. Durch den Geniestreich gegen die 05er steht Arango kurz davor, seine Bestmarke aus der Vorsaison zu egalisieren (sechs Treffer). Trainer Lucien Favre krönt seinen Edeltechniker jetzt schon zum "besten Linksfuß der Welt". In seiner Heimat ist der 32-Jährige längst eine lebende Legende, wurde in diesem Jahr zum besten Fußballer Venezuelas aller Zeiten gewählt. Der Rekordnationalspieler (110 Einsätze) ist ein auf dem Feld ein Mann der Extreme, besonders, wenn es darum geht, Traumtore zu erzielen. "Irgendwie liegen mir die schweren Tore mehr als die einfachen", erklärt der Südamerikaner die Regelmäßigkeit, in der ihm Treffer der Superlative gelingen.

Distanzschuss-Experte



"Für solche Tore haben wir Juan", sagt Tony Jantschke. Doch diese kommen keineswegs aus dem Nichts, versucht es Arango ligaweit doch am häufigsten aus der Distanz. Von 36 Torabschlüssen feuerte der Arango 28 aus größerer Entfernung ab. Dabei kommt dem Linksfuß seine außergewöhnliche Schusstechnik zugute. Vier Mal netzte Arango in der laufenden Spielzeit schon per Distanzschuss ein. "Ich hatte in meiner Karriere gute und schlechte Zeiten, jetzt ist gerade tatsächlich eine sehr gute", weiß er das aktuelle Hoch jedoch richtig einzuordnen.

Ob knallhart oder gefühlvoll - das Freistoßschießen ist ebenfalls eine Kernkompetenz für den Routinier. Von 15 Versuchen landeten zwei im Netz, nur Ex-Borusse Marco Reus kann da mithalten. Unter den Mitspielern sorgen die Kunststücke der Gladbacher Nummer 18 jedoch kaum noch für großes Erstaunen. "Wenn man sich mal anguckt, was er alles schon beim Aufwärmen mit dem Ball macht, wundert einen das nicht mehr", sagt Jantschke. Viele Fans der "Fohlen" vergleichen Arango längst mit dem legendären Günter Netzer, der in den 70er-Jahren am Bökelberg zauberte. "Mit ihm verglichen zu werden, macht mich stolz", sagt "El Huracan del caribe", "der Hurrikan der Karibik", wie Arango in seiner Heimat genannt wird, bescheiden.

Arango träumt, Favre schwärmt



Ein Ego-Trip, wie ihn viele andere Spieler mit ähnlichen Fähigkeiten wie Arango fahren, liegt dem Venzolaner ohnehin fern. Vielmehr erweist sich der 32-Jährige seit seinem Wechsel von Mallorca zur Borussia (im Sommer 2009) als Mannschaftsspieler, der auch immer in der Lage ist, mit einem genialen Pass seine Mitspieler in Szene zu setzen. Zu 38 Torschüssen leistete Arango die Vorlagen, vier davon führten zu einem Treffer. Durch seine individuelle Klasse am Ball ist der Arango nur schwer zu stoppen. 31 Mal mussten sich seine Gegenspieler mit einem Foul "behelfen" - kein anderer Borusse wurde in der laufenden Spielzeit so oft regelwidrig aus dem Tritt gebracht.

Man würde dem Edeltechniker aber keinesfalls gerecht werden, wenn man seine Qualitäten ausschließlich in der Offensive sieht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich das Defensivspiel des Mittelfeldspielers auch stark verbessert. Kein Wunder, dass die "Fohlen" frühzeitig den Vertrag von "Arangol" bis Ende Juni 2014 verlängerten. In jenem Sommer findet in Brasilien die Weltmeisterschaft statt - momentan liegt Rekordtorschütze Arango (23 Treffer) mit Venezuela auf Endrundenkurs. Für den Kapitän der Nationalelf wäre es die Erfüllung eines Traumes, die Elf bei der ersten WM-Teilnahme aufs Feld zu führen. "Das wäre unbeschreiblich", sagt Arango. Doch bis es soweit ist, hoffen vor allem die Fans am Niederrhein, dass der ansonsten so sachlice Trainer Lucien Favre noch einige Male über Juan Arango frohlockt, wie nach dem Tor gegen Mainz. "Das 2:0 war so schön", schwärmte der Schweizer. "Er macht in dieser Saison unglaubliche Tore."

Christoph Gailer
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