Bundesliga
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23.04.2008 10:19:13
Gerd Müller wurde unter anderem vier Mal Pokalsieger und vier Mal Deutscher Meister mit dem FC Bayern
"Wenn es einer packt, dann Toni"
Eine Marke für die Ewigkeit? In der Spielzeit 1971/72 erzielte Gerhard "Gerd" Müller sage und schreibe 40 Tore für den FC Bayern München.
Müller ist der erfolgreichste deutsche Stürmer aller Zeiten. Er erzielte 68 Tore in 62 Länderspielen, 365 Treffer in 427 Bundesligaspielen für den FC Bayern München. Insgesamt sicherte sich der "Bomber der Nation" sieben Mal die Torjägerkanone, wurde Welt- und Europameister.
Tormaschine aus München
Rekorde über Rekorde
Müller hält nicht nur den Rekord innerhalb einer Bundesliga-Saison mit 40 Toren (1971/72), sondern auch die zweitbeste (38 Tore 1969/70) und drittbeste (36 Tore 1972/73) Marke. Von 1966/67 bis 1977/78 befand er sich zwölf Spielzeiten in Folge unter den Top 3 der Bundesliga-Torschützenliste und erzielte dabei jedes Mal mindestens 20 Tore.
Er ist der einzige Bundesliga-Spieler überhaupt, der es innerhalb einer Saison schaffte - bei mindestens 20 geschossenen Toren - mehr Tore zu erzielen als Spiele zu absolvieren, und das gleich fünf Mal (1969/70, 1971/72, 1972/73, 1975/76, 1976/77).
Im Interview mit bundesliga.de spricht Müller über die Unterschiede zwischen früher und heute, über die Qualitäten eines guten Stürmers und über seinen möglichen Nachfolger beim FC Bayern.
bundesliga.de: Herr Müller, Ihr Rekord aus der Saison 1971/72 mit 40 Toren ist noch immer unerreicht. Was glauben Sie: Wird diese Marke überhaupt jemals fallen?
Gerd Müller: Ich glaube nicht daran. Wenn es einer packt, dann ist es Luca Toni in dieser Saison. Und wenn er es dieses Jahr nicht schafft, dann fällt die Marke nicht mehr.
bundesliga.de: Warum?
Müller: So viele gute Stürmer gibt es im Moment ja nicht, von denen man erwarten kann, dass sie das in der neuen Saison schaffen. 40 Tore schießen sich nicht so einfach, da muss der Club schon in der Spitze mitspielen.
bundesliga.de: Wer holt sich die Torjägerkanone in dieser Saison?
Müller: Toni, wer denn sonst? Wer soll ihm noch gefährlich werden? Die Krone kann er sich jetzt schon aufsetzen.
bundesliga.de: Welche Bedeutung hatte die Torjägerkrone für Sie?
Müller: Das ist für einen Torjäger das Höchste! Vor allem, wenn man auch Torschützenkönig Europas wird. Das habe ich auch zwei Mal geschafft. Man steht öfter in der Zeitung, und außerdem ist es ist immer etwas Schönes, wenn man einen Titel holt.
bundesliga.de: Was macht Luca Toni aus und was erinnert an Gerd Müller?
Müller: Er ist ein echter Torjäger. Er hat ein sehr gutes Kopfballspiel und kann links wie rechts schießen. Er ist zwar nicht der Schnellste, aber was er macht hat Hand und Fuß. Er macht aus keiner Torchance ein Tor und so einen braucht eine Mannschaft. Ich habe aber anders gespielt als er, das kann man nicht vergleichen.
bundesliga.de: Was hat Toni, was andere nicht haben?
Müller: Er hat auf jeden Fall den richtigen Riecher. Er läuft sich gut frei und weiß dann ganz genau, wo eine Flanke oder eine Ecke hinkommt. Das passiert bei ihm ganz automatisch. Selbst wenn der Ball noch abgefälscht wird, reagiert er noch. Das sieht man bei anderen nicht.
bundesliga.de: Es fällt auf, dass die Torjäger der heutigen Zeit im günstigsten Fall etwas mehr als 20 Tore erzielen. Warum wurden früher mehr Treffer durch die Stürmer erzielt?
