Historie
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20.09.2011 15:02:45
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Schützenfest gegen Otto

Was ihm mit der Eintracht verwehrt blieb, gelang ihm mit dem FC Bayern: Nachtweih wurde mit München viermal Meister
"Mein größtes Spiel machte ich am 14. Spieltag der Saison 1981/82. Wir empfingen mit Eintracht Frankfurt den SV Werder Bremen. Werder war vor dem Spiel Fünfter, wir waren nur einen Punkt schlechter auf dem 6. Platz. Alles sprach für ein ausgeglichenes Spiel.


Die Bremer reisten allerdings mit einem leichten Handicap an, denn ihr etatmäßiger Schlussmann Dieter Burdenski fehlte aufgrund einer Verletzung. Für ihn machte der 20-jährige Hermann Rülander sein zweites Bundesliga-Spiel. Es sollte sein letztes werden.

Das Spiel begann denkbar ungünstig für uns, denn Norbert Meier brachte die Gäste bereits in der 7. Minute in Führung. Mit 0:1 zurückzuliegen war für uns kein unbekanntes Gefühl, denn wir mussten öfter einem Tor hinterherlaufen. Häufig gelang es uns noch, die Partie zu drehen. Aber was an diesem Nachmittag im Waldstadion passierte, war auch für uns alle einmalig. Bernd Nickel gelang der Ausgleich und anschließend waren wir nicht mehr zu halten. Ronny Borchers erzielte einen lupenreinen Hattrick zur 4:1-Pausenführung.

Nach dem Wechsel ließen wir es zunächst etwas ruhiger angehen und Uwe Reinders schoss den Bremer Anschlusstreffer. Das stachelte uns noch einmal an und mir gelangen innerhalb von wenigen Minuten zwei Tore. In meinen 325 Bundesliga-Spielen war dies der zweite und zugleich letzte Doppelpack. Der erste Treffer war ein satter Fernschuss aus 30 bis 35 Metern. Der Ball schlug genau im Winkel ein. Den zweiten Treffer erzielte ich sogar mit Links. Auch hier passte der Ball genau unter die Latte. Es gibt diese Tage im Fußball, da klappt einfach alles. Unser Torhunger war aber nach dem 6:2 noch nicht gestillt und Bum-Kun Cha legte das nächste Tor nach.

Jetzt wurde es Bremens Trainer Otto Rehagel zu bunt und er wechselte den bemitleidenswerten Rülander aus. Der junge Keeper war allerdings bei fast allen Toren machtlos, hatte vielleicht bei einem Treffer etwas mitgeholfen. Bei Rehagel bekam er danach kein Bein mehr auf die Erde, wie mir später erzählt wurde. Es kam mit Robert Frese ein weiterer junger Torwart aufs Feld, der das einzige Bundesliga-Spiel seiner Karriere bestritt. Bernd Nickel und erneut Cha hatten kein Mitleid und schraubten das Ergebnis auf 9:2.

Wenn wir mit der Eintracht einen Lauf hatten, dann konnten wir jede Mannschaft schlagen. Leider waren wir zu inkonstant, weshalb uns national der große Wurf verwehrt blieb. Dieses 9:2 ist übrigens bis heute das torreichste Spiel mit Frankfurter Beteiligung. Am Saisonende wurde Werder Fünfter und qualifizierte sich für den UEFA-Pokal. Wir landeten nur auf Platz 8, hatten dafür aber die bessere Tordifferenz."

Norbert Nachtweih (04.06.1957) Der ehemalige Abwehr- und Mittelfeldspieler arbeitet seit 2005 als Trainer an der "Fußballschule Eintracht Frankfurt". Darüber hinaus betreut er die C-Jugend des 2007 gegründeten "Jugend Fußball Club Frankfurt". Zuvor war er als Trainer für den SV Bernbach sowie für den FK Pirmasens tätig.
Als Spieler bestritt der in Sachsen-Anhalt geborene Nachtweih 35 DDR-Oberligaspiele für den Halleschen FC Chemie, ehe er im November 1976 nach einem U-21 Länderspiel in der Türkei nach Westdeutschland floh. Er wurde daraufhin von der FIFA für 16 Monate gesperrt. Nach Ablauf der Sperre debütierte er im März 1978 für Eintracht Frankfurt in der Bundesliga. Er bestritt bis 1991 insgesamt 325 Bundesliga-Spiele für Eintracht Frankfurt und Bayern München. Er erzielte dabei 46 Tore.
Zwischen 1989 und 1991 lief er außerdem 43 Mal für den AS Cannes in der französischen Liga auf. Bis 1996 war er dann noch in 127 Spielen der 2. Bundesliga (10 Tore) für Waldhof Mannheim am Ball. Mit Eintracht Frankfurt gewann er 1980 den UEFA- sowie 1981 den DFB-Pokal. Mit den Bayern wurde er 1985,1986,1987 und 1989 Deutscher Meister, holte 1984 und 1986 den DFB-Pokal und stand 1987 im Finale des Europapokals der Landesmeister. Für die Nationalmannschaft war er nie am Ball, da er bereits Spiele für die U21 der DDR bestritten hatte und somit für den DFB gesperrt war.



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