Historie
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29.11.2011 16:27:49
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Elfmeter-Drama im Halbfinale

Des einen Freud... Bodo Illgner (l.) bejubelt Chris Waddles Fehlschuss, der Deutschland 1990 ins Finale bringt
"Das größte Spiel meiner Karriere war das WM-Halbfinale 1990 gegen die Engländer in Turin. Wenn es dieses Spiel nicht gegeben hätte, wüssten heute sicherlich viele Leute gar nicht, wer 1990 im deutschen Tor gestanden hat.


Ansonsten lief die WM sehr ruhig für mich und ich hatte kaum Gelegenheit, mich einmal auszuzeichnen. Selbst im Finale hatte ich fast überhaupt nichts zu tun. Der schwerste Ball den ich damals halten musste, war eine Rückgabe von Andi Brehme.

Ganz anders lief es im Halbfinale gegen England. In der ersten Halbzeit schossen mich gerade Paul Gascoigne und Chris Waddle richtig warm, konnten mich aber nicht bezwingen. In der zweiten Hälfte hatten wir die Engländer dann besser im Griff und gingen durch einen Brehme-Freistoß mit 1:0 in Führung. Zehn Minuten vor dem Abpfiff gelang Gary Lineker noch der 1:1-Ausgleich. Auch nach 120 Minuten blieb es bei diesem Ergebnis und das Elfmeterschießen musste entscheiden.

In der Jugend hatte ich viele Elfmeter gehalten und da ich damals gerade erst 23 Jahre alt war, waren diese Erfolgserlebnisse noch im Hinterkopf. Ich war sehr ruhig und gelassen, denn ich war mir sicher, mindestens einen Elfmeter abwehren zu können. Die Engländer waren damals noch nicht als Elfmeterdauerversager traumatisiert. Die schwarze Elfmeterserie begann für die "Three Lions" an diesem Abend.

Gary Lineker trat den ersten Elfmeter und traf, obwohl ich in der richtigen Ecke war. Auch bei den nächsten Versuchen von Peter Beardsley und David Platt war ich nah dran, konnte das Tor aber nicht verhindern. Andi Brehme, Lothar Matthäus und Karlheinz Riedle konnten für uns jeweils ausgleichen.

Als vierter Schütze trat Stuart Pearce an. Ich wartete am Elfmeterpunkt auf den Verteidiger von Nottingham Forest, um ihm persönlich den Ball zu überreichen und ein "This Ball is mine!" mit auf den Weg zu geben. Ich erwartete einen strammen Schuss des Linksfußes. Hart schoss er auch, aber nicht platziert. Mit meinen Beinen konnte ich den Versuch abwehren. Wir waren im Vorteil!

Olaf Thon verwandelte anschließend seinen Elfmeter und Chris Waddle musste als letzter Engländer treffen. Er nahm einen langen Anlauf und schoss den Ball über das Tor. Wir waren im Finale. Die ganze Mannschaft kam anschließend auf mich zugerannt. Einer der ersten Gratulanten war mein Freund und Mitspieler aus Köln, Pierre Littbarski. "Litti" war vor der Partie noch so enttäuscht, weil Beckenbauer ihn durch Olaf Thon ersetzt hatte, aber nach dem Sieg war das alles vergessen. Das war der Charakter der 90er-Truppe. Die Atmosphäre und der Zusammenhalt waren einfach gigantisch.

Unmittelbar nach dem Halbfinale musste ich leider zur Dopingprobe und durfte deshalb nicht in die Kabine zur Mannschaft. Nachdem ich ungefähr 90 Minuten für die Probe brauchte, stieß ich zum Team und wir konnten mit ein paar Bierchen das Finale feiern. Ein, zwei Bier waren unter Franz Beckenbauer kein Problem. Vier Tage später bestritten wir in Rom das Finale gegen Argentinien und wurden Weltmeister. Übrigens mit Littbarski in der Startelf."


Bodo Illgner absolvierte von 1986 bis 1996 326 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Köln. Anschließend spielte er fünf Jahre für Real Madrid. Mit dem FC wurde er zwei Mal Vizemeister, stand 1986 im Finale des UEFA-Cups und 1991 im DFB-Pokalfinale. Mit Real wurde er 1997 und 2001 spanischer Meister und gewann 1998 und 2000 die Champions League. 1998 gewann er mit den Spaniern darüber hinaus auch den Weltpokal. In der Nationalmannschaft kam er zwischen 1987 und 1994 54 Mal zum Einsatz. 1990 wurde er unter Teamchef Franz Beckenbauer Weltmeister. 1992 stand er im Finale der Europameisterschaft, das gegen Dänemark verloren ging.


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