Historie
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26.06.2012 16:43:05
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Lehrstunde für arrogante "Reds"

Siggi Held (r.) absolvierte 230 Bundesliga-Spiele (44 Tore) für Dortmund. Insgesamt lief er 422 Mal in der Bundesliga auf
"In meiner Karriere ragen zwei Spiele als ganz große Ereignisse heraus. Das war natürlich zum einen das WM-Finale 1966 im Wembley-Stadion gegen England. Und zweitens das Finale um den Europapokal der Pokalsieger 1966 mit Borussia Dortmund gegen den FC Liverpool.


Da wir den Europacup gewonnen haben, sind meine Erinnerungen an diesen Tag noch schöner als ans mit 2:4 verlorene WM-Finale mit dem berühmten Wembley-Tor.

Es war der 5. Mai 1966 als wir mit dem BVB Geschichte schrieben. Denn noch nie hatte ein deutscher Club einen Europapokal gewonnen. Ein Jahr zuvor war noch 1860 München im Finale an West Ham United gescheitert. Und auch wir waren der klare Außenseiter. Denn immerhin trafen wir, wie schon die "Sechziger", auf einen Club aus England.

Der englische Fußball war damals, vielleicht einmal abgesehen von Real Madrid, das Nonplusultra. Und entsprechend arrogant waren sie auch. Ich erinnere mich noch gut an die Aussagen von Liverpools Manager Bill Shankly vor dem Spiel. Er sagte, die beste Mannschaft in Europa sei der FC Liverpool. Und die zweitbeste, die Reserve des FC Liverpool. Und zu uns meinte er nur: "Borussia Dortmund - wer ist denn das?"

Aber auch wir hatten keine Minderwertigkeitskomplexe. Und spätestens nach diesen verbalen Spitzen waren wir hoch motiviert. Zumal unser Trainer Willi Multhaup genau die richtigen Worte fand: "Männer, von zehn Spielen gegen diese Mannschaft verlieren wir neun. Doch heute ist das zehnte Spiel!"

Es war ein sehr spannendes, vom Kampf bestimmtes Spiel zweier gleichwertiger Mannschaften. Zur Pause stand es 0:0. Dann gelang mir nach einem Konter in der 61. Minute die 1:0-Führung.

Das hätte schon gereicht, hätte Schiedsrichter Pierre Schwinte aus Frankreich nicht ein irreguläres Tor der Engländer gegeben. Denn vor dem 1:1 durch Roger Hunt war der Ball klar im Aus.

Es ging in die Verlängerung - und da kam der große Auftritt von Reinhard "Stan" Libuda. Es war die 106. Minute. Nach einem schönen Steilpass stand ich plötzlich frei vor Liverpools Keeper Tommy Lawrence, doch meinen Lupfer konnte er mit dem Kopf abwehren.

Genau vor die Füße von Libuda, der aus halbrechter Position, gut 30 Meter vom Tor entfernt den Ball aufs Tor schlenzte. Latte, Pfosten und dann genau auf den Oberschenkel von Ron Yeats und von dort ins Tor. Der Siegtreffer.

Am nächsten Tag wurden wir von 300.000 Menschen in Dortmund gefeiert. Es war unglaublich. Ein ganz großes Erlebnis."

Siegfried Held bestritt zwischen 1963 und 1981 insgesamt 422 Bundesliga-Spiele, in denen er 72 Tore erzielte, sowie 49 Begegnungen der 2. Bundesliga (vier Tore) für Kickers Offenbach, Borussia Dortmund, Bayer 05 Uerdingen und Preußen Münster. Mit Dortmund wurde er 1966 Vizemeister, 1967 Bundesliga-Dritter und gewann 1966 den Europapokal der Pokalsieger. Für die deutsche Nationalmannschaft machte Held 41 Länderspiele, erzielte fünf Tore. Er wurde Vize-Weltmeister 1966 und WM-Dritter 1970.


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