Müller: Für einen guten Torjäger ist das schon zu wenig. Normalerweise haben es die Stürmer doch jetzt leichter: Die Abwehr spielt mit der Viererkette, also hast du als Mittelstürmer mehr Freiheit und eigentlich immer nur einen Gegenspieler vor dir. Wir haben früher einen Vorstopper und dann noch den Libero gehabt. Wie Franz Beckenbauer auch schon gesagt hat: Unter diesen Umständen hätte ich jetzt 80 Tore gemacht. Heutzutage gilt: Wenn einer schnell ist und steil geschickt wird, dann ist er gefährlich und macht vielleicht Tore. Aber wenn einer langsam ist und dafür technisch gut, dann ist er mehr der Spielmacher und erzielt weniger Tore.
bundesliga.de: Sind die Stürmer vielleicht schlechter geworden als früher und die Verteidiger dafür besser?
Müller: Viel schlechter! Wir haben früher bessere Angreifer gehabt, zum Beispiel Siggi Held oder Wolfgang Overath. Woran das liegt, ist schwer zu beantworten. Vielleicht sind sie heute nicht so talentiert wie wir früher. Wir sind mit dem Ball auf der Straße aufgewachsen. Das gibt es ja heute in der Form nicht mehr. Die Verteidiger sind auch eher schlechter geworden im Vergleich zu Berti Vogts oder Horst Dieter Höttges.
bundesliga.de: Was halten Sie von Mario Gomez?
Müller: Ich halte ihn für sehr gut. Er ist schnell und das ist schon mal sehr wichtig. Über seine technischen Fähigkeiten kann ich wenig sagen. Aber er kann kämpfen, er ist beweglich und fast nicht aufzuhalten. Wenn er in einer besseren Mannschaft spielen würde, könnte er vielleicht auch Torschützenkönig werden. Noch ist das Rennen nicht entschieden, aber ich glaube nicht, dass er Toni noch einholt.
bundesliga.de: Was unterscheidet Mario Gomez von Gerd Müller?
Müller: Er ist kein Strafraumspieler. Ich habe mehr im Sechzehner gespielt, das war mein Gebiet. Er kommt von hinten und schafft Räume, was ich zum Beispiel nicht gemacht habe.
bundesliga.de: Von Miroslav Klose waren Sie früher nicht so begeistert. Was hat sich jetzt geändert?
Müller: Früher habe ich zu Miro gesagt: Was du spielst, das ist unmöglich. Dann habe ich ihn mal persönlich getroffen und mich bei ihm entschuldigt. Er ist jetzt gefährlicher geworden. Im Kopfballspiel macht ihm keiner etwas vor und wenn man ihn richtig steil schickt, zeigt er seine Qualität. Er hat viel gelernt bei Bremen. Er ist schnell, er kann die Situation riechen, er ist auch immer da, wenn ein gefährlicher Ball kommt. Miro hat mich bei der WM begeistert und er wird uns auch an der Europameisterschaft wieder begeistern.
Das Gespräch führte Christian Ortlepp
Tormaschine aus München
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Müller hält nicht nur den Rekord innerhalb einer Bundesliga-Saison mit 40 Toren (1971/72), sondern auch die zweitbeste (38 Tore 1969/70) und drittbeste (36 Tore 1972/73) Marke. Von 1966/67 bis 1977/78 befand er sich zwölf Spielzeiten in Folge unter den Top 3 der Bundesliga-Torschützenliste und erzielte dabei jedes Mal mindestens 20 Tore.
Er ist der einzige Bundesliga-Spieler überhaupt, der es innerhalb einer Saison schaffte - bei mindestens 20 geschossenen Toren - mehr Tore zu erzielen als Spiele zu absolvieren, und das gleich fünf Mal (1969/70, 1971/72, 1972/73, 1975/76, 1976/77).
Im Interview mit bundesliga.de spricht Müller über die Unterschiede zwischen früher und heute, über die Qualitäten eines guten Stürmers und über seinen möglichen Nachfolger beim FC Bayern.
bundesliga.de: Herr Müller, Ihr Rekord aus der Saison 1971/72 mit 40 Toren ist noch immer unerreicht. Was glauben Sie: Wird diese Marke überhaupt jemals fallen?
Gerd Müller: Ich glaube nicht daran. Wenn es einer packt, dann ist es Luca Toni in dieser Saison. Und wenn er es dieses Jahr nicht schafft, dann fällt die Marke nicht mehr.
bundesliga.de: Warum?
Müller: So viele gute Stürmer gibt es im Moment ja nicht, von denen man erwarten kann, dass sie das in der neuen Saison schaffen. 40 Tore schießen sich nicht so einfach, da muss der Club schon in der Spitze mitspielen.
bundesliga.de: Wer holt sich die Torjägerkanone in dieser Saison?
