Historie
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25.10.2011 17:52:11
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Zweitligadenkmal im UEFA-Cup
Trotz DFB-Pokal Finalniederlage gegen Werder Bremen 2004 spielte Willi Landgraf (r.) mit Alemannia Aachen im UEFA-Cup
"Ich habe in meiner Karriere zwar kein Bundesliga-Spiel, dafür aber als Zweitligaspieler sechs Partien im UEAFA-Cup absolviert. Für einen Zweitligisten ist der Europapokal etwas ganz besonderes. Als wir uns mit Alemannia Aachen durch unseren Finaleinzug im DFB-Pokal 2004 für das internationale Geschäft qualifizierten, waren wir alle heiß auf die großen Namen und Stadien.
Und wir wurden nicht enttäuscht. Nachdem wir uns in der Qualifikation locker gegen Hafnarfjördur aus Island durchgesetzt hatten, wurde uns eine absolute Hammergruppe zugelost: Wir bekamen es mit dem OSC Lille, dem FC Sevilla, Zenit St. Petersburg und AEK Athen zutun. Damals war der Modus des Wettbewerbes noch etwas unübersichtlich und es gab in den Fünfergruppen kein Hin- und Rückspiel. Jeder Klub hatte zwei Heim- und Auswärtsspiele, die ersten drei qualifizierten sich für die nächste Runde.
Wir waren krasser Außenseiter, konnten unser erstes Spiel zu Hause gegen Lille aber mit 1:0 gewinnen und waren direkt in der Gruppe angekommen. Am zweiten Spieltag ging es dann zum FC Sevilla. Die Spanier hatten einen Haufen toller Spieler, die wir nur aus dem Fernsehen kannten und die hitzige Atmosphäre im Stadion Ramón Sánchez Pizjuán war geradezu berüchtigt.
Im Vorfeld der Partie hatten wir noch die Gelegenheit, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Unser Trainer Dieter Hecking bereitete uns besonders auf die elektronischen Banden im Stadion vor, die wir aus der 2. Bundesliga natürlich nicht kannten. In der Tat war das etwas gewöhnungsbedürftig - ein wenig so, als würde man auf den Straßen von Las Vegas Fußball spielen. Ansonsten gab uns Hecking mit auf den Weg, das Spiel in vollen Zügen zu genießen. Und das taten wir auch.
2.500 Zuschauer waren aus Aachen mitgereist und beim Warmmachen hörten wir nur unsere eigenen Fans, da die meisten Spanier erst kurz vor dem Anpfiff ins Stadion kommen. Nach dem Aufwärmen waren noch fast alle Plätze leer. Als wir zum Spiel einliefen, war die Kulisse auf einmal da. Das ganze Drumherum war aufregend, aber wir hatten keine Angst und waren auch nicht übermäßig nervös. Wir hatten ja überhaupt nichts zu verlieren.
Mein Gegenspieler war der erst neunzehnjährige Jesús Navas, mittlerweile Nationalspieler und Weltmeister. Auch Sergio Ramos, Julio Baptista und Daniel Alves spielten damals für die Andalusier. Die ersten 30 Minuten hatte ich Navas gut im Griff, danach wurde es für mich immer schwerer und er konnte sich besser in Szene setzen. Sevilla ging zwar früh in Führung, aber wir hatten auch unsere Chancen.
Unsere Fans waren sensationell. Beim Auswärtsspiel im UEFA-Cup hallten die "Williiiiee"-Rufe fast so laut durch das Stadion wie am heimischen Tivoli. Das war Gänsehaut pur. Die Entscheidung fiel in der 78. Minute durch einen Elfmeter und wir verloren mit 0:2, hatten uns aber mehr als achtbar aus der Affäre gezogen. Ein Zweitligist bei einem internationalem Spitzenclub - das hätte auch richtig ins Auge gehen können.
Durch unsere Leistung beflügelt verloren wir kein Spiel mehr in der Gruppenphase und qualifizierten uns für die K.O.-Runde, in der wir unglücklich am AZ Alkmaar scheiterten. Für den ganzen Verein war das eine Riesensache und ein willkommener Geldregen, der der Alemannia dabei half, Altlasten abzutragen.
