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16.05.2013 - 13:31 Uhr


Dynamik pur

Lothar Matthäus wurde im Alter von 38 Jahren Fußballer des Jahres in Deutschland

Lothar Matthäus wurde im Alter von 38 Jahren Fußballer des Jahres in Deutschland

Lothar Matthäus gehört zu den schillerndsten deutschen Fußballern aller Zeiten. Er hat eine Karriere der Superlative hingelegt. Der heute 52-Jährige war Welt- und Europameister, Deutscher und Italienischer Meister, UEFA-Pokalsieger, Rekordnationalspieler, Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft, WM-Rekordspieler, Weltfußballer, Europas Fußballer und Sportler des Jahres und noch einiges mehr. Während er als Spieler zu den ganz Großen des Weltfußballs zählte, war er als Trainer nicht mehr ganz so erfolgreich.
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere Anfang der neunziger Jahre galt Lothar Matthäus zusammen mit dem nur ein halbes Jahr älteren Diego Maradona als bester Spieler der Welt. Immer wieder kreuzten sich die Wege der beiden Superstars. Während dem Argentinier das Talent in die Wiege gelegt worden zu sein schien und bei ihm alles leicht und locker aussah, war der Deutsche so ein bisschen der Gegenentwurf. Matthäus war, sicherlich auch technisch äußerst beschlagen, dennoch mehr der dynamische Kämpfer.

Direkte Duelle gegen Maradona


Erstmals trafen die beiden Ausnahmespieler im März 1982 aufeinander. Die deutsche Nationalmannschaft trat in Buenos Aires gegen Argentinien an, Matthäus bekam vom damaligen Bundestrainer Jupp Derwall den Spezialauftrag Maradona aus dem Spiel zu nehmen. Der Plan ging auf, das Spiel endete 1:1.

Bei der WM 1986 griff Derwall-Nachfolger Franz Beckenbauer die Idee auf und stellte Matthäus im WM-Finale gegen Maradona, der damals das beste Turnier seines Lebens spielte und Argentinien in den K.o.-Spielen beinahe im Alleingang ins Endspiel schoss. Wieder entschied der Deutsche das direkte Duell für sich, die 2:3-Niederlage Deutschlands konnte er dennoch nicht verhindern.

Vier Jahre später, im WM-Finale 1990, gelang die Revanche. Lothar Matthäus war inzwischen Kapitän und Mittelfeldmotor der Nationalelf geworden, für Maradona war nicht mehr er, sondern Guido Buchwald zuständig. Deutschland holte sich den Titel, Maradonas große Zeit war danach weitgehend vorbei, die von Matthäus noch lange nicht. Wie an den Karriere-Highlights des gebürtigen Franken zu sehen ist, hat sich Lothar Matthäus in seiner Karriere stetig weiterentwickelt. Nur so konnte er über 20 Jahre auf höchsten Niveau spielen.

Unter Heynckes gelingt der Durchbruch


Lothar Matthäus wurde am 21. März 1961 in Erlangen geboren. Als Neunjähriger kickte er erstmals im Verein und zwar für den 1. FC Herzogenaurach. Nachdem er in verschiedenen deutschen Jugendnationalmannschaften auf sich aufmerksam gemacht hatte, wechselte er mit 18 Jahren zu Borussia Mönchengladbach. Gefördert von Trainer Jupp Heynckes schaffte der 1,74 Meter große Teenager auf Anhieb den Durchbruch und wurde Stammspieler. 28 Spiele bestritt der robuste Mittelfeldspieler, vier Tore gelangen ihm dabei.

Matthäus war so gut, dass er 1980 von Bundestrainer Jupp Derwall in den EM-Kader berufen wurde und mit 19 Jahren beim Spiel gegen die Niederlande debütierte. Beim Stande von 3:0 wurde er in der 73. Minute für Bernhard Dietz eingewechselt, sechs Minuten später verursachte der Jungspund einen Foulelfmeter. Am Ende siegte Deutschland mit 3:2, Matthäus kam nicht mehr zum Einsatz, konnte sich am Ende des Turniers dennoch Europameister nennen.

Bis 1984 blieb Lothar Matthäus den "Fohlen" treu, in 162 Bundesliga-Spielen gelangen ihm bemerkenswerte 36 Tore. Dann gab er seinen Wechsel zum FC Bayern bekannt. Vorher stand allerdings noch ein pikantes Aufeinandertreffen mit den Münchnern im DFB-Pokalfinale 1984 an. Es kam, wie es kommen musste: Elfmeterschießen, Matthäus jagte den Ball in die Wolken, Bayern gewann den Pokal. Kein schöner Abschied.