Müller: Toni, wer denn sonst? Wer soll ihm noch gefährlich werden? Die Krone kann er sich jetzt schon aufsetzen.
bundesliga.de: Welche Bedeutung hatte die Torjägerkrone für Sie?
Müller: Das ist für einen Torjäger das Höchste! Vor allem, wenn man auch Torschützenkönig Europas wird. Das habe ich auch zwei Mal geschafft. Man steht öfter in der Zeitung, und außerdem ist es ist immer etwas Schönes, wenn man einen Titel holt.
bundesliga.de: Was macht Luca Toni aus und was erinnert an Gerd Müller?
Müller: Er ist ein echter Torjäger. Er hat ein sehr gutes Kopfballspiel und kann links wie rechts schießen. Er ist zwar nicht der Schnellste, aber was er macht hat Hand und Fuß. Er macht aus keiner Torchance ein Tor und so einen braucht eine Mannschaft. Ich habe aber anders gespielt als er, das kann man nicht vergleichen.
bundesliga.de: Was hat Toni, was andere nicht haben?
Müller: Er hat auf jeden Fall den richtigen Riecher. Er läuft sich gut frei und weiß dann ganz genau, wo eine Flanke oder eine Ecke hinkommt. Das passiert bei ihm ganz automatisch. Selbst wenn der Ball noch abgefälscht wird, reagiert er noch. Das sieht man bei anderen nicht.
bundesliga.de: Es fällt auf, dass die Torjäger der heutigen Zeit im günstigsten Fall etwas mehr als 20 Tore erzielen. Warum wurden früher mehr Treffer durch die Stürmer erzielt?
Müller: Für einen guten Torjäger ist das schon zu wenig. Normalerweise haben es die Stürmer doch jetzt leichter: Die Abwehr spielt mit der Viererkette, also hast du als Mittelstürmer mehr Freiheit und eigentlich immer nur einen Gegenspieler vor dir. Wir haben früher einen Vorstopper und dann noch den Libero gehabt. Wie Franz Beckenbauer auch schon gesagt hat: Unter diesen Umständen hätte ich jetzt 80 Tore gemacht. Heutzutage gilt: Wenn einer schnell ist und steil geschickt wird, dann ist er gefährlich und macht vielleicht Tore. Aber wenn einer langsam ist und dafür technisch gut, dann ist er mehr der Spielmacher und erzielt weniger Tore.
bundesliga.de: Sind die Stürmer vielleicht schlechter geworden als früher und die Verteidiger dafür besser?
Müller: Viel schlechter! Wir haben früher bessere Angreifer gehabt, zum Beispiel Siggi Held oder Wolfgang Overath. Woran das liegt, ist schwer zu beantworten. Vielleicht sind sie heute nicht so talentiert wie wir früher. Wir sind mit dem Ball auf der Straße aufgewachsen. Das gibt es ja heute in der Form nicht mehr. Die Verteidiger sind auch eher schlechter geworden im Vergleich zu Berti Vogts oder Horst Dieter Höttges.
bundesliga.de: Was halten Sie von Mario Gomez?
Müller: Ich halte ihn für sehr gut. Er ist schnell und das ist schon mal sehr wichtig. Über seine technischen Fähigkeiten kann ich wenig sagen. Aber er kann kämpfen, er ist beweglich und fast nicht aufzuhalten. Wenn er in einer besseren Mannschaft spielen würde, könnte er vielleicht auch Torschützenkönig werden. Noch ist das Rennen nicht entschieden, aber ich glaube nicht, dass er Toni noch einholt.
bundesliga.de: Was unterscheidet Mario Gomez von Gerd Müller?
Müller: Er ist kein Strafraumspieler. Ich habe mehr im Sechzehner gespielt, das war mein Gebiet. Er kommt von hinten und schafft Räume, was ich zum Beispiel nicht gemacht habe.
bundesliga.de: Von Miroslav Klose waren Sie früher nicht so begeistert. Was hat sich jetzt geändert?
Müller: Früher habe ich zu Miro gesagt: Was du spielst, das ist unmöglich. Dann habe ich ihn mal persönlich getroffen und mich bei ihm entschuldigt. Er ist jetzt gefährlicher geworden. Im Kopfballspiel macht ihm keiner etwas vor und wenn man ihn richtig steil schickt, zeigt er seine Qualität. Er hat viel gelernt bei Bremen. Er ist schnell, er kann die Situation riechen, er ist auch immer da, wenn ein gefährlicher Ball kommt. Miro hat mich bei der WM begeistert und er wird uns auch an der Europameisterschaft wieder begeistern.
Das Gespräch führte Christian Ortlepp
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