Historie
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12.06.2012 15:43:00
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Glanztat gegen den Nachfolger

1999 musste Richard Golz den Elfmeter von Hans-Jörg Butt passieren lassen. 1998 hatte er gegen ihn parieren können
"Das für mich persönlich größte Spiel meiner Karriere war mein erstes Spiel mit dem SC Freiburg gegen den Hamburger SV. Ich hatte vor der Saison 1997/98 meinen Stammplatz im Hamburger Tor an Hans-Jörg Butt verloren und wechselte im Sommer 1998 nach 273 Bundesliga-Spielen für den HSV zum SC Freiburg.


Als der Spielplan für die neue Saison veröffentlicht wurde, war meine erste Frage direkt: Wann geht es gegen Hamburg? Ich habe regelrecht auf dieses Spiel hingefiebert. Am 7. Spieltag war es dann so weit und die Mannschaft von Frank Pagelsdorf war im Dreisamstadion zu Gast.

Wir waren als Aufsteiger natürlich der Außenseiter, obwohl wir bis dahin nur gegen Bayern München verloren hatten. Schon vor dem Spiel war es sehr emotional für mich. Ich schüttelte viele Hände, denn ich war nicht im Streit gegangen und hatte noch viele Freunde in Mannschaft und Betreuerstab.

Das Spiel war hart umkämpft. Beide Abwehrreihen machten ihre Sache gut - ich hatte kaum Gelegenheit mich auszuzeichnen. Als schon alles nach einem 0:0 aussah kam der HSV noch einmal über die rechte Seite nach vorne. Mein Mitspieler Stefan Müller grätschte im Strafraum und Schiedsrichter Jörg Keßler entschied auf Elfmeter. Im Nachhinein muss ich sagen, dass man den geben kann, auch wenn wir im Spiel natürlich vehement protestiert haben.

Elfmeter in der 90. Minute beim Stande von 0:0, dazu noch gegen meinen ehemaligen Verein. Eine kaum zu toppende Dramatik. Aber eben nur kaum. Schütze beim HSV war kein geringerer als mein Nachfolger im Tor, Hans-Jörg Butt. Obwohl wir trotz aller Rivalität ein gutes Verhältnis hatten, steigerte das noch einmal die Spannung.

Ich hatte mich, wie vor jedem Spiel, mit den möglichen Elfmeterschützen des Gegners beschäftigt. Ich wusste, Jörg schießt gerne nach rechts. Als er in Richtung Punkt ging, war ich mir absolut sicher: "Den hältst du!" Jörg schoss tatsächlich nach rechts und ich konnte den Ball nicht nur abwehren, sondern auch sichern.

Mein erster Gedanke war, schnell den Gegenangriff einzuleiten, denn dem HSV fehlte ja der Torwart. Aber in meinen Abwurf hinein pfiff der Schiedsrichter schon ab. So wurde es nichts mehr mit einem Konter zum 1:0. Aber ich hatte den einen Punkt festgehalten. Gegen Hamburg. Ein großartiges Gefühl.

Nach dem Spiel bekam ich viele Gratulationen für meine Leistung. Nicht nur von meinen Mitspielern, sondern auch von meinen ehemaligen Kollegen. Diese Anerkennung hat mich sehr gefreut. Ein Jahr später konnte Jörg den Spieß übrigens umdrehen: In Hamburg verwandelte er gegen mich einen Elfmeter zur 1:0-Führung. Da schoss er nach links."

Richard Golz ist heute Torwart- und Co-Trainer der zweiten Mannschaft des Hamburger SV. Bei den Hamburgern begann Golz auch seine Bundesliga-Karriere. Der Torwart bestritt zwischen 1987 und 2006 insgesamt 452 Bundesliga- und 40 Zweitliga-Spiele für den HSV und den SC Freiburg. Von 2006 bis 2008 war er noch Ersatztorwart bei Hannover 96, kam dort aber nicht mehr in der Bundesliga zum Einsatz. Seine beste Platzierung in der Bundesliga war Rang 4 mit dem HSV in der Saison 1988/89. Mit Freiburg stieg er zwei Mal in die Bundesliga auf und qualifizierte sich 2002 überraschend für den UEFA-Cup.


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