Historie
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28.08.2012 17:36:50
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Sternstunde im Mutterland des Fußballs
1996 wurde Stefan Kuntz (l.)mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister
"Mein größtes Spiel war sicherlich am 26. Juni 1996 das Halbfinale bei der EURO 1996 gegen England. Ein Tor geschossen, einen Elfmeter verwandelt - das Spiel war der Höhepunkt meiner aktiven Karriere.
Ich hatte mir für die Begegnung unheimlich viel vorgenommen. In der Vorrunde hatte ich nur sporadisch gespielt, war zweimal eingewechselt worden und gegen Italien gar nicht zum Einsatz gekommen. Nachdem sich Jürgen Klinsmann im Viertelfinale gegen Kroatien verletzt hatte, war klar, dass ich gegen die Engländer von Anfang an spielen durfte.
Am Tag vor dem Spiel besuchten wir zum Abschlusstraining das Wembley-Stadion. Ich war erstmals in diesem Fußball-Tempel - und war schwer enttäuscht. Denn alles war alt, heruntergekommen, gar nicht so, wie ich mir das berühmte Wembley vorgestellt hatte. Dass in dieser alten Schüssel Stimmung aufkommen sollte, konnte ich mir nicht vorstellen. Immerhin, im Training war ich gut drauf.
Als wir dann vor dem Spiel zum Warmlaufen den Rasen betraten, wurde mir erst der Mythos Wembley bewusst. Diese Geräuschkulisse, die Schlachtgesänge der Fans, mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Und das ist mir in meiner Karriere nicht gerade häufig passiert. Ich war so beeindruckt und abgelenkt von den Fans, dass ich sogar einmal umgeknickt bin.
Und im Spiel ging es so weiter. Wir lagen schon nach drei Minuten durch einen Kopfballtreffer von Alan Shearer 0:1 zurück, das Stadion wurde zu einem Tollhaus. Doch dann passierte es: Pass von Thomas Helmer von links, ich machte ein langes Bein - und es stand 1:1. In der Verlängerung hätte ich der große Held sein können. Ecke Andi Möller, ich stieg hoch und traf per Kopfball genau in den Winkel. Doch Schiedsrichter Sandor Puhl gab den Treffer nicht, weil ich meinen Gegenspieler weggestoßen haben soll. Bitter, es wäre das erste "Golden Goal" und der Einzug ins Finale gewesen.
Den haben wir dann ja trotzdem geschafft, im Elfmeterschießen. Aber auch das war bis zur letzten Sekunde spannend. Ich war Deutschlands fünfter Schütze. Alle hatten vor mir getroffen. Und ich wusste: ,Wenn ich jetzt verschieße, sind wir raus'. Doch ich traf, rechts oben ins Eck. Danach hielt Andi Köpke den Elfer von Gareth Southgate, und Andi Möller schoss uns ins Finale. Vier Tage später waren wir Europameister.
Was mich an diesem Tag noch ganz besonders beeindruckt hat, waren die englischen Fans nach dem Spiel. Wir gingen noch einmal auf den Rasen, um uns auszulaufen - und wurden mit Standing Ovations empfangen, auch von den Engländern. Diese Fairness fand ich umwerfend."
Stefan Kuntz hat von 1983 bis 1999 insgesamt 449 Bundesligaspiele bestritten, dabei 179 Tore erzielt. Der Stürmer spielte für den VfL Bochum, Bayer 05 Uerdingen, den 1. FC Kaiserslautern und Arminia Bielefeld. Dazwischen war er eine Saison bei Galatasaray Istanbul in der Türkei. 1986 wurde er mit 22 Toren, 1994 mit 18 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga. Mit dem 1. FC Kaiserslautern wurde er 1990 DFB-Pokalsieger und 1991 Deutscher Meister. Für die Deutsche Nationalmannschaft bestritt er 25 Länderspiele (6 Tore). Er wurde 1996 Europameister.
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Am Tag vor dem Spiel besuchten wir zum Abschlusstraining das Wembley-Stadion. Ich war erstmals in diesem Fußball-Tempel - und war schwer enttäuscht. Denn alles war alt, heruntergekommen, gar nicht so, wie ich mir das berühmte Wembley vorgestellt hatte. Dass in dieser alten Schüssel Stimmung aufkommen sollte, konnte ich mir nicht vorstellen. Immerhin, im Training war ich gut drauf.
Als wir dann vor dem Spiel zum Warmlaufen den Rasen betraten, wurde mir erst der Mythos Wembley bewusst. Diese Geräuschkulisse, die Schlachtgesänge der Fans, mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Und das ist mir in meiner Karriere nicht gerade häufig passiert. Ich war so beeindruckt und abgelenkt von den Fans, dass ich sogar einmal umgeknickt bin.
Und im Spiel ging es so weiter. Wir lagen schon nach drei Minuten durch einen Kopfballtreffer von Alan Shearer 0:1 zurück, das Stadion wurde zu einem Tollhaus. Doch dann passierte es: Pass von Thomas Helmer von links, ich machte ein langes Bein - und es stand 1:1. In der Verlängerung hätte ich der große Held sein können. Ecke Andi Möller, ich stieg hoch und traf per Kopfball genau in den Winkel. Doch Schiedsrichter Sandor Puhl gab den Treffer nicht, weil ich meinen Gegenspieler weggestoßen haben soll. Bitter, es wäre das erste "Golden Goal" und der Einzug ins Finale gewesen.
Den haben wir dann ja trotzdem geschafft, im Elfmeterschießen. Aber auch das war bis zur letzten Sekunde spannend. Ich war Deutschlands fünfter Schütze. Alle hatten vor mir getroffen. Und ich wusste: ,Wenn ich jetzt verschieße, sind wir raus'. Doch ich traf, rechts oben ins Eck. Danach hielt Andi Köpke den Elfer von Gareth Southgate, und Andi Möller schoss uns ins Finale. Vier Tage später waren wir Europameister.
Was mich an diesem Tag noch ganz besonders beeindruckt hat, waren die englischen Fans nach dem Spiel. Wir gingen noch einmal auf den Rasen, um uns auszulaufen - und wurden mit Standing Ovations empfangen, auch von den Engländern. Diese Fairness fand ich umwerfend."
Stefan Kuntz hat von 1983 bis 1999 insgesamt 449 Bundesligaspiele bestritten, dabei 179 Tore erzielt. Der Stürmer spielte für den VfL Bochum, Bayer 05 Uerdingen, den 1. FC Kaiserslautern und Arminia Bielefeld. Dazwischen war er eine Saison bei Galatasaray Istanbul in der Türkei. 1986 wurde er mit 22 Toren, 1994 mit 18 Treffern Torschützenkönig der Bundesliga. Mit dem 1. FC Kaiserslautern wurde er 1990 DFB-Pokalsieger und 1991 Deutscher Meister. Für die Deutsche Nationalmannschaft bestritt er 25 Länderspiele (6 Tore). Er wurde 1996 Europameister.
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