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19.12.2012 - 16:31 Uhr


Terrier, Trainer, Tatortstatist

Berti Vogts (r, neben Günter Netzer) gewann mit Mönchengladbach fünf Mal die Deutsche Meisterschaft

Berti Vogts (r, neben Günter Netzer) gewann mit Mönchengladbach fünf Mal die Deutsche Meisterschaft

Klein, aber oho! Eigentlich heißt er Hans-Hubert mit Vornamen. Aber jeder kennt ihn als Berti. Der "Terrier“, eine der prägendsten Figuren des deutschen Fußballs, ist am 30. Dezember 1946 im niederrheinischen Büttgen geboren. Berti Vogts betrat zwei Jahre nach Gründung der Bundesliga in der Saison 1965/66 bei Borussia Mönchengladbach die Fußball-Bühne. Ihm wurde nichts geschenkt, er biss sich auch ohne überragendes Talent mit Willenskraft und Kampf bis in die Weltklasse durch.
Das ständige Attackieren des Gegners, diese Unerbittlichkeit über 90 Minuten, brachte dem nur 1,68 Meter großen Abwehrstrategen seinen Spitzennamen ein. Als Vollwaise wuchs der 12-Jährige bei einer Tante auf, verdiente als Kegeljunge ein paar Mark nebenbei und wirkte als Fanfarenbläser bei der Feuerwehr Büttgen mit. Nachdem er die Jugendabteilung des örtlichen VfR durchlaufen hatte, holte ihn Trainer Hennes Weisweiler nach Mönchengladbach.

Zwei Mal "Fußballer des Jahres"


Seine "Vaterfigur“ charakterisierte ihn treffend: "Berti hat nicht mal besonders viel Talent, aber er ist mutig, ehrgeizig, fleißig, diszipliniert und gewissenhaft.“ 14 Jahre hielt Berti Vogts seinem geliebten Verein die Treue, mit dem er fünf Mal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger wurde. Als Kapitän führte er die legendäre, nun von Udo Lattek weiter auf unbekümmertes Offensiv-Spiel eingestellte "Fohlenelf“ gleich zwei Mal zum UEFA-Pokal-Titel (1975 und 1979). Bei den Gladbachern beendete der "Fußballer des Jahres“ (1971 und 1979) nach 419 Spielen (33 Tore) seine aktive Laufbahn und nahm beim DFB als Jugendtrainer die Arbeit auf.

Als Linksverteidiger gab Berti Vogts am 3. Mai 1967 sein Debüt in der deutschen Nationalmannschaft. Unter Bundestrainer Helmut Schön stand er bis auf eine Ausnahme beim Abspielen der Nationalhymne in 95 Spielen in der Startformation. Natürlich war der Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Land der absolute Höhepunkt seiner Karriere. Am 7. Juli 1974 legte er im Finale gegen die Niederlande Spielmacher Johan Cruyff bis auf eine Aktion, die zum 0:1 führte, an die Kette. Im Schatten von Gerd Müller ("Bomber der Nation“) und "Kaiser“ Franz Beckenbauer hatte er maßgeblichen Anteil am 2:1-Sieg.

Nachfolger von Franz Beckenbauer


Nach der WM 1990 übernahm er von Teamchef Franz Beckenbauer das Amt des Bundestrainers. Die Fähigkeiten von Berti Vogts wurden nie angezweifelt. Er wurde mit der deutschen Elf Vize-Europameister (1992) und vier Jahre später sogar Europameister (1996). Die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse steigerte seine Popularität nicht. Ihm wurde trotz aller Erfolge ein schwieriges Verhältnis zur deutschen Öffentlichkeit nachgesagt. Da wurde er nicht als der Trainer des Europameisters wahrgenommen. Vielmehr haftete ihm jahrelang das Image des Trainers an, mit dem die deutsche Elf bei den Weltmeisterschaften 1994 (1:2 gegen Bulgarien) und 1998 (0:3 gegen Kroatien) schon im Viertelfinale ausschied.

Nach seinem Rücktritt als Bundestrainer wurde Berti Vogts mit Bayer Leverkusen in der Saison 2000/01 trotz eines starken Kaders nur Vierter. Danach wählte er den Weg ins Ausland. Über Kuwait (sechs Monate), Schottland (zweieinhalb Jahre) und Nigeria (nach 15 Spielen legte er wegen ausstehender Prämien und Gehälter seinen Posten nieder) ging er im April 2008 in den Kaukasus. Er unterschrieb beim Verband von Aserbaidschan einen bis 2014 datierten Vertrag. 2010 kehrte er aus dienstlichen Gründen in seine Heimat zurück. Im Rahmen der EM-Qualifikation verlor er in Köln gegen das Team von Joachim Löw mit 1:6-Toren.

Eine Möhre für das Kaninchen


1999 verewigte sich Berti Vogts im Tatort. In der Folge 403 ("Habgier“) geriet sein Kurzauftritt mit einem Kaninchen zur Parodie. "Gib dem Kaninchen eine Möhre extra, es hat uns das Leben gerettet!“ Dieser Satz genießt Kult-Status. Legendär auch seine Antwort: "Sex vor dem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit geht nichts.“

Sein Verhältnis zu den Medien war nicht das Beste, das war ein regelmäßiger Kampf. Er verweigerte sich einmal, exklusive Infos an eine große Tageszeitung zu verkaufen. Deswegen machte ihm der "Boulevard“ oft das Leben schwer. Nicht nur in diversen Interviews bewies Berti Vogts, dass der einstige "Wadenbeißer der Nation“ keineswegs so verbissen ist, wie viele meinen.

Jürgen Schmidt


Karriere in Zahlen:

Geburtsdatum: 30. Dezember 1946
Bundesliga-Spiele: 419
Bundesliga-Tore: 32
Deutscher Meister: 1970, 1971, 1975, 1976, 1977
DFB-Pokalsieger: 1973
Europameister: 1972
Weltmeister: 1974
Uefa-Cup-Sieger: 1975, 1979

Saison Verein Einsätze/Tore
1965/66 Bor. Mönchengladbach 34/0
1966/67 Bor. Mönchengladbach 34/1
1967/68 Bor. Mönchengladbach 34/6
1968/69 Bor. Mönchengladbach 34/8
1969/70 Bor. Mönchengladbach 34/5
1970/71 Bor. Mönchengladbach 34/1
1971/72 Bor. Mönchengladbach 19/1
1972/73 Bor. Mönchengladbach 34/3
1973/74 Bor. Mönchengladbach 27/3
1974/75 Bor. Mönchengladbach 34/0
1975/76 Bor. Mönchengladbach 34/1
1976/77 Bor. Mönchengladbach 27/1
1977/78 Bor. Mönchengladbach 34/2
1978/79 Bor. Mönchengladbach 6/0
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