offizielle Webseite

Liveticker

Spieltag & Spielplan

34. Spieltag

18.05.2013 | 15:30 Uhr

h96.png fortuna_duesseldorf.png
  • Hannover 96
  • 3 : 0
    1 : 0
  • Fortuna Düsseldorf

19.05.2013 - 18:34 Uhr


Fortuna muss runter: "Das hatte keiner auf der Agenda"

Nach dem der Abstieg in die 2. Bundesliga besiegelt war, konnten einige Spieler - wie Axel Bellinghausen - ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten

Trainer Norbert Meier (r., mit Kapitän Andreas Lambertz) brachte es auf den Punkt: "Die Tabelle lügt nicht"

Auf die Unterstützung des Fans kann sich die Fortuna mit Sicherheit auch in der 2. Bundesliga verlassen

Hannover - 34. und letzter Spieltag einer Saison. An diesem Tag werden regelmäßig Helden geboren und Dramen geschrieben. So wie an diesem Samstag in Hannover, Dortmund, Augsburg und Frankfurt.
Düsseldorfs Mathis Bolly hatte es auf dem Fuß, so ein Held zu werden. Doch dem 22-jährigen Angreifer versagten bei einer Groß-Chance beim Stand von 0:0 ebenso die Nerven wie nach der 96-Führung, als er Ron-Robert Zieler bereits ausgespielt hatte, aber den Ball nicht am auf der Torlinie postierten Abwehrspieler Johan Djourou vorbei bekam.

Am Ende konnte die Fortuna auch ihr zwölftes Spiel in Folge nicht gewinnen. 0:3 hieß es aus Sicht der Rheinländer, als Schiedsrichter Peter Gagelmann die Partie beendete. Was dann kam, hätte sich ein Drehbuchautor in Hollywood nicht dramatischer ausmalen können.

Grenzenloser Jubel und Tal der Tränen



Über 6000 mitgereiste Anhänger der Fortuna, die ihre Mannschaft frenetisch unterstützt hatten, verharrten zu diesem Zeitpunkt seit knapp zehn Minuten in einer Schockstarre. Beim Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund hatte Abstiegskandidat 1899 Hoffenheim innerhalb weniger Minuten einen 0:1-Rückstand in eine 2:1-Führung verwandelt. Der FC Augsburg war zu diesem Zeitpunkt nach einem 3:1 über Absteiger Greuther Fürth an der Fortuna vorbeigezogen und hatte sich den direkten Klassenerhalt gesichert.

Nur in Dortmund wurde noch gespielt. Düsseldorfs Profis gesellten sich mit hängenden Köpfen und teilweise mit Tränen in den Augen in die Kurve zu ihren Anhängern. Nur Sekunden später wich der Schock über den nicht für möglich gehaltenen direkten Abstieg einer schier grenzenlosen Euphorie. Der BVB hatte ausgeglichen. Das sprach sich herum wie ein Lauffeuer.

"Das tat so weh"



"Man sieht die Fans jubeln, 2:2. Und dann erzählt mir ein Hannoveraner Spieler, dass das Tor nicht zählt", beschrieb Stefan Reisinger bundesliga.de die Situation. "Ich hab' das noch gar nicht realisiert. Das tat so weh, wie ich in die Augen der Kollegen, Fans und der Vereins-Mitarbeiter geschaut habe. Man darf sich am letzten Spieltag auf nichts verlassen."

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin enttäuscht und gefrustet. Nach dem Spiel habe ich einem Kollegen gesagt‚ jetzt müssen wir gegen Lautern noch einmal zwei Spiele alles geben. Erst dann habe ich mitgekriegt, was passiert ist", so Dani Schahin.

Vergleichbar mit Schalke/Bayern



"Das ist vergleichbar mit Schalke/Bayern", fühlte sich Norbert Meier an 2001 erinnert, als Schalke 04 vier Minuten lang die erste Meisterschaft seit 1958 feierte und der FC Bayern mit einem späten Ausgleich in Hamburg ihnen die sicher geglaubte Schale noch entriss und die Knappen zum "Meister der Herzen" gekürt wurden.

"Wir sind mit dem Gedanken hergekommen, die Relegation zu vermeiden", beschrieb Jens Langeneke das "schrecklich brutale Szenario. Das muss ich erst mal sacken lassen. Dazu brauche ich bestimmt ein paar Tage."

"Hatte keiner auf der Agenda"



Nein, Namensgeberin und Glücksgöttin Fortuna war weiß Gott nicht auf Seiten "ihres" Vereins. 33 Spieltage hatten die Düsseldorfer nie auf einem direkten Abstiegsplatz gestanden. Ausgerechnet am 34. der Absturz in die Zweitklassigkeit.

"Das hatte keiner auf der Agenda", gab ein fassungsloser Fortuna-Präsident Peter Frymuth zu und schloss jede Art von Personaldiskussionen aus. "Jetzt braucht jeder zwei, drei Tage, um die Enttäuschung sacken zu lassen."

"Bin noch nie abgestiegen"



"Ich bin als Spieler und Trainer noch nie abgestiegen. Glauben Sie mir, das fühlt sich nicht gut an", sagte Meier nach dem Spiel, wollte den Absturz aber nicht an diesem Spiel festmachen. "Die Tabelle lügt nicht."

Mit der Meinung traf der Trainer den allgemeinen Nerv. "Natürlich bin ich sauer auf den BVB", gab Reisinger zwar zu. "Aber wir hatten es selbst in der Hand. Nicht nur heute. Wenn man fünf, sechs Spieltage vor Saisonende acht Punkte weg ist, darf das nicht mehr passieren."

"Spiegelbild der Rückrunde"



"Wieso, weshalb, warum? Das kann ich jetzt auch nicht beantworten", sagte Schahin ratlos. "Sicher ist, wir können uns nicht ständig auf andere Mannschaften verlassen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen."

Auch Frymuth wollte dem BVB "keinen Vorwurf" machen. "Es sind 34 Spieltage zu spielen. Und das heutige Spiel war ein Spiegelbild der Rückrunde." Nach der Winterpause holte Düsseldorf nur noch neun Punkte - so wenig wie kein anderes Team der Liga.

Nach fünf erfolgreichen Jahren "Grund traurig zu sein"



Am Ende war es der Präsident, der sich als Erster und Einziger zu versöhnlichen Äußerungen durchringen konnte. "Wir hatten fünf Jahre Grund zu feiern, jetzt haben wir einen Grund traurig zu sein", so der 56-Jährige. "Wir gehen jetzt gemeinsam nach vorn. Wir haben den Weg aus der Regionalliga in die Bundesliga geschafft, da schaffen wir das auch aus der 2. Bundesliga."

Vielleicht ja schon in der kommenden Saison. Da werden erneut Helden geboren und Dramen geschrieben.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs

Twitter

Tabelle
Ab ins Stadion

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH