Historie
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20.03.2012 16:54:46
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Lektion fürs Leben

Hans-Uwe Pilz (m.) war lange Zeit Kapitän bei Dynamo Dresden. Er kam entweder als Spielmacher oder Libero zum Einsatz
"Sicherlich nicht mein bestes Spiel, aber das, welches mich in meiner Karriere am meisten geprägt hat, habe ich 1986 mit Dynamo Dresden bei Bayer Uerdingen gemacht. Wir standen den Krefeldern damals im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger gegenüber. Das Hinspiel hatten wir in Dresden mit 2:0 gewonnen und reisten dementsprechend optimistisch in den "Westen".


Zunächst verlief für uns auch alles nach Plan: Ralf Minge brachte uns schon in der ersten Minute mit 1:0 in Führung. Zwar konnte Wolfgang Funkel schnell ausgleichen, aber Frank Lippmann und ein Eigentor von Rudi Bommer sicherten uns zur Pause eine 3:1-Führung. Nun müsste Uerdingen noch fünf Tore schießen. Was konnte da schon schief gehen?

In der Halbzeitpause war die Partie bei uns in der Kabine zweitrangig, denn kurz vor der Pause hatte sich unser Torwart Bernd Jakubowski bei einem Zusammenprall mit Wolfgang Funkel verletzt. Uns beschäftigte nur die Frage, ob er weiterspielen könnte. Es ging aber nicht mehr, er hatte zu große Schmerzen. Später stellte sich heraus, dass er sich die Schulter gebrochen hatte. Er konnte seine Karriere als Torwart nicht mehr fortsetzen. Für ihn stand in der zweiten Halbzeit Jens Ramme zwischen den Pfosten. Schon in der ersten Hälfte musste Matthias Sammer verletzungsbedingt ausgewechselt werden, aber das soll keine Ausrede dafür sein, was sich in der zweiten Halbzeit in der Grotenburg-Kampfbahn abspielte.

Die ersten zehn Minuten überstanden wir unbeschadet, dann erzielte Wolfgang Funkel das 2:3. Na und? Wir lagen immer noch komfortabel vorne. Dann der Ausgleich durch Larus Gudmundsson. Waren ja keine 30 Minuten mehr zu spielen, das würden wir schon über die Bühne bringen. 4:3 für Uerdingen durch Wolfgang Schäfer. Langsam entglitt uns die Partie, aber wir waren wie gelähmt. Wir kamen einfach nicht mehr ins Spiel. 5:3 und 6:3 innerhalb einer Minute durch Dietmar Klinger und erneut Wolfgang Funkel. Noch zehn Minuten zu spielen und auf einmal mussten wir noch einen Treffer erzielen. Aber wir konnten den Schalter nicht mehr umlegen. Wolfgang Schäfer setzte den 7:3-Schlusspunkt für Uerdingen.

Ich kann heute noch nicht genau erklären, wie das passieren konnte. Wir haben die Gefahr zu spät erkannt, sonst hätten wir einfach ein paar Bälle aus dem Stadion schießen können, um den Spielfluss von Uerdingen zu unterbrechen. Damals gab es noch keine Balljungen und 20 Spielbälle. Wir hätten uns wieder sammeln können. Aber keiner reagierte. Nicht einmal DDR-Rekordnationalspieler Dixie Dörner. Alle waren machtlos.

Das wir nach diesem Spiel nicht mit Schimpf und Schande in der Heimat empfangen wurden, lag vor allem daran, dass wir am nächsten Morgen beim Frühstück im Hotel einer weniger waren: Frank Lippmann, Torschütze in Hin- und Rückspiel, hatte unseren Abstecher in die BRD zur Flucht genutzt. Dieses Thema beherrschte die Schlagzeilen in der DDR, da ging unser Debakel fast unter.

Auch wenn das große Medienecho ausblieb, habe ich aus diesem Spiel eine wichtige Lektion für meine weitere Karriere gelernt: Niemals aufgeben, egal, wie aussichtslos die Situation auch erscheint. Das hat mich als Fußballer und Menschen geprägt. Manchmal sind Niederlagen wertvoller als Siege."

Hans-Uwe Pilz ist heute Sportlehrer an einer Berufsschule und betreibt gemeinsam mit Mathias Krauß das "FussballFerienCamp.de". Als Spieler bestritt er zwischen 1976 und 1991 281 Spiele für Sachsenring Zwickau und Dynamo Dresden in der DDR-Oberliga (48 Tore). Anschließend absolvierte er 113 Bundesliga-Spiele (4 Tore) für Dynamo Dresden. Außerdem war er 48 Mal für den FSV Zwickau und Fortuna Köln in der 2. Bundesliga aktiv (9 Tore). Mit Dynamo wurde er zwei Mal DDR-Meister und vier Mal DDR-Pokalsieger. Darüber hinaus stand er mit den Sachsen 1988/89 im Halbfinale des UEFA-Pokals. Er trug 35 Mal das Trikot der Nationalmannschaft der DDR.


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