offizielle Webseite

Liveticker

Spieltag & Spielplan

8. Spieltag

20.10.2012 | 15:30 Uhr

bvb.png s04.png
  • Borussia Dortmund
  • 1 : 2
    0 : 1
  • FC Schalke 04

21.10.2012 - 21:24 Uhr


Zu wenig Leben

Borussia Dortmund musste ausgerechnet im 141. Revier-Derby gegen Schalke 04 die erste Heimniederlage seit über einem Jahr einstecken. Die sonst so gefürchtete Offensivabteilung um Marco Reus (r.) kam nie wirklich ins Spiel

Stattdessen schoss Ibrahim Afellay (l.) die "Knappen" im Signal Iduna Park mit dem ersten Torschuss der Partie zur Pausenführung

Unmittelbar nach dem Seitenwechsel schloss dann Marco Höger (l.) einen Konter der "Königsblauen" zum 2:0 ab

Der Anschlusstreffer der "Schwarz-Gelben" durch das dritte Saisontor von Robert Lewandowski (M.) war nicht mehr als ein Strohfeuer

BVB-Trainer Jürgen Klopp muss nun etwas gegen die hängenden Köpfe tun - denn schon am Mittwoch kommt es in der Champions League zum Knallerduell mit Real Madrid!

Dortmund - Nichts hören, nichts sehen - und vor allem nichts sagen. Aus der Kabine steuerte Kevin Großkreutz nach dem Duschen mit hochrotem Kopf geradewegs auf den Ausgang zu. Endlich hatte er gegen Schalke wieder in der Startformation des BVB gestanden - und dann das.
Wenn jemand weiß, was eine Derby-Niederlage gegen den Revier-Nachbarn bedeutet, zumal im eigenen Stadion, dann der Ur-Dortmunder. Und so verließ Großkreutz nach der 1:2-Pleite gegen den ewigen Rivalen kommentarlos den Ort des Geschehens. Wohl wissend, dass dieses Ergebnis nicht nur der Stärke des Gegners, sondern vor allem der eigenen Schwäche zuzuordnen war. "Wir haben einen rabenschwarzen Tag erwischt, nicht gut gespielt und verdient verloren", ließ Sportdirektor Michael Zorc keinen Zweifel.

Klopp muss improvisieren



"Diese Niederlage tut vor allem deshalb weh, weil wir wissen, dass wir viel besser spielen können, als wir es gegen Schalke gezeigt haben", stellte Lukasz Piszczek im Gespräch mit bundesliga.de frustriert fest. Ein Satz, den wohl auch Großkreutz so wie alle anderen Dortmunder hätte unterschreiben können.

Der polnische Rechtsverteidiger war dabei ebenso wie Großkreutz Teil eines komplett misslungenen Experiments. Jürgen Klopp hatte auf die lange Liste verletzter Spieler mit einer taktischen Umstellung reagiert und ließ gegen Schalke eine Dreierkette mit Sven Bender in zentraler Position verteidigen. Eine Variante, die der Trainer auch seinen Spielern erst in der Mannschaftssitzung unmittelbar vor der Partie näher gebracht hatte.

"Das Ding nehme ich auf meine Kappe"



Nach 30 Minuten stellte der Coach selbst wieder auf eine Viererkette um, die er personell zur Halbzeit noch einmal umstrukturierte - "das sagt eigentlich alles", verkniff sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke jeglichen weiteren Kommentar. Auch Klopp redete im Interview nicht lange herum: "Das Ding nehme ich auf meine Kappe. Ich wollte mit der Systemumstellung der Mannschaft helfen, unsere Situation zu regeln. Das hat jedoch nicht gezogen."

Mit der neuen Formation hatte der BVB eine Halbzeit lang kaum Zugriff auf das Spiel, musste viele einfache Ballverluste hinnehmen und fand zu keiner Phase zu einem geordneten Aufbauspiel inklusive Torchancen. Gerade einmal zwei Torschüsse standen bis zur Pause zu Buche.

BVB ohne Biss



Am Spielende waren es derer acht, doch auch das bedeutete für die Borussia im heimischen Stadion den schlechtesten Wert seit drei Jahren und konnte die erste Heimpleite seit September 2011 nicht verhindern. Denn auch in der zweiten Halbzeit wirkten die Dortmunder - jetzt wieder in gewohnter 4-2-3-1-Formation - verkrampft, ungefährlich, ideenlos und leisteten sich zu viele Fehlpässe. "Wir waren dieses Mal nicht in der Lage, es in der Nähe des gegnerischen Strafraums ruhig zu Ende zu spielen", analysierte ein ernüchterter Klopp.

Was Watzke nach dem Spiel noch mehr beschäftigte als Taktik und Aufstellung, war derweil die Einstellung seiner Spieler. "Wenn wir lethargischer agieren als der Gegner und nicht die nötige Leidenschaft zeigen, dann gewinnst du mit keinem System der Welt." Die Schalker waren von Beginn an mit Aggressivität und Einsatz zu Werke gegangen. 57 Prozent aller Zweikämpfe gingen an die Gäste, weil der BVB ungewohnt zurückhaltend auftrat und seine Stärken wie das überragende Gegenpressing dieses Mal nicht ansatzweise zum Tragen kamen. "Wir haben das Spiel nicht mit Leben erfüllt. Und wir haben nicht den BVB-Fußball gespielt, den man zeigen muss, um erfolgreich zu sein", fasste es Kapitän Sebastian Kehl treffend zusammen.

Hummels verspricht Steigerung



Genau der wird aber nötig sein, wenn man in der Tabelle wieder Tuchfühlung zur Spitze bekommen will. Und wenn man im nächsten Spiel bestehen möchte. Denn schon am Mittwoch kommt niemand Geringeres als Real Madrid zum Champions-League-Knaller nach Dortmund. "Das Gute ist, dass wir schnell wieder die Chance haben, es deutlich besser zu machen als gegen Schalke", meinte Kehl. Auch Mats Hummels kündigte ein anderes Gesicht an - "mit mehr Leidenschaft und weniger Fehlern."

Sollte der Coup gelingen und der BVB gegen die "Königlichen" punkten, dürfte auch Großkreutz wieder bessere Laune haben. Der konnte übrigens im Duell mit den Schalkern doch noch einen Sieg für sich verbuchen. Mit 12,4 Kilometern legte der Borusse von allen Akteuren die weiteste Strecke zurück. Ein Bestwert, auf den er für einen Derbysieg sicher gerne verzichtet hätte.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

Twitter

Tabelle
Ab ins Stadion

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH