Historie
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15.05.2012 13:32:08
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Von der Schulbank zum Matchwinner

1997 feierte Lars Ricken mit dem Gewinn der Champions League seinen größten sportlichen Erfolg
"Die meisten Leute sprechen mich auf mein Tor direkt nach meiner Einwechslung im Champions League Finale 1997 an. Natürlich war das ein großer Moment in meiner Karriere, aber über dieses Spiel ist schon alles gesagt und geschrieben worden.


Für mich persönlich war mein Startelfdebüt in der Bundesliga von größerer Bedeutung. Es war der Startschuss für alles, was sich später in meiner Karriere ereignet hat und ich habe keinem Spiel so entgegengefiebert wie der Partie gegen den MSV Duisburg am 11.03.1994. Ich war zuvor schon in der Bundesliga und im UEFA-Pokal eingewechselt worden, aber von Beginn an auf dem Feld zu stehen, war noch einmal etwas anderes.

In der Saison 1993/94 hatte Borussia Dortmund mit einigen Verletzten zu kämpfen. Deshalb füllte Ottmar Hitzfeld den Kader im Training mit Jugend- und Amateurspielern auf. Ich war mit meinen 17 Jahren einer davon. Ich konnte den Trainer im Training überzeugen und stand vor meinen ersten Einsätzen bereits häufiger im Kader. Dass ich gegen Duisburg von Beginn an auflaufen würde, hatte sich bereits in der Woche im Training abgezeichnet.

Da das Spiel Freitagabend stattfand, musste ich am Vormittag noch zur Schule. Wir übernachteten im Hotel und ich schlich mich morgens aus dem Zimmer, um meinen Zimmerkollegen Teddy de Beer nicht zu wecken. Meine Konzentration war allerdings schon beim Fußball und nicht im Klassenzimmer.

Bevor es abends losging, gab mir Ottmar Hitzfeld noch ein paar Worte mit auf den Weg. Allzu viele Anweisungen bekam ich aber nicht vom Trainer, denn meine Waffe war in dem Alter meine Unbekümmertheit. Ich sollte einfach drauf losspielen. Obwohl es für mein erstes Spiel in der Startformation war, hielt sich meine Nervosität in Grenzen. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich vor dem Spiel dachte: "Jetzt geht es endlich los! Darauf hast du lange hingearbeitet."

Ich spielte auf der Position hinter den Spitzen und war von Beginn an gut im Spiel. Ich hätte zwar vorher schon treffen können, aber kurz vor der Pause war es dann so weit: Thomas Franck schickte mich mit einem schönen Pass auf die Reise und ich lief aus halbrechter Position auf Jürgen Rollmann im Duisburger Tor zu. Ich hielt mit vollem Risiko drauf und der Ball landete genau im Winkel des kurzen Ecks. Von zehn Versuchen trifft man vielleicht einen so perfekt. Die Freude über mein erstes Bundesliga-Tor war riesig und auch im Anschluss hatte ich noch gute Aktionen.

Kurz nachdem Peter Közle für den MSV ausgeglichen hatte, holte ich eine Ecke heraus, die wir zum 2:1-Siegtreffer nutzten. In der 84. Minute wurde ich dann unter dem Applaus der Zuschauer ausgewechselt. Ich hatte meine Arbeit getan. Auf der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte der damalige Duisburger Trainer Ewald Lienen, dass eigentlich alles nach Plan gelaufen wäre, nur diesen jungen Kerl hätten sie nicht in den Griff bekommen. Das war natürlich ein tolles Kompliment für meine Leistung. Groß gefeiert habe ich nach dem Spiel nicht mehr, denn in der nächsten Woche ging es im UEFA-Cup gegen Inter Mailand. Und ich war jetzt endgültig bei den Profis angekommen."

Lars Ricken ist seit 2008 Nachwuchskoordinator bei Borussia Dortmund. Als Spieler bestritt der gebürtige Dortmunder zwischen 1994 und 2007 301 Bundesliga-Spiele für den BVB und erzielte dabei 49 Tore. Mit der Borussia wurde er 1995, 1996 und 2002 deutscher Meister. Außerdem gewann er 1997 die Champions League sowie den Weltpokal. Sein Tor zum 3:1-Endstand gegen Juventus Turin im Champions League Finale Sekunden nach seiner Einwechslung wurde zum "Tor des Jahres 1997" und "BVB-Tor des Jahrhunderts" gewählt. Ricken durchlief alle Jugendnationalmannschaften des DFB und wurde mit der U16 1992 Europameister. Für die A-Nationalmannschaft lief er insgesamt 16 Mal auf (1 Tor).


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