Für mich war der Europapokal auch deshalb etwas außergewöhnliches, weil wir eine tolle Truppe mit überragendem Teamgeist hatten. Noch heute halten wir sehr regelmäßig Kontakt und verstehen uns nach wie vor super. Ohne diesen Geist in der Mannschaft hätten wir auch niemals die Gruppenphase überstanden."
Willi Landgraf kümmert sich heute um den Nachwuchs. Beim FC Schalke 04 trainiert er seit 2010/11 die U15, nachdem er 2009 die U13 übernommen hatte. Als Verteidiger bestritt Landgraf zwischen 1987 und 2006 insgesamt 508 Spiele in der 2. Bundesliga, in denen er 14 Tore erzielte. Er war für Rot-Weiß Essen, FC 08 Homburg, FC Gütersloh und TSV Alemannia Aachen aktiv. Mit seinen 508 Einsätzen ist der Ex-Rechtsverteidiger Rekordspieler der 2. Bundesliga. 2006 wechselte er in die zweite Mannschaft des FC Schalke 04, für die er noch 78 Spiele in der Oberliga Westfalen und Regionalliga West machte. Mit Aachen schaffte Landgraf 2006 den Aufstieg in die Bundesliga. Zwei Jahre vorher stand er mit der Alemannia im Finale des DFB-Pokals und qualifizierte sich dadurch für den UEFA-Cup, in dem Aachen in der Saison 2004/05 sensationell die Runde der letzten 32 Mannschaften erreichte.
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Im Vorfeld der Partie hatten wir noch die Gelegenheit, uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Unser Trainer Dieter Hecking bereitete uns besonders auf die elektronischen Banden im Stadion vor, die wir aus der 2. Bundesliga natürlich nicht kannten. In der Tat war das etwas gewöhnungsbedürftig - ein wenig so, als würde man auf den Straßen von Las Vegas Fußball spielen. Ansonsten gab uns Hecking mit auf den Weg, das Spiel in vollen Zügen zu genießen. Und das taten wir auch.
2.500 Zuschauer waren aus Aachen mitgereist und beim Warmmachen hörten wir nur unsere eigenen Fans, da die meisten Spanier erst kurz vor dem Anpfiff ins Stadion kommen. Nach dem Aufwärmen waren noch fast alle Plätze leer. Als wir zum Spiel einliefen, war die Kulisse auf einmal da. Das ganze Drumherum war aufregend, aber wir hatten keine Angst und waren auch nicht übermäßig nervös. Wir hatten ja überhaupt nichts zu verlieren.
Mein Gegenspieler war der erst neunzehnjährige Jesús Navas, mittlerweile Nationalspieler und Weltmeister. Auch Sergio Ramos, Julio Baptista und Daniel Alves spielten damals für die Andalusier. Die ersten 30 Minuten hatte ich Navas gut im Griff, danach wurde es für mich immer schwerer und er konnte sich besser in Szene setzen. Sevilla ging zwar früh in Führung, aber wir hatten auch unsere Chancen.
Unsere Fans waren sensationell. Beim Auswärtsspiel im UEFA-Cup hallten die "Williiiiee"-Rufe fast so laut durch das Stadion wie am heimischen Tivoli. Das war Gänsehaut pur. Die Entscheidung fiel in der 78. Minute durch einen Elfmeter und wir verloren mit 0:2, hatten uns aber mehr als achtbar aus der Affäre gezogen. Ein Zweitligist bei einem internationalem Spitzenclub - das hätte auch richtig ins Auge gehen können.
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Für mich war der Europapokal auch deshalb etwas außergewöhnliches, weil wir eine tolle Truppe mit überragendem Teamgeist hatten. Noch heute halten wir sehr regelmäßig Kontakt und verstehen uns nach wie vor super. Ohne diesen Geist in der Mannschaft hätten wir auch niemals die Gruppenphase überstanden."
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