Historie
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10.01.2012 15:47:35
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Triumph in Rom

Entschlossenheit vor dem Triumph: Bernard Dietz (u.m.) und Co. vor dem Endspiel 1980 gegen Belgien
"Mein größtes Spiel war, ohne wenn und aber, das Finale der Europameisterschaft 1980. Kein anderes Spiel meiner Karriere hat eine so große Bedeutung für mich. Ich war damals schon zehn Jahre Profi beim MSV Duisburg, hatte aber noch keinen Titel geholt. 1975 verlor ich mit Duisburg das Finale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt und ein Jahr später mit Deutschland das EM-Finale gegen die Tschechoslowakei. Das genügte mir an zweiten Plätzen, ich wollte endlich einen Pokal in der Hand halten.


Ich war damals 32 Jahre alt und wusste, dass ich nicht mehr viele Chancen bekommen würde. Dementsprechend entschlossen ging ich auch in das Turnier in Italien herein. Ich kann mich noch an einen Sponsorentermin im Frühjahr erinnern, zu dem alle Spielführer der teilnehmenden Nationen eingeladen waren. Die Presse befragte uns zu unseren Erwartungen für das Turnier. Während meine Kollegen sich eher zurückhaltend äußerten, sagte ich klipp und klar, dass wir nach Italien fahren, um den Pott zu holen.

Unsere Gruppe hatte es in sich, denn wir mussten uns in der Vorrunde gegen Griechenland, die Niederlande und die Tschechoslowakei durchsetzen. Nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen die Tschechen gewannen wir mit 3:2 gegen die Niederlande und standen schon mit einem Bein im Finale. Damals gab es kein Halbfinale. Die Gruppensieger bestritten ohne Zwischenrunde das Endspiel.

Kurz vor unserer letzten Partie gegen die Griechen spielten die Tschechen und die Niederlande 1:1-unentschieden und wir standen als Gruppensieger fest. Kurzfristig wurden Uli Stielike, Bernd Schuster und ich deshalb aus dem Kader gestrichen, da wir bei einer weiteren gelben Karte im Finale gesperrt gewesen wären. Während die Kollegen gegen Griechenland 0:0 spielten, saßen wir drei auf der Tribüne und aßen Eis.

Unser Endspielgegner war etwas überraschend Belgien, das sich gegen Gastgeber Italien, Spanien und England durchgesetzt hatte. Am 22.06.1980 standen wir uns in Rom gegenüber. Alles begann nach Plan und Horst Hrubesch brachte uns mit einem satten Rechtsschuss früh in Führung. Im weiteren Verlauf verpassten wir es aber, das zweite Tor nachzulegen.

Nach der Pause wurden die Belgier stärker und drängten uns immer mehr in die Defensive. Trotzdem benötigten sie eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters, um zum Ausgleich zu kommen. Uli Stielike beging deutlich außerhalb des Strafraums ein Foulspiel, aber der Unparteiische Nicolar Rainea aus Rumänien entschied trotzdem auf Strafstoß. Rene van der Eycken verwandelte sicher. Jetzt stand das Spiel endgültig auf des Messers Schneide. Beide Torhüter mussten einige Male in höchster Not retten.

Letztendlich brachte uns eine Standardsituation den Sieg: Eine Ecke von Karl-Heinz Rummenigge verwandelte Horst Hrubesch kurz vor Schluss in unnachahmlicher Manier zum 2:1-Endstand. Danach war unser Jubel grenzenlos. Ich war wie in Trance und fragte mich immer wieder: Bist du jetzt wirklich Europameister? Die Übergabe des Pokals wurde damals noch auf der Ehrentribüne vollzogen und ich durfte ihn als Kapitän als erster in Empfang nehmen. Ich war so fokussiert auf diesen Moment, dass ich an allen Gratulanten auf der Ehrentribüne vorbei lief. Ich wollte zum Pokal. Im Nachhinein ist mir das etwas peinlich, denn ich habe, wohlgemerkt aus Versehen, die belgische Königin einfach stehen lassen.

Nach dem Spiel mussten Uli Stielike und ich zur Dopingprobe, was sich nach so einem kräftezehrenden Spiel als problematisch erwies. Wir brauchten etwa zwei Stunden, bis wir endlich den Test hinter uns hatten. Als wir dann zur Mannschaft stießen, waren die meisten schon ordentlich angefeuchtet. Der Abend war noch sehr lang und die Nacht extrem kurz. Als ich nach vielleicht zwei Stunden Schlaf zum Frühstück erschien, staunte ich nicht schlecht, als Hans-Peter Briegel immer noch munter an der Theke saß. Man nannte ihn nicht umsonst "die Walz aus der Pfalz". Übermüdet, aber glücklich, ging es für uns anschließend in alle Himmelsrichtungen und ich hatte meinen ersten und letztendlich auch einzigen Titel gewonnen."


Bernard Dietz betreibt seit September 2007 zusammen mit seinem Sohn Christian eine Fußballschule mit Sitz in Ahlen. Die Trainingscamps für Kinder zwischen sechs und 14 Jahren werden in zahlreichen Städten vor allem im Ruhrgebiet angeboten. Zwischen 1987 und 2006 war "Ennatz" als Trainer beim FC Schalke 04 (A-Jugend), ASC Schöppingen, SC Verl, VfL Bochum (Jugend und Profis), MSV Duisburg (Amateure und Profis) sowie Rot-Weiß Ahlen tätig. Als Spieler bestritt der Abwehrmann zwischen 1970 und 1987 insgesamt 495 Bundesliga- (76 Tore) und 34 Zweitligaspiele (ein Tor) für Duisburg und Schalke. Mit Duisburg erreichte er 1975 das DFB-Pokalfinale. Größeren Erfolg hatte Dietz mit der deutschen Nationalmannschaft, für die er 53 Länderspiele absolvierte, und mit der er als Kapitän 1980 Europameister und 1976 Vize-Europameister wurde.


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