Historie
Historie
|
28.02.2012 17:54:51
Weiterempfehlen
Drucken
schliessen x

Name des Absenders
E-Mail Adresse
Name des Empfängers
E-Mail Adresse

Zu spannend für Hollywood

Bernd Förster (r.) im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich
"Ich weiß nicht, ob ich an jenem 8. Juli 1982 in Sevilla die beste Leistung meines Lebens gebracht habe, ob die Schlacht gegen Frankreich das beste Spiel in meiner Karriere war. Aber auf jeden Fall war es das mit Abstand emotionalste.


Es war das Halbfinale der WM 1982 in Spanien, Deutschland gegen Frankreich. Ein wenig mühsam hatten wir uns bis in die Runde der letzten Vier vorgekämpft, unter anderem in der Zwischenrunde dann aber England und Gastgeber Spanien ausgeschaltet.

Nun trafen wir auf die zu diesem Zeitpunkt vielleicht beste Mannschaft der Welt. Platini, Giresse, Tigana - allein bei den Namen wurde einem schon Angst und Bange. Hinzu kam diese unglaubliche Hitze. Obwohl das Spiel erst um 21 Uhr angepfiffen wurde, waren auf dem Platz noch 35 Grad. Wir kamen uns vor wie in der Sauna.

Trotzdem lieferten sich beide Mannschaften ein unglaubliches Match - ein Spiel, das in die Geschichte der Weltmeisterschaften eingegangen ist. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich mich daran erinnere.

Gegen die offensiv starken Franzosen spielten wir wie immer mit unserer defensiven Fünferreihe hinten: Libero Uli Stielike, davor die Förster-Brüder Karl-Heinz und ich, links Hans-Peter Briegel, rechts Manni Kaltz. Ich selbst bekam es zumeist mit Dominique Rocheteau zu tun, mein Bruder spielte gegen Didier Six.

Es war ein offener Schlagabtausch, bei dem wir durch Pierre Littbarski nach 17 Minuten in Führung gingen, Michel Platini aber neun Minuten später per Elfer ausglich. So richtig spannend wurde es dann in der Verlängerung. Gleich nach dem Anpfiff der 30 Extra-Minuten traf Marius Tresor zum 2:1 für die "Equipe Tricolore", Alain Giresse erhöhte kurze Zeit später auf 3:1. Eigentlich war das Spiel da gelaufen.

Aber dann haben die Franzosen einen entscheidenden Fehler gemacht. Bei Platini und Co. kam der Spieltrieb heraus, sie wollten uns vorführen, zeigen, dass sie die Besten sind. Hätten sie einfach defensiv die Zeit heruntergespielt, wären sie auch ins Finale eingezogen. So aber brachten sie uns noch einmal ins Spiel. Sie hatten wohl vergessen, dass deutsche Mannschaften immer bis zur letzten Sekunde kämpfen.

Und häufig dann eben auch das nötige Glück haben wie wir. Erst verkürzte Kalle Rummenigge noch vor der Pause der Verlängerung, dann machte Klaus Fischer mit seinem legendären Fallrückzieher den Ausgleich.

Ein solches Drehbuch hätte in Hollywood niemand geglaubt. Zumal auch noch das Elfmeterschießen ein Drama wurde, in dem wir nach Stielikes Fehlschuss schon am Boden lagen und dann dank zweier Superparaden von Toni Schumacher doch noch gewannen und ins Endspiel der WM kamen.

Diesen Abend, dieses Spiel, werde ich nie vergessen."

Bernd Förster bestritt zwischen 1974 bis 1986 insgesamt 291 Bundesliga-Spiele (25 Tore) für den FC Bayern München, 1. FC Saarbrücken und VfB Stuttgart. Er machte 33 Länderspiele und wurde mit Deutschland Europameister 1980 und Vize-Weltmeister 1982. Mit Stuttgart gewann er 1984 den Deutschen Meistertitel.


Hier finden Sie weitere Meldungen zum Thema:

"Meine Top10": Alle Bestenlisten auf einen Blick

"Mein größtes Spiel": Stars erinnern sich