Historie
Historie
|
20.11.2012 13:49:09
Weiterempfehlen
Drucken
schliessen x
Name des Absenders
E-Mail Adresse
Name des Empfängers
E-Mail Adresse
"Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert"
Winfried Schäfer (r.) war von 1986 bis 1998 Trainer des Karlsruher SC. Unter anderem arbeitete er mit Thomas Häßler (l.)
"Ich habe in meiner Karriere einige turbulente und denkwürdige Spiele mitgemacht. Emotional sind Erfolge als Spieler und als Trainer nicht zu vergleichen. Deshalb kann man nicht nur ein einziges Spiel herausstellen, weil es mit anderen Erlebnissen nicht vergleichbar ist. Allerdings kann ich ein Spiel aus meiner Spieler- und eines aus meiner Trainerlaufbahn hervorheben.
Mein erstes Bundesliga-Spiel war natürlich etwas ganz Besonderes für mich. Es war einem glücklichen Zufall geschuldet, dass ich es für Borussia Mönchengladbach bestritt. Ich spielte damals als junger Kerl in der Jugend des TuS Mayen und darüber hinaus in der von Udo Lattek trainierten Juniorenauswahl des Verbandes. Udo war nicht wirklich ein großer Freund meiner Fähigkeiten und ich kam nur zu geringen Einsatzzeiten. Bei einem unserer Testspiele in Duisburg fehlte Lattek, da er bei Helmut Schön und der Nationalmannschaft weilte und sein Co-Trainer übernahm die Leitung. Natürlich war ich wieder draußen. Ich nehme an, Lattek hatte seinem Assistenten die Startaufstellung noch mitgegeben. Zur Pause lagen wir mit 0:2 hinten und da schlug meine Stunde: Ich wurde eingewechselt und schoss gleich zwei Tore. Hennes Weisweiler saß auf der Tribüne und lud mich nach dem Spiel zu einem Probetraining ein. So kam mein Wechsel zu Borussia Mönchengladbach zustande.
In der Hinrunde der Saison 1968/69 bekam ich in der Bundesliga von Weisweiler keinerlei Einsatzzeiten. Ich musste mich zunächst einmal im Training und in Testspielen beweisen. Zu Beginn der Rückrunde, einen Tag nach meinem 19. Geburtstag, war es dann so weit: Beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund durfte ich von Beginn an ran. Schon am Abend zuvor wusste ich es, da Weisweiler freitags immer Abwehr gegen Sturm mit der ersten Elf spielen ließ. Ich war dabei!
Natürlich schlief ich in der Nacht vor dem Spiel nicht besonders gut, aber meine damaligen Mitspieler in Gladbach haben es mir leicht gemacht. Spieler wie Vogts oder Netzer waren, wenn auch selber noch jung, echte Persönlichkeiten, die einem immer zur Seite standen. Gegen Dortmund zu spielen, war für mich persönlich auch etwas ganz besonderes: Als die Dortmunder 1966 den Europapokal der Pokalsieger gewannen, habe ich ihnen begeistert zugejubelt und nun würde ich mit Größen wie Siggi Held oder Lothar Emmerich auf dem Platz stehen.
Das Spiel lief relativ gut für mich, aber insgesamt taten wir uns schwer gegen die Dortmunder. In der 78. Minute stand es noch 0:0 und ich wurde im Mittelfeld gefoult. Ich führte den Freistoß direkt aus, um das Spiel schnell zu machen. Freistöße schoss bei Gladbach damals allerdings nur einer. Deshalb baute sich auch gleich Günter Netzer neben mir auf und meinte nur: 'Schäfer, Schäfer...' In dem Moment schloss Hartwig Bleidick den von mir eingeleiteten Angriff zum 1:0 ab. 'Da hast du aber noch einmal Glück gehabt!', war daraufhin Netzers Kommentar. Günter war als Spieler und Mensch einmalig und hatte großen Anteil an den Erfolgen in seiner Gladbacher Zeit.
Als Trainer ist mir ein Spiel aus meiner Karlsruher Zeit besonders in Erinnerung geblieben: In der zweiten Runde des UEFA-Pokals trafen wir am 15. Oktober 1996 auf den AS Rom, einen schier übermächtigen Gegner. Die Römer waren furios in die Serie A gestartet und mit Stars wie Delvecchio, Fonseca, di Baggio oder Tommasi gespickt. Der damalige Sponsor des KSC bezahlte einen Learjet, mit dem wir zur Spielbeobachtung in die ewige Stadt flogen. Der AS Rom fertigte den AC Mailand mit 3:0 ab und wir waren beeindruckt. Ich kam zu dem Schluss, dass wir die Italiener überraschen mussten, um eine Chance zu haben. Das Spiel fand an einem Dienstagabend im Wildpark statt und wir hatten sehr wenig Zeit. Am Montag zeigte ich den Spielern Zusammenschnitte der Römer und teilte ihnen mit, dass ich die Taktik umstellen wollte: Wir würden im 4-3-3 gegen den AS Rom auflaufen.
Außerhalb Hollands war dieses System damals kaum verbreitet, aber wir hatten die richtigen Spielertypen dafür: Mit Thorsten Fink einen aggressiven, zweikampfstarken Abräumer. Mit 'Tanne' Tarnat einen intelligenten Spieler mit großartigen Flanken und mit 'Icke' Häßler einen Spielmacher, der dir, wenn es sein musste, einen Ball aus 40 Metern in die Hose spielen konnte. Dazu ein Dundee in der Spitze, flankiert von Kirjakow und Keller. Ich war überzeugt, dass unser Konzept aufgehen konnte. Und wie es aufging!
Am Ende hatten wir entnervte Römer mit 3:0 geschlagen und zogen trotz der 1:2 Niederlage im Rückspiel in die nächste Runde ein. Zweimal Fink und einmal Dundee hatten getroffen. Für einen Trainer gibt es nichts befriedigenderes, als ein Plan, der funktioniert. Mit dem KSC den großen AS Rom auszuschalten, war etwas ganz Besonderes."
(Geb.: 10.01.1950) - Winfried Schäfer ist seit Juli 2011 Nationaltrainer von Thailand. Zuvor war Schäfer bis Januar 2011 Cheftrainer beim FK Baku in Aserbaidschan. Schäfer begann seine Trainerkarriere 1986 beim Karlsruher SC, den er direkt in die Bundesliga führte und bis 1998 in 371 Spielen der Bundesliga sowie 38 der 2. Bundesliga betreute. Danach trainierte er den VfB Stuttgart und TeBe Berlin, ehe er 2001 die Nationalmannschaft Kameruns übernahm, die er 2002 zum Gewinn der Afrikameisterschaft führte. Von März 2005 bis Februar 2007 war Schäfer bei Al-Ahli in Dubai tätig, mit denen er Meister wurde. Im Dezember 2007 übernahm er den Trainerposten bei Al Ain Club, ebenfalls in Dubai. Mit seiner neuen Mannschaft gewann er den Etisalat Emirates Cup, den President Cup und den UAE Super Cup. Als Spieler bestritt Schäfer 403 Bundesliga-Spiele (46 Tore) für Borussia Mönchengladbach, Kickers Offenbach und den Karlsruher SC. Mit Gladbach wurde er 1970 Deutscher Meister und gewann 1979 den UEFA-Cup. Mit Kickers Offenbach gewann er zudem 1970 den DFB-Pokal.
Hier finden Sie weitere Meldungen zum Thema:
"Meine Top10": Alle Bestenlisten auf einen Blick
"Mein größtes Spiel": Stars erinnern sich
In der Hinrunde der Saison 1968/69 bekam ich in der Bundesliga von Weisweiler keinerlei Einsatzzeiten. Ich musste mich zunächst einmal im Training und in Testspielen beweisen. Zu Beginn der Rückrunde, einen Tag nach meinem 19. Geburtstag, war es dann so weit: Beim Heimspiel gegen Borussia Dortmund durfte ich von Beginn an ran. Schon am Abend zuvor wusste ich es, da Weisweiler freitags immer Abwehr gegen Sturm mit der ersten Elf spielen ließ. Ich war dabei!
Natürlich schlief ich in der Nacht vor dem Spiel nicht besonders gut, aber meine damaligen Mitspieler in Gladbach haben es mir leicht gemacht. Spieler wie Vogts oder Netzer waren, wenn auch selber noch jung, echte Persönlichkeiten, die einem immer zur Seite standen. Gegen Dortmund zu spielen, war für mich persönlich auch etwas ganz besonderes: Als die Dortmunder 1966 den Europapokal der Pokalsieger gewannen, habe ich ihnen begeistert zugejubelt und nun würde ich mit Größen wie Siggi Held oder Lothar Emmerich auf dem Platz stehen.
Das Spiel lief relativ gut für mich, aber insgesamt taten wir uns schwer gegen die Dortmunder. In der 78. Minute stand es noch 0:0 und ich wurde im Mittelfeld gefoult. Ich führte den Freistoß direkt aus, um das Spiel schnell zu machen. Freistöße schoss bei Gladbach damals allerdings nur einer. Deshalb baute sich auch gleich Günter Netzer neben mir auf und meinte nur: 'Schäfer, Schäfer...' In dem Moment schloss Hartwig Bleidick den von mir eingeleiteten Angriff zum 1:0 ab. 'Da hast du aber noch einmal Glück gehabt!', war daraufhin Netzers Kommentar. Günter war als Spieler und Mensch einmalig und hatte großen Anteil an den Erfolgen in seiner Gladbacher Zeit.
Als Trainer ist mir ein Spiel aus meiner Karlsruher Zeit besonders in Erinnerung geblieben: In der zweiten Runde des UEFA-Pokals trafen wir am 15. Oktober 1996 auf den AS Rom, einen schier übermächtigen Gegner. Die Römer waren furios in die Serie A gestartet und mit Stars wie Delvecchio, Fonseca, di Baggio oder Tommasi gespickt. Der damalige Sponsor des KSC bezahlte einen Learjet, mit dem wir zur Spielbeobachtung in die ewige Stadt flogen. Der AS Rom fertigte den AC Mailand mit 3:0 ab und wir waren beeindruckt. Ich kam zu dem Schluss, dass wir die Italiener überraschen mussten, um eine Chance zu haben. Das Spiel fand an einem Dienstagabend im Wildpark statt und wir hatten sehr wenig Zeit. Am Montag zeigte ich den Spielern Zusammenschnitte der Römer und teilte ihnen mit, dass ich die Taktik umstellen wollte: Wir würden im 4-3-3 gegen den AS Rom auflaufen.
Außerhalb Hollands war dieses System damals kaum verbreitet, aber wir hatten die richtigen Spielertypen dafür: Mit Thorsten Fink einen aggressiven, zweikampfstarken Abräumer. Mit 'Tanne' Tarnat einen intelligenten Spieler mit großartigen Flanken und mit 'Icke' Häßler einen Spielmacher, der dir, wenn es sein musste, einen Ball aus 40 Metern in die Hose spielen konnte. Dazu ein Dundee in der Spitze, flankiert von Kirjakow und Keller. Ich war überzeugt, dass unser Konzept aufgehen konnte. Und wie es aufging!
Am Ende hatten wir entnervte Römer mit 3:0 geschlagen und zogen trotz der 1:2 Niederlage im Rückspiel in die nächste Runde ein. Zweimal Fink und einmal Dundee hatten getroffen. Für einen Trainer gibt es nichts befriedigenderes, als ein Plan, der funktioniert. Mit dem KSC den großen AS Rom auszuschalten, war etwas ganz Besonderes."
(Geb.: 10.01.1950) - Winfried Schäfer ist seit Juli 2011 Nationaltrainer von Thailand. Zuvor war Schäfer bis Januar 2011 Cheftrainer beim FK Baku in Aserbaidschan. Schäfer begann seine Trainerkarriere 1986 beim Karlsruher SC, den er direkt in die Bundesliga führte und bis 1998 in 371 Spielen der Bundesliga sowie 38 der 2. Bundesliga betreute. Danach trainierte er den VfB Stuttgart und TeBe Berlin, ehe er 2001 die Nationalmannschaft Kameruns übernahm, die er 2002 zum Gewinn der Afrikameisterschaft führte. Von März 2005 bis Februar 2007 war Schäfer bei Al-Ahli in Dubai tätig, mit denen er Meister wurde. Im Dezember 2007 übernahm er den Trainerposten bei Al Ain Club, ebenfalls in Dubai. Mit seiner neuen Mannschaft gewann er den Etisalat Emirates Cup, den President Cup und den UAE Super Cup. Als Spieler bestritt Schäfer 403 Bundesliga-Spiele (46 Tore) für Borussia Mönchengladbach, Kickers Offenbach und den Karlsruher SC. Mit Gladbach wurde er 1970 Deutscher Meister und gewann 1979 den UEFA-Cup. Mit Kickers Offenbach gewann er zudem 1970 den DFB-Pokal.
Hier finden Sie weitere Meldungen zum Thema:
"Meine Top10": Alle Bestenlisten auf einen Blick
"Mein größtes Spiel": Stars erinnern sich
Die besten Videos!
Fakten, Fak- ten, Fakten
Elf des Spieltags













