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02.05.2012 - 14:12 Uhr


Vom Fehleinkauf zum Meisterfaktor

Ilkay Gündogan kam in dieser Saison bislang auf 27 Einsätze in der Bundesliga - 21 davon in der Startelf

Ivan Perisic (l.) erzielte beim 2:0-Sieg gegen Gladbach den Führungstreffer

Der junge Moritz Leitner (l.) gratuliert Jakub Blaszczykowski, der als Götze-Ersatz überzeugte

Chris Löwe vertrat zu Saisonbeginn Marcel Schmelzer hinten links sehr solide

Dortmund - Der Erfolg von Borussia Dortmund hat viele Bausteine. Einer davon ist die Qualität des Kaders, den das verantwortliche Trio Hans-Joachim Watzke, Michael Zorc und Jürgen Klopp vor der Spielzeit zwar nur punktuell, dafür aber auf den Punkt genau ergänzt hat. Von den insgesamt sechs Neuen allerdings stach einer heraus und legte dabei eine erstaunliche Entwicklung hin vom Fehleinkauf zum Meisterfaktor.
Nach dem Pokal-Halbfinale in Fürth stand Ilkay Gündogan verwundert da und rieb sich die Augen. Der Mannschaftsbus war weg und hatte den Schützen des goldenen Tores schlicht vergessen. Ein Sinnbild? Mitnichten! Denn so wie der 21-Jährige am Ende noch in den Bus stieg, so sprang er auch auf den Meisterexpress des BVB noch rechtzeitig auf. Im letzten Saisondrittel bewies Gündogan seine Qualitäten, zog im Mittelfeld die Fäden und verdrängte Sven Bender aus der Startelf.

Probleme bei der Eingewöhnung



In der Hinrunde war das noch nicht abzusehen. Im Gegenteil! Aus Nürnberg mit großen Vorschusslorbeeren gekommen, war es aber weniger der heftige Konkurrenzkampf im Dortmunder Mittelfeld, der Ilkay Gündogan zu lähmen schien. Es war die Umstellung auf das schnelle, laufintensive Spiel des BVB, die ihm zu schaffen machte. Vor allem aber war es die Bürde der Sahin-Nachfolge, die der gebürtige Gelsenkirchener mit sich herumtrug.

Er verlor seinen anfänglichen Stammplatz, flog sogar komplett aus dem Kader und galt als Fehlinvestition. Aber der Techniker hat sich wieder herangekämpft, wirkt jetzt ruhiger und abgeklärter, auch wenn sein Defensivverhalten noch ausbaufähig ist. Aber im Endspurt der Saison wurde Gündogan zum Antreiber mit Spielmacher-Qualitäten und für die Borussia zum Trumpf um den Titel.

"Momente, die man genießen muss"



Bewährt im schwarz-gelben Meisterteam hat sich auch Neuzugang Nummer zwei, Moritz Leitner. Vielleicht war es die Unbekümmertheit, die dem 19-Jährigen den Einstieg leichter machte und ihn sogar zu einer der Überraschungen dieser Spielzeit werden ließ. Im 16er-Kader hat das "Küken" des BVB einen festen Platz. Seine freche Spielweise tut dem Dortmunder Spiel gut, und Leitner legte sie auch gegen die Großen des Fußballs nicht ab - egal, ob in der Bundesliga gegen den FC Bayern oder in der Champions League gegen Arsenal London. Für ihn selbst waren das "Momente, die man genießen muss" - und von denen es demnächst noch mehr geben dürfte.

Auf mehr Einsatzzeit hofft auch Ivan Perisic. Zwar deutete der Kroate mehrfach an, welchen Wert er für seinen neuen Verein haben kann. Besonders der Führungstreffer gegen Mönchengladbach, der dem BVB am 32. Spieltag den Weg zum Titel ebnete, bleibt in Erinnerung. Doch vor allem Perisic selbst hatte sich noch mehr erwartet in seinem ersten Jahr bei der Borussia.

Kein Wunder, war er doch bei seinem vorherigen Club Brügge erfolgsverwöhnt. Mit der Empfehlung von 22 Toren und zehn Vorlagen war der offensiv vielseitig einsetzbare Vorbereiter und Vollstrecker ins Ruhrgebiet gewechselt. Doch wie auch Gündogan hatte Perisic lange daran zu knabbern, sich auf den aggressiven, temporeichen Fußball der Dortmunder einzustellen. Und an Kevin Großkreutz und dessen laufintensivem Spiel kam er nicht vorbei.

Perisic als Edeljoker



Für den BVB allerdings erwies er sich als Mann für die gewissen Momente. Etwa beim Champions-League-Spiel gegen Arsenal, als er den Ball volley ins Netz drosch. Oder beim Wahnsinnsspiel gegen Stuttgart, als er zur zwischenzeitlichen 4:3-Führung traf. Sechs Saisontore haben den 23-Jährigen bei nur sieben Einsätzen in der Startelf zur Nummer vier der Dortmunder Torjägerliste werden lassen - das kann sich sehen lassen und zeigt seinen Wert. Und vielleicht ergeht es Ivan Perisic wie zuvor schon Robert Lewandowski. Auch der Pole musste sich ein Jahr lang mit der Rolle des Edeljokers begnügen, eher er durchstartete.

Für die Borussia erwiesen sich alle Neuzugänge letztlich als guter Griff - und das darf uneingeschränkt auch für Chris Löwe gelten. Vom Chemnitzer FC war der 23-Jährige aus der Regionalliga zum Deutschen Meister in die Bundesliga gewechselt und sollte den Back-up für Marcel Schmelzer geben. Als der sich zum Saisonauftakt verletzte, machte Löwe das, wofür man ihn geholt hatte: Er verrichtete auf der linken Abwehrseite einen guten Job, spielte unaufgeregt und selbstbewusst und durfte sogar einmal in der "Königsklasse" ran.

Einzig Marvin Bakalorz, der aus der U23 in den Profikader aufgerückt war, sowie Julian Koch nach seiner Rückkehr aus Duisburg spielten in diesem Jahr als Neuzugänge beim BVB keine Rolle. Doch während Bakalorz mit der U23 kurz vor dem Aufstieg in die 3. Liga steht, feierte auch Koch noch sein ganz persönliches Erfolgserlebnis: Nach Kreuzbandriss und Kompartmentsyndrom kehrte der 21-Jährige nach über einem Jahr gerade wieder ins Training zurück.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte
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