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13.12.2012 - 09:45 Uhr


Im Watschelgang zum Kultstatus

Willi Lippens trug von 1966 bis 1976 das Trikot von Rot-Weiss Essen

Willi Lippens trug von 1966 bis 1976 das Trikot von Rot-Weiss Essen

"Wenn Du den Ball haben willst, musst Du Dir einen von zu Hause mitbringen!" Das war einer der lockeren Sprüche von Willi Lippens (Jahrgang 1945), einer der wenigen Fußballer, der in der 50-jährigen Bundesliga-Geschichte Kultstatus erwarb.
Seinen Spitznamen "Ente" hatte sich der Spaßvogel durch seinen bis heute nie kopierten Laufstil verdient. Das sah eigentlich nicht gefährlich aus, wenn er im Watschelgang auf der linken Seite auf seinen Einsatz lauerte. Doch mit dem Spielgerät am Fuß bot der ehemalige Straßenfußballer seinen Zuschauern immer etwas Außergewöhnliches. Er narrte seine Gegenspieler mit Finten (heute: "Übersteiger“) und setzte zu tollen Dribblings an. "Ich habe Show mit Zweckmäßigkeit verbinden können und gemerkt, dass meine Art zu spielen etwas besonders ist."

"Ich danke Sie"


Die berühmteste Anekdote über Willi Lippens stammt aus der Regionalliga-Saison 65/66, als RW Essen zusammen mit Fortuna Düsseldorf den Bundesliga-Aufstieg schaffte. Der gebürtige Rheinländer handelte sich im Spiel bei Westfalia Herne nach einem Dialog mit dem Schiedsrichter einen Platzverweis ein, erinnert sich genau: "Ich war mehrfach gefoult worden. Dann bin ich neben meinem Gegenspieler hergelaufen und wollte ihm eine verpassen."

Der Unparteiische sah das und stellte ihn zur Rede: "Ich verwarne Ihnen!“ Lippens erwiderte im typischen Kohlenpott-Slang: "Ich danke Sie!" Nach dieser Antwort flog die "Ente“ vom Platz, wurde für 14 Tage gesperrt. "Ich hatte immer Respekt. Es war nur die Situation, die mich dazu verleitet hat." Die Popularität des Dribbel-Königs ist nicht zuletzt deswegen ungebrochen.

Dieses "Entertainer-Gen" trugen neben ihm wohl nur noch Wolfgang ("Otto") Kleff, Sepp Maier und natürlich Mario Basler in sich. Heutzutage fehlen dem auf Taktik gedrillten Nachwuchs natürlich die Freiräume für außergewöhnliche Aktionen. Dazu zählt auch das legendäre Kopfballtor, das "Ente" Lippens, der 1971 sein einziges Länderspiel für die Niederländische Nationalmannschaft gegen Luxemburg (6:0) absolvierte, im Handstand fabrizierte.

Lippens hält Essen die Treue


In der Debüt-Saison 66/67 startete RW Essen furios. Mit 13:9-Punkten lag die Mannschaft aus dem Georg-Melches-Stadion Rot-Weiß sogar auf dem 2. Platz. Doch am Ende reichte es nicht zum Klassenerhalt. Während diverse Kicker wieder einen Job im Oberhaus suchten, hielt Flügelflitzer "Ente“ Lippens seinem Verein die Treue. Danach stiegen die Essener noch zweimal in die Bundesliga auf (1969 und 1973), mussten aber auch zweimal den Weg in die Zweitklassigkeit (1971 und 1977) antreten.

In den drei Spielzeiten bei Borussia Dortmund (1976-1979) absolvierte "Ente" Lippens noch einmal 70 Spiele und erzielte 13 Tore. Danach kehrte er zu den in die 2. Bundesliga-Nord abgestiegenen Essenern zurück, für die er 172 Partien (79 Tore) in der Bundesliga bestritt.

Im "Top-Team" des Westens


Bei all seinen Profi-Stationen war Willi Lippens stets Publikums-Liebling. Auch bei seinem einjährigen Gastspiel bei den Dallas Tornados in der US-Profi-Liga NASL war das so. Dort haben Tausende mit Entenpfeifen ("Duck Calls") im Stadion nach ihm gequakt. Danach hängte er 1980 die Fußball-Schuhe endgültig an den Nagel.

Eine angesehene Tageszeitung aus dem Ruhr-Pott rief kürzlich seine Leser auf, das "Top-Team im Westen" aus 50 Jahren Fußball-Bundesliga zu wählen. Zu Beginn dieser Aktion standen rund 200 Kandidaten (Spieler und Trainer) zur Debatte. Das NRW-Top-Team wurde von gut 25.000 Stimmen aufgestellt und sieht wie folgt aus: Toni Schumacher, Klaus Fichtel, Berti Vogts, Jürgen Kohler, Bernard Dietz, Michael Ballack, Matthias Sammer, Günter Netzer, Reinhard Libuda, Klaus Fischer und "Ente" Lippens, der sich auf der Linksaußen-Position mit 29,3 Prozent vor Jupp Heynckes (13,9 Prozent) und Erwin Kremers (12,1 Prozent) durchgesetzt hat. "Es ist besonders schön, wenn sich die Fans nach so langer Zeit an einen erinnern und in dieses Team wählen", freut sich das heute 67-jährige Fußball-Original.

Jürgen Schmidt


Hier lesen Sie den Original-Artikel des kicker vom 2. November 1970 über den Vertragspoker um Lippens.

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Karriere in Zahlen:

Geburtsdatum: 10.11.1945
Bundesliga-Spiele: 242
Bundesliga-Tore: 92
Deutscher Meister:
DFB-Pokalsieger:


Saison Verein Einsätze/Tore
1966/67 RW Essen 24/10
1969/70 RW Essen 21/12
1970/71 RW Essen 29/19
1973/74 RW Essen 34/13
1974/75 RW Essen 34/15
1975/76 RW Essen 30/10
1976/77 Dortmund 29/8
1977/78 Dortmund 20/1
1978/79 Dortmund 21/4
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