Intermezzo in Italien


Vier Jahre spielte Matthäus bei den Bayern. Er feierte unter Trainer Udo Lattek drei Meisterschaften und einen Pokalsieg und schoss dabei überragende 57 Tore, zumeist mit seinem stärkeren rechten Fuß. Dann zog es ihn nach Italien, in die damals stärkste Liga der Welt. Auch bei Inter Mailand blieben die Erfolge (Meisterschaft und UEFA-Pokal-Sieg) nicht aus. Unter Meistercoach Giovanni Trapattoni reifte Matthäus endgültig zum Weltklassespieler.

1992 kehrte er als 31-Jähriger nach einem überstandenen Kreuzbandriss zum FC Bayern zurück. Er sammelte weiter Titel, spielte bis zu seinem Abschied im Jahr 2000 weiter auf höchstem Niveau, wenn er auch dem Alter Tribut zollen musste und in den letzten Jahren als Libero zum Abwehrchef umgeschult wurde. 1999 wurde er noch einmal mit 38 Jahren (!) Deutschlands Fußballer des Jahres. Nach 464 Bundesliga-Spielen beendete er im März 2000 nach 21 Profi-Jahren seine Bundesliga-Zeit und ließ seine Karriere in New York ausklingen, unterbrochen noch einmal von der EM 2000.

Bei dieser insgesamt aus deutscher Sicht wegen des peinlichen Vorrunden-K.-o. verkorksten Europameisterschaft bestritt Lothar Matthäus sein 150. und letztes Länderspiel. Damit wurde er mit riesigem Abstand bis heute Deutschlands Rekordnationalspieler. Er nahm an fünf Weltmeisterschaften teil, bei denen er auf 25 Einsätze kam (Weltrekord), ebenso an fünf Europameisterschaften, ebenfalls Rekord. Matthäus war Weltmeister 1990 und Europameister 1980 und erfuhr zahlreiche weitere Ehrungen. Bis auf die Champions League hat Lothar Matthäus praktisch alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gibt.

Wandervogel als Trainer


Als Trainer blieben ihm dagegen die ganz großen Erfolge verwehrt. In seinem Heimatland bekam er nie eine Chance, was ihn sehr kränkte, woran er aber auch teilweise wegen seines ausschweifenden Privatlebens selbst Schuld war. Vier Ehen wurden wieder geschieden, seine Ausflüge ins Reality-TV und viele offenherzige Kommentare erwiesen sich eher als kontraproduktiv.

Dennoch gelangen ihm als Coach einige Achtungserfolge. Mit Partizan Belgrad wurde er Meister, als Nationaltrainer Ungarns feierte er einen 2:0-Sieg in Deutschland. Als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni bei Red Bull Salzburg gewann er die Meisterschaft in Österreich. Bei weiteren Stationen bei Rapid Wien, Atletico Paranaense (Brasilien), Maccabi Netanya (Israel) oder auch als Nationaltrainer von Bulgarien blieben weitere Titel aus. Derzeit arbeitet Lothar Matthäus als TV-Experte für verschiedene Sender. Auf eine Chance als Bundesliga-Coach hofft er noch immer.


Karriere in Zahlen:

Geburtsdatum: 21. März 1961
Bundesliga-Spiele: 464
Bundesliga-Tore: 121
Deutscher Meister: 1985, 1986, 1987, 1994, 1997, 1999, 2000
DFB-Pokalsieger: 1986, 1998

Saison Verein Einsätze/Tore
1979/80 Gladbach 28/4
1980/81 Gladbach 33/10
1981/82 Gladbach 33/3
1982/83 Gladbach 34/8
1983/84 Gladbach 34/11
1984/85 FC Bayern 33/16
1985/86 FC Bayern 23/10
1986/87 FC Bayern 31/14
1987/88 FC Bayern 26/17
1992/93 FC Bayern 28/8
1993/94 FC Bayern 33/8
1994/95 FC Bayern 16/5
1995/96 FC Bayern 19/1
1996/97 FC Bayern 28/1
1997/98 FC Bayern 25/3
1998/99 FC Bayern 25/1
1999/00 FC Bayern 15/1
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