Historie
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30.10.2012 17:46:52
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Viererpack im Wohnzimmer des "Kaisers"

Klaus Fischer (M.) schoss 4 Tore beim legendären 7:0-Sieg des FC Schalke beim FC Bayern in der Saison 76/77
"Wenn ich an meine Karriere zurückdenke, fallen mir einige überwältigende Momente ein: Mein Ausgleichstreffer im WM-Halbfinale gegen Frankreich beispielsweise, der uns ins Elfmeterschießen und dadurch ins Finale brachte. Oder das erste Spiel nach meiner mehr als einjährigen Sperre, als ich im Heimspiel gegen den Wuppertaler SV gleich dreimal traf und erwachsene Männer auf der Tribüne vor Freude weinten, wie mir später berichtet wurde.


Ein Spiel war aber auch vom Ergebnis her einmalig: Unser 7:0-Erfolg mit Schalke im Olympiastadion gegen Bayern München. Es ist bis heute die höchste Bundesliga-Niederlage der Bayern und gleichzeitig Schalkes höchster Sieg. Es war der 9. Spieltag der Saison 76/77 und obwohl wir bis dahin alle vier Auswärtsspiele verloren hatten, fuhren wir zuversichtlich nach München. Wir hatten eine Supertruppe beisammen und waren uns dessen auch bewusst.

Mein Gegenspieler in der ersten Hälfte war mein alter Bekannter Georg "Katsche" Schwarzenbeck, gegen den mir nach gut 10 Minuten die 1:0-Führung gelang. Danach war das Spiel relativ ausgeglichen, ehe Erwin Kremers kurz vor dem Pausenpfiff auf 2:0 erhöhte. "Katsche" wurde zur Pause ausgewechselt und ich hatte es fortan mit Udo Horsmann zu tun.

Direkt nach dem Wiederanpfiff konnte ich mich gegen ihn durchsetzen und es stand 3:0. Nun verloren die Münchner, allen voran Franz Beckenbauer, die Lust am Spiel und bei uns funktionierte einfach alles. Konter auf Konter spielten wir im Olympiastadion und entwickelten dabei eine unglaubliche Spielfreude.

Es lief bei uns so gut, dass sogar, ohne das böse zu meinen, Manfred Dubski zum 4:0 traf. In seinen 73 Spielen für Schalke gelang ihm lediglich ein weiterer Treffer. Kurz darauf war ich wieder dran und es stand 5:0. Natürlich war das Spiel längst entschieden, aber wir hörten einfach nicht auf und spielten immer weiter: 6:0 durch Abramczik. Den 7:0 Schlusspunkt setzte ich mit meinem 4. Treffer der Partie.

Wir hatten dem amtierenden Europapokalsieger der Landesmeister im eigenen Stadion eine richtige Klatsche verpasst. Günter Siebert, unser damaliger Präsident, sagte nach dem Spiel: "Heute haben wir die Berge versetzt!".

Ich konnte allerdings nicht mehr ausgiebig mit der Mannschaft feiern, denn ich hatte am Abend noch einen Auftritt bei einer Sportgala in Düsseldorf, pikanterweise an der Seite von Franz Beckenbauer. So flog ich mit dem Franz nach dem Spiel direkt ins Rheinland. Ich glaube, wir haben so gut wie kein Wort gesprochen. Der Franz war natürlich noch richtig angefressen und ich wollte auch nicht weiter Öl ins Feuer gießen. Er war immer ein fairer Sportsmann und da verbot es sich, ihn mit der Niederlage aufzuziehen.

Für mich war dieser Tag, auch als früherer Münchener "Löwe", natürlich etwas ganz besonderes, denn 4 Tore schießt man ja nicht jeden Tag im Olympiastadion."

Klaus Fischer (geb. 27.12.1949) bestritt zwischen 1968 und 1988 für 1860 München, Schalke 04, den 1. FC Köln sowie den Vfl Bochum insgesamt 535 Bundesliga-Spiele, in denen er 268 Tore erzielte. Er ist damit hinter Gerd Müller der erfolgreichste Torjäger der Bundesliga-Geschichte. 1972 (Schalke 04) und 1983 (1. FC Köln) gewann er den DFB-Pokal. 1972, 1977 (jeweils Schalke 04) und 1982 (1. FC Köln) wurde er deutscher Vize-Meister. 1976 sicherte er sich mit 29 Saisontoren die Torjägerkrone. Für die deutsche Nationalmannschaft war der Meister der Fallrückzieher 45 Mal im Einsatz (32 Tore) und wurde 1982 Vize-Weltmeister. 1977 erzielte er im Länderspiel gegen die Schweiz das "Tor des Jahrhunderts", natürlich per Fallrückzieher.