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9. Spieltag

19.10.2013 | 18:30 Uhr

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  • Hertha BSC
  • 1 : 0
    1 : 0
  • Borussia M'gladbach

20.10.2013 - 12:17 Uhr


Hertha als Meister im Rasenschach

Gewohntes Bild: Die Hertha-Elf lässt sich nach dem 1:0-Heimsieg von ihren Fans in der Kurve feiern

BSC-Coach Jos Luhukay greift im Spiel gegen Gladbach tief in die Taktikkiste und funktioniert...

...Per-Ciljan Skjelbred (r.) zum "falschen Zehner" um. Das Konzept geht auf. Mit einer defensiven Spielweise befördern sich die Berliner auf den 4.Platz

Abwehrspieler Sebastian Langkamp (r.) mag das aber nicht überbewerten: "Wir haben unser Punktepolster ausgebaut" (©Imago)

Berlin - Langsam beginnt man in Berlin, sich an dieses Bild zu gewöhnen: Hertha-Heimspiel und nach Schlusspfiff feiert die Mannschaft minutenlang mit den Fans in der Ostkurve ihren Sieg. Mit dem 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach holte die Luhukay-Elf schließlich schon ihren vierten Dreier daheim im fünften Spiel.
"Europapokal, Europapokal", skandierte der euphorische Anhang schon vorher. Das war vielleicht etwas zu viel des Guten, doch mit Gladbach hatte sich am Samstagabend im Olympiastadion der bis dato wohl stärkste Gegner der Hertha-Heimsaison vorgestellt - und wurde mit einer taktischen Meisterleistung besiegt.

Luhukay: "Taktisch starkes Spiel"



"Das war über 90 Minuten ein taktisch sehr starkes Spiel von meiner Mannschaft", lobte Luhukay seine Elf. "Wir haben Taktik und Spielweise für Gladbach geändert." Die Partie Sechster gegen Vierter wurde folglich vor allem von den Defensivleistungen beider Teams geprägt, denn auch die Gäste ließen aus dem Spiel heraus wenig zu. So war es kein Zufall, dass das Tor des Tages durch Stürmer Adrian Ramos nach einer Standardsituation fiel (36.).

Doch das Prädikat "Arbeitssieg" würde dem Spiel kaum gerecht werden. Es war eher eine Art Rasenschach, bei dem sich Coach Jos Luhukay einmal mehr als ein Großmeister dieser Disziplin erwies. "Heute haben wir zum ersten Mal in einem Bundesliga-Heimspiel mehr Defensivarbeit als Offensivarbeit verrichtet", resümierte der frühere Gladbach-Trainer.

"Falscher Zehner" statt Bruderduell



Gegen seinen Ex-Club hatte der Niederländer erneut mit einem Detail seiner Aufstellung überrascht. Weder Ronny, dessen Bruderduell gegen Gladbachs Raffael ausfiel, weil der Herthaner nicht mal eingewechselt wurde, noch Änis Ben-Hatira durften die zentrale Position der Mittelfeldoffensive besetzen. Stattdessen beorderte Luhukay Per-Ciljan Skjelbred in diese Rolle, ausgestattet mit dem Auftrag, einen "falschen Zehner" zu geben.

Der vom HSV ausgeliehene Norweger wich offensiv immer wieder auf die Flügel aus, aber agierte bei gegnerischem Ballbesitz eher als vorgezogener "Sechser", der immer wieder den Aufbau der Borussia empfindlich störte. Dahinter bot Luhukay überraschend Levan Kobiashvili auf, der als defensiver Mittelfeldspieler genau wie Hajime Hosogai ebenfalls eine starke Leistung zeigte.

Langkamp schaut weiter nach unten



Nun steht Hertha BSC als Aufsteiger nach neun Spielen auf Tabellenplatz 4, der bekanntermaßen zur Champions-League-Qualifikation berechtigen würde. Wird den Blau-Weißen da nicht langsam ein bisschen bange beim Blick auf die Tabelle? "Nein", erklärte Sebastian Langkamp, "ich habe vor dem Spiel auf die Tabelle geschaut - auf die Punktausbeute der Mitkonkurrenten, die unten drinstehen. Von daher ist es ein schönes Gefühl, dass wir das Punktepolster nach unten hin ausgebaut haben." Für den Innenverteidiger, der zusammen mit seinem Nebenmann Fabian Lustenberger die Gladbacher Angreifer Raffael und Max Kruse kaum zur Entfaltung kommen ließ, sind der aktuelle Tabellenplatz und die 15 Punkte auf dem Hertha-Konto deshalb nur eine "schöne Momentaufnahme".

Damit nahm er vorweg, was sein Trainer wenig später auch in der Pressekonferenz betonte: "Der Tabellenplatz 4 ist eine Phase in der Saison, nicht mehr und nicht weniger." Natürlich ist auch Luhukay die Begeisterung der Fans nicht entgangen: "Die Stadt und unsere Fans sind ein bisschen euphorisiert und auch stolz". Aber: "Wir betrachten das sehr nüchtern."

Hertha vor schweren Aufgaben



Angesichts der kommenden schweren Aufgaben ist das sicher nicht verkehrt. Am nächsten Wochenende geht es zu den Münchner Bayern. "Das ist die beste Mannschaft der Welt mit den besten Spielern der Welt", warnt Sebastian Langkamp und scherzt: "Da stellen wir am besten drei Torhüter auf." Im nächsten Heimspiel folgt mit dem FC Schalke 04 der nächste Champions-League-Teilnehmer und auch in der übernächsten Partie im Olympiastadion gastiert mit Bayer Leverkusen ein Club aus der Königsklasse.

Andererseits: Schon jetzt hat die Hertha so viele Heimsiege auf dem Konto wie in ihrer gesamten letzten Bundesligasaison. Diese Mannschaft ist inzwischen so gut und weiß die klugen taktischen Vorgaben ihres Trainers so geschickt umzusetzen, dass auch gegen die Topteams der eine oder andere Punkt herausspringen könnte. Dann würde auch der Traum vom Europapokal ein weiteres Stück näher rücken.

Aus Berlin berichtet Andre Anchuelo

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