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21.08.2012 19:32:14
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Champions-League-Sieger-Besieger

Arie van Lent dreht nach dem 1:0 gegen die Bayern jubelnd ab, FCB-Keeper Oliver Kahn ist geschlagen
"Wenn ich an meine aktive Zeit zurückdenke, sind mir eigentlich drei Spiele in ganz besonderer Erinnerung geblieben:
Im Mai 1997 erlebte ich noch im Trikot des SV Werder Bremen gegen den 1.FC Köln ein völlig verrücktes Spiel.


Ich brachte die Gäste aus Köln schon früh mit einem Eigentor in Führung. Noch vor der Pause gelangen mir dann glücklicher Weise noch zwei Treffer ins richtige Tor und wir führten 2:1. Toni Polster konnte für Köln per Elfmeter ausgleichen, aber das Spiel war noch nicht zu Ende. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit erzielte ich noch das 3:2. Mein viertes Tor in diesem Spiel, wenn man so will.

Ebenfalls gegen den 1. FC Köln bestritt ich mit Borussia Mönchengladbach ein denkwürdiges Spiel. Im Februar 2002 standen wir nur einen Punkt vor den Abstiegsrängen und die Gäste aus Köln lagen lediglich drei Punkte hinter uns, hätten mit einem Sieg zu uns aufschließen können. Nachdem es zur Pause noch 0:0 stand, brachte uns Markus Münch kurz nach dem Wiederanpfiff per Elfmeter in Führung. Dann schlug meine große Stunde und ich erzielte innerhalb von 14 Minuten einen lupenreinen Hattrick. Wir gewannen souverän mit 4:0.

Noch emotionaler war für mich allerdings der 28. Juli 2001. Es war der 1. Spieltag nach unserem Wiederaufstieg in die Bundesliga und es kam direkt der große FC Bayern München an den Bökelberg. Die Münchener hatten gerade gegen Valencia die Champions League gewonnen und waren mit Stars wie Effenberg, Elber, Scholl, Hargreaves und natürlich Oliver Kahn gespickt.

Die ganze Vorbereitung hatten wir sehr gut gearbeitet. Viele Spieler in unserem Kader hatten erst wenig oder noch gar keine Bundesliga-Erfahrung und waren dementsprechend heiß, sich auf höchstem Niveau zu beweisen. Als dann der Spielplan veröffentlicht wurde und wir wussten, dass es direkt gegen die Bayern gehen würde, war das einfach überragend. Die einzige Sorge, die wir als Spieler hatten, war sich noch vor dem Spiel zu verletzen und nicht dabei sein zu können.
Es war sehr heiß an diesem 28. Juli und das Stadion natürlich ausverkauft. Knapp 35.000 Zuschauer fasste der alte Bökelberg, aber der Verein hätte sicherlich locker über 100.000 Karten für dieses Spiel verkaufen können.

Trainer Hans Meyer bereitete uns ganz ruhig und normal auf dieses Spiel vor. Einen Aufsteiger musst du auch eigentlich nicht mehr motivieren, schon gar nicht gegen die Bayern. Schon als wir dann zum Warmlaufen aufs Feld kamen, war die Stimmung überwältigend. Die Fans standen zu 100 Prozent hinter uns.

Als die Partie begann, gelang es uns sofort das Spiel in die Hand zu nehmen. Wir ließen die Bayern überhaupt nicht ins Spiel kommen und waren selber immer wieder gefährlich. Die Entscheidung fiel schon in der 23. Minute: Ich ließ mich aus dem Sturmzentrum ins Mittelfeld fallen und wollte dort eigentlich einen Ball von Peter Nielsen verarbeiten. Der versprang mir allerdings so, dass Marcel Witeczek in Ballbesitz kam. Ich hatte im Mittelfeld nichts mehr verloren und ging mit hohem Tempo - auch wenn hier vielleicht der eine oder andere schmunzeln wird - wieder zurück in die Spitze. Marcel spielte mir den Ball perfekt in den Lauf und auf einmal bot sich mir eine Gelegenheit. Weder Linke noch Kovac waren in der Nähe. Also überlegte ich nicht lange und schoss sofort aufs Tor, auch wenn ich den Ball auf links liegen hatte. Oliver Kahn hatte keine Chance und wir führten 1:0.

Das Ergebnis mag vielleicht knapp aussehen, aber wir gerieten in der restlichen Spielzeit eigentlich kaum noch in Gefahr. Wir hatten die Bayern besiegt! Das war ein großartiges Gefühl und die Stimmung im Stadion herausragend. In der folgenden Woche wurde in den Medien viel gerätselt, wie die Bayern bei uns verlieren konnten. Unsere starke Leistung kam da in der Öffentlichkeit vielleicht etwas zu kurz, aber uns Spielern war das egal. Wir wussten, dass wir ein sehr starkes Spiel gemacht hatten. Wir waren jetzt die Champions-League-Sieger-Besieger."

Arie van Lent (Geb. 31. 08. 1970) - Der frühere Stürmer trainiert heute Kickers Offenbach in der 3. Liga. Zuvor arbeitete er bei Rot-Weiss Ahlen. Die erste Trainerstation des gebürtigen Niederländers war von 2007 bis 2009 der 1. FC Kleve, den er in seiner ersten Saison in die Regionalliga West führte. Als Spieler bestritt van Lent zwischen 1990 und 2007 insgesamt 120 Bundesliga-Spiele (27 Tore), 142 Begegnungen in der 2. Bundesliga (65 Tore) sowie zwölf in der Regionalliga (sechs Tore) für den SV Werder Bremen, VfB Oldenburg, SpVgg Greuther Fürth, Borussia Mönchengladbach, Eintracht Frankfurt und Rot-Weiss Essen. Mit Bremen wurde er Deutscher Meister, Europapokalsieger der Pokalsieger und zwei Mal DFB-Pokalsieger. Mit Gladbach stieg er 2001 in die Bundesliga auf, mit der Eintracht gelang ihm dieses Kunststück 2005 erneut. Mit Essen schaffte er 2006 den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

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