Historie
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04.12.2012 17:50:28
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Vom Buhmann zum Helden
Toni Schumacher vor dem Elfmeterschießen im WM-Halbfinale 1982 gegen Frankreich
"Auch wenn ich in diesem Spiel eine unrühmliche Rolle gespielt habe, so ist und bleibt das Halbfinale der WM 1982 gegen Frankreich für mich das größte Spiel meiner Karriere. Die Dramatik, diese unglaubliche Verlängerung, die beiden von mir gehaltenen Elfmeter - so ein Spiel mit all diesen emotionalen Wellentälern erlebt man in seinem Leben nur einmal.
Es war der 8. Juli 1982. Im Sanchez-Pizjuan-Stadion von Sevilla trafen wir im Halbfinale auf Frankreich. Pierre Littbarski brachte uns früh in Führung, Frankreichs Superstar Michel Platini glich per Elfmeter aus. Es war ein normales, heiß umkämpftes Halbfinale. Bis zur 60. Minute, als ich ungewollt zum Hauptdarsteller der Begegnung wurde.
Ich war immer ein offensiver Torwart, der versucht hat, bei Steilpässen den Ball auch außerhalb des Strafraumes abzufangen. Genau das passierte. Ein langer Ball der Franzosen, ich ging raus. Ich sah, dass der Ball vor Pattrick Battiston aufsprang und erwartete, dass er ihn über mich drüber lupfen wollte. Deshalb bin ich ihm in hohem Bogen entgegen gesprungen. Als er den Ball plötzlich seitlich an mir vorbeispitzelte, habe ich mich extra weggedreht, doch es war zu spät. Ich rammte Battiston voll um, es muss brutal ausgesehen haben.
Aber das Foul war keine Absicht, und Patrick hat mir später auch verziehen als wir uns getroffen haben. Leid tut mir mein Verhalten danach, dass ich mich nicht um ihn gekümmert habe, ihn auch nicht im Krankenhaus besuchte. Gleich nach dem Spiel stürmte noch auf dem Rasen ein Journalist zu mir. Ich war emotional total aufgewühlt. Der Journalist sagte mir, Battiston habe zwei Zähne verloren. Ich war erleichtert, denn ich hatte eine schlimmere Verletzung befürchtet. Deshalb sagte ich: ‚Dann bezahle ich ihm die Jacketkronen'. Das war nicht hämisch gemeint, sondern erleichtert. Aber natürlich klang es sehr unglücklich.
Zurück zum Spiel, das sicherlich zu den größten Matches der WM-Geschichte gehört. Denn in der Verlängerung wurde es ein wahrer Thriller. Die Franzosen legten los wie die Feuerwehr, führten bis zur 98. Minute durch Tore von Marius Tresor und Alain Giresse mit 3:1. Ich dachte, das sei das Ende. Doch dann habe ich die Jungs gesehen, ihren unbändigen Willen. Was in der zweiten Halbzeit der Verlängerung abging, war unbeschreiblich. Erst der Anschlusstreffer durch Kalle Rummenigge, dann der sensationelle Fallrückzieher von Klaus Fischer zum 3:3. Wir hatten das Elfmeterschießen erreicht.
Und da wusste ich, dass wir weiterkommen. Denn ich war fest davon überzeugt, dass ich ein oder zwei Elfer halten würde. Als Uli Stielike unsern dritten Elfmeter verschoss und vollkommen fertig im Strafraum zusammensackte, zog ich ihn hoch und sagte nur: ,Geh weg, den nächsten halte ich für dich." Gesagt, getan: Ich parierte Didier Six´ Schuss, hielt nachher auch noch gegen Maxime Bossis. Wir waren im Finale. Aber leider auch vollkommen ausgebrannt, so dass wir im Endspiel den Italienern nicht mehr viel entgegensetzen konnten und 1:3 verloren."
Harald "Toni" Schumacher spielte von 1972 bis 1976 insgesamt 464 Mal in der Bundesliga für den 1. FC Köln, FC Schalke 04, FC Bayern München und Borussia Dortmund. Er wurde mit Köln 1978 Deutscher Meister und gewann 1977, 1978 und 1983 drei Mal den DFB-Pokal, stand zudem 1986 im UEFA-Cup-Finale. Er bestritt 76 Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft, wurde 1980 Europameister und 1982 sowie 1986 Vize-Weltmeister.
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Ich war immer ein offensiver Torwart, der versucht hat, bei Steilpässen den Ball auch außerhalb des Strafraumes abzufangen. Genau das passierte. Ein langer Ball der Franzosen, ich ging raus. Ich sah, dass der Ball vor Pattrick Battiston aufsprang und erwartete, dass er ihn über mich drüber lupfen wollte. Deshalb bin ich ihm in hohem Bogen entgegen gesprungen. Als er den Ball plötzlich seitlich an mir vorbeispitzelte, habe ich mich extra weggedreht, doch es war zu spät. Ich rammte Battiston voll um, es muss brutal ausgesehen haben.
Aber das Foul war keine Absicht, und Patrick hat mir später auch verziehen als wir uns getroffen haben. Leid tut mir mein Verhalten danach, dass ich mich nicht um ihn gekümmert habe, ihn auch nicht im Krankenhaus besuchte. Gleich nach dem Spiel stürmte noch auf dem Rasen ein Journalist zu mir. Ich war emotional total aufgewühlt. Der Journalist sagte mir, Battiston habe zwei Zähne verloren. Ich war erleichtert, denn ich hatte eine schlimmere Verletzung befürchtet. Deshalb sagte ich: ‚Dann bezahle ich ihm die Jacketkronen'. Das war nicht hämisch gemeint, sondern erleichtert. Aber natürlich klang es sehr unglücklich.
Zurück zum Spiel, das sicherlich zu den größten Matches der WM-Geschichte gehört. Denn in der Verlängerung wurde es ein wahrer Thriller. Die Franzosen legten los wie die Feuerwehr, führten bis zur 98. Minute durch Tore von Marius Tresor und Alain Giresse mit 3:1. Ich dachte, das sei das Ende. Doch dann habe ich die Jungs gesehen, ihren unbändigen Willen. Was in der zweiten Halbzeit der Verlängerung abging, war unbeschreiblich. Erst der Anschlusstreffer durch Kalle Rummenigge, dann der sensationelle Fallrückzieher von Klaus Fischer zum 3:3. Wir hatten das Elfmeterschießen erreicht.
Und da wusste ich, dass wir weiterkommen. Denn ich war fest davon überzeugt, dass ich ein oder zwei Elfer halten würde. Als Uli Stielike unsern dritten Elfmeter verschoss und vollkommen fertig im Strafraum zusammensackte, zog ich ihn hoch und sagte nur: ,Geh weg, den nächsten halte ich für dich." Gesagt, getan: Ich parierte Didier Six´ Schuss, hielt nachher auch noch gegen Maxime Bossis. Wir waren im Finale. Aber leider auch vollkommen ausgebrannt, so dass wir im Endspiel den Italienern nicht mehr viel entgegensetzen konnten und 1:3 verloren."
Harald "Toni" Schumacher spielte von 1972 bis 1976 insgesamt 464 Mal in der Bundesliga für den 1. FC Köln, FC Schalke 04, FC Bayern München und Borussia Dortmund. Er wurde mit Köln 1978 Deutscher Meister und gewann 1977, 1978 und 1983 drei Mal den DFB-Pokal, stand zudem 1986 im UEFA-Cup-Finale. Er bestritt 76 Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft, wurde 1980 Europameister und 1982 sowie 1986 Vize-Weltmeister.
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