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Spieltag & Spielplan

24. Spieltag

03.03.2012 | 15:30 Uhr

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  • Hertha BSC
  • 1 : 0
    0 : 0
  • SV Werder Bremen

04.03.2012 - 22:12 Uhr


Kollektives Aufatmen in Berlin

Großer Jubel bei der Hertha: Levan Kobiashvili, Felix Bastian und Fanol Perdedaj (v.l.) feiern den 1:0-Sieg über Bremen

Nach dem verpatzten Einstand in Augsburg schafft Otto Rehhagel mit den Berlinern den so wichtigen Sieg - ausgerechnet gegen seinen langjährigen Ex-Club

"König Otto" (r., hier mit Tunay Torun) sorgt bei der "Alten Dame" für gute Stimmung und fordert vollen Einsatz

Mit nun 23 Punkten stehen die Berliner nach dem 24. Spieltag auf Platz 15 der Tabelle

Berlin - Die Erleichterung in Berlin ist riesengroß. Mit dem 1:0 über Werder Bremen beendete Hertha BSC eine Serie von sieben Niederlagen in Folge und blieb erstmals seit dem 22. Oktober (0:0 gegen Mainz) ohne Gegentor.
Vor allem in der Defensive ist die Handschrift von "König Otto" Rehhagel nach knapp zwei Wochen mit der Mannschaft zu erkennen. "Kontrollierte Offensive" hatte der 73-Jährige schon in seinen 14 Dienstjahren an der Weser stets gepredigt. Und gegen seinen Ex-Club präsentierte sich die zuletzt so löchrige Berliner Abwehr in der Tat cool und kontrolliert. Erst in der 30. Minute ließen dei Gastgeber den ersten Torschuss der laut Rehhagel "spielerisch überlegenen" Gäste zu.

Noch viel Arbeit für "König Otto"

"Kämpferisch war die Leistung okay, spielerisch weniger", analysierte der Coach, der vor dem Spiel Kampf und Einsatz gefordert, aber auch darauf hingewiesen hatte, dass zum Fußball auch der Kopf gehöre. "Ich habe viele Dinge gesehen, die mir nicht gefallen haben."

Welche das waren, "verrate ich nicht", sagte Rehhagel. Auch bei der Frage nach der taktischen Ausrichtung schweigt er. "Ich darf das. Ich habe viel erlebt in meinem Leben und habe keine Angst mehr vor der Presse", sagte der Ex-Griechenland-Coach lachend. Am Ende verriet Rehhagel zumindest, warum er sein Team auf vier Positionen gegenüber dem 0:3 beim Abstiegskampf-Konkurrenten Augsburg geändert habe und was er von seinen Profis verlangt.

"Nach Augsburg musste ich etwas probieren. Ich muss von den Jungs zumindest erwarten können, dass sie den Ernst der Lage begreifen und kämpfen und rennen bis zum Umfallen. Es kann doch nicht angehen, dass ich in meinem Alter einen 20-Jährigen auffordern muss zu kämpfen", sagte Rehhagel und erklärte seine heisere Stimme. "Ich musste viel reinrufen und bin genau so kaputt wie die Spieler."

"Ab heute heißt er 'Paradise'"

Besonderes Lob erhieltender 34 Jahre alte Levan Kobiashvili ("Vorbildlich, wie der alte Mann gelaufen ist.") und Fanol Perdedaj. "Ich konnte seinen Namen nicht aussprechen. Aber ab heute heißt er 'Paradise'. Wahninn, wie der gelaufen ist und gekämpft hat", lobte der Trainer den 20-Jährigen Bundesliga-Debütanten, der sich mit zwei Treffern gegen Cottbus II eine Woche vor dem Bremen-Spiel für die "Erste" empfohlen hatte.

Mit der namentlichen Nennung des Routiniers und des Newcomers unterstrich Rehhagel seinen alte Philosophie: "Es gibt keine jungen oder alten, sondern nur gute oder schlechte Spieler." Und jeder aus dem Kollektiv kann sich "beim Training in Woche für die Mannschaft empfehlen. Es gibt keine Stammplatz-Garantien."

"Für den Moment bin ich unwahrscheinlich erleichtert", gab Rehhagel zu. "Wenn wir heute verloren hätten, hättet ihr doch geschrieben 'Es geht nicht mehr, Otto.'" So aber geht es noch.

Gute Stimmung und volle Konzentration

"Otto sorgt für gute Stimmung. Im Training wird viel gelacht", beschreibt der hoch gelobte "Paradise" ("Das Kompliment des Trainers freut mich") die Stimmung bei der Hertha. Der Youngster gibt sich kämpferisch: "Ich werde im Training Gas geben und es dem Trainer nicht leicht machen, an mir vorbeizukommen." Unbekümmert wie ein erfolgreicher Debütant sein sollte, störte es ihn auch nicht, dass in der kommenden Woche die Gesperrten Andreas Ottl, Peter Niemeyer und eventuell der verletzte Fabian Lustenberger ins Team zurückkehren.

Auch Tunay Torun, der in dieser Saison nur am 6. Spieltag beim 2:2 gegen Augsburg 90 Minuten lang spielen durfte, fand sich gegen Bremen in der Startelf wieder. "Am Donnerstag", nach der Rückkehr vom Länderspieleinsatz der Türkei, "habe ich im Training geahnt, dass es am Samstag klappen kann."

"Wir haben viel Wert auf die Defensiv-Arbeit gelegt", verriet der Ex-Hamburger bundesliga.de die Schwerpunkte im Training. "Er hat uns immer wieder eingetrichtert, dass wir 90 Minuten konzentriert sein müssen. Das ist das A und O im Fußball. Die Liga ist wahnsinnig ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen. Jeder kleine Fehler wird bestraft. Das hat man wieder gesehen. Da gewinnt Freiburg gegen Schalke", meinte Torun weiter.

"Bei uns ist der Knoten geplatzt"

"Wir haben mit sehr viel Leidenschaft gespielt", hat auch Felix Bastians Veränderungen in der noch kurzen Regentschaft von "König Otto" festgestellt. "Er hat uns optimal eingestellt, denn taktisch war klar, gegen Werder darf man nicht blind nach vorne laufen."

Auch wenn niemand der Berliner den "Dreier" überbewerten will, ist doch jedem klar, wie wichtig ein Erfolgserlebnis nach so langer Zeit ist.
"Bei uns ist ein Knoten geplatzt", beschrieb Torun die Wertigkeit des Sieges.

Und Bastians dachte als Erster schon kurz nach Abpfiff an die "vor uns liegenden Aufgaben. Wichtig ist, dass wir das Gefühl mit nach Köln nehmen." Mit einem Sieg über die Rheinländer würde der Hauptstadt-Club an den Kölnern vorbeiziehen und sich weiter Luft im Abstiegskampf verschaffen.

Aus Berlin berichtet Jürgen Blöhs

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