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29.04.2013 - 10:49 Uhr


Der Unvollendete

Michael Ballack bestritt 98 Länderspiele für Deutschland und war in der Bundesliga für den 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und Bayern München aktiv

Michael Ballack bestritt 98 Länderspiele für Deutschland und war in der Bundesliga für den 1. FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und Bayern München aktiv

Jahrelang galt Michael Ballack neben Oliver Kahn als einziger deutscher Weltklassefußballer. Zusammen waren sie die Garanten des sensationellen Gewinns der Vizeweltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea. Doch im Gegensatz zum "Titanen" Kahn blieb Ballack ein großer internationaler Titel verwehrt. Eine grandiose Karriere hat der gebürtige Chemnitzer dennoch hingelegt.
Es ist noch gar nicht so lange her, da beschäftigte der Gesundheitszustand von Michael Ballack die Nation. Im Simmer 2010 war das, wenige Tage vor Beginn der Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf die WM in Südafrika. Die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten hievten Sondersendungen wie den „Brennpunkt“ ins Abendprogramm, wie es sonst nur bei Naturkatastrophen oder Politikerrücktritten üblich ist.

Boateng nimmt Ballack WM 2010


Was war passiert? Michael Ballack, seit sechs Jahren der Kapitän der Nationalmannschaft, war im englischen Cup Final von Gegenspieler Kevin-Prince Boateng schwer verletzt worden. Der damals 33-Jährige erlitt einen Riss des Innenbandes und einen Teilabriss der Syndesmose des Sprunggelenks. Die WM musste ohne ihn stattfinden. Die Stimmung im Land war düster. Diskutiert wurde die Frage, was diese Nationalmannschaft ohne ihren Leader, der in 98 Länderspielen 42 Tore erzielt hatte, nun überhaupt noch erreichen könne.

Die Antwort war eindeutig. Sehr viel. Ohne Ballack spielte sich eine junge Nationalelf in die Herzen der Fans. Ein überragender Bastian Schweinsteiger ließ den Kapitän im Zusammenspiel mit Sami Khedira als Mittelfeldstratege vergessen, Mesut Özil zauberte, Thomas Müller, Miroslav Klose und Lukas Podolski knipsten wie sie wollten, und Philipp Lahm interpretierte das Kapitänsamt moderater und damit ganz anders als sein Vorgänger. Deutschland wurde Dritter.

Es steckt eine gewisse Tragik in dieser Entwicklung. Ballack war verzichtbar geworden, erkannte die bittere Wahrheit allerdings selbst nicht. So kam es zum großen Knall, als ihm der Bundestrainer Joachim Löw im Juni 2011 mitteilte, dass er nicht mehr ihm plane. Den würdigen Abschied in Form eines letzten Länderspiels gegen Brasilien lehnte Ballack brüsk ab. Wenig freundliche Worte wurden ausgetauscht.

Tragisches Bundesliga-Finale 2000


Zwei Jahre später haben sich die Wogen wieder geglättet. Wenn Michael Ballack in diesem Sommer sein in Eigenregie organisiertes Abschiedsspiel in Leipzig bestreiