Historie
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24.04.2012 18:06:33
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Vom Bankdrücker zum Torschützenkönig

Hier erzielt Dieter Müller (2.v.r.) kurz nach seiner Einwechslung das 2:2 gegen Jugoslawien
"Es gibt sicherlich zwei ganz große Spiele in meiner Karriere, die mir immer in Erinnerung bleiben werden. Zum einen ist da das Spiel, mit dem ich mich in die Geschichtsbücher der Bundesliga eingetragen habe.


Am 17. August 1977 gelangen mir beim 7:2-Sieg mit dem 1. FC Köln gegen Werder Bremen gleich sechs Tore! Kein anderer Spieler, nicht einmal mein berühmter Namensvetter Gerd Müller, hat diesen Rekord in der Bundesliga je eingestellt. Am Ende der Saison waren wir Meister und Pokalsieger.

Noch bedeutender, weil viel wichtiger, war für mich aber meine Leistung im Halbfinale der Europameisterschaft 1976 in Belgrad gegen Gastgeber Jugoslawien. Es war der 17. Juni 1976. Deutschland fuhr als amtierender Welt- und Europameister zu dem Turnier. Natürlich wollten wir den EM-Titel unbedingt verteidigen.

Ich war im EM-Kader, ohne zuvor auch nur ein einziges Länderspiel bestritten zu haben. Erwartungsgemäß saß ich deshalb gegen die Jugoslawen zunächst auch nur auf der Bank. Im Stadion Crvene Zvezda in Belgrad herrschte eine aufgeheizte Stimmung, die Fans feuerten ihre Mannschaft lautstark an. Noch mehr, als die Jugoslawen auch noch nach 18 Minuten durch Danilo Popivoda in Führung gingen und nur 14 Minuten später durch Dragan Dzajic sogar auf 2:0 erhöhten.

Bundestrainer Helmut Schön reagierte und brachte mit meinem Kölner Mitspieler Heinz Flohe für Dietmar Danner einen weiteren offensiven Mann. Eine gute Entscheidung, denn Heinz traf Mitte der Halbzeit zum 1:2-Anschlusstreffer.

Danach konnte man den Jugoslawen die Nervosität ansehen, wir wurden immer überlegener. Nur der Ausgleich wollte nicht fallen. Schließlich schickte Schön mich in der 79. Minute auf den Platz. Und besser hätte mein Debüt im Nationaltrikot wahrlich nicht sein können. Denn gleich mit meinem ersten Ballkontakt köpfte ich den Ausgleich.

Es ging in die Verlängerung. Wir drängten auf den Sieg, die Jugoslawen versuchten, sich nur noch ins Elfmeterschießen zu retten, wechselten sogar zwei Verteidiger für Offensivspieler ein. Es nützte ihnen nichts. Fünf Minuten vor Ende des Spiels gelang mir das 3:2, drei Minuten später sogar das 4:2. Ein klassischer "Dreierpack" innerhalb von 38 Spielminuten - und wir standen im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei.

Da durfte ich dann sogar in der Startelf ran, erzielte erneut einen Treffer und wurde so mit vier Toren zum Torschützenkönig der EM. Lieber wäre mir allerdings gewesen, ich wäre mit Deutschland Europameister geworden. Aber leider hämmerte Uli Hoeneß im Elfmeterschießen den Ball über das Tor."

Dieter Müller bestritt zwischen 1972 bis 1986 insgesamt 303 Bundesliga-Spiele für Kickers Offenbach, den 1. FC Köln, VfB Stuttgart und 1. FC Saarbrücken. Er erzielte 177 Tore. Zwischendurch war er von 1982 bis 1985 drei Jahre bei Girondins Bordeaux in Frankreich aktiv. Von 1986 bis 1990 spielte er dann wieder in Offenbach, wo er noch einmal 51 Zweitliga-Spiele absolvierte und 26 Tore erzielte. Mit dem 1. FC Köln wurde er 1978 Deutscher Meister sowie 1977 und 1978 zweimal DFB-Pokalsieger. In diesen beiden Jahren wurde er auch Torschützenkönig der Bundesliga. Er ist der einzige Spieler in der Bundesliga-Geschichte, der sechs Tore in einem Spiel erzielt hat. Außerdem machte der Stürmer zwölf Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft, in denen er neun Tore erzielte. 1976 wurde er Vize-Europameister, 1978 nahm er an der WM teil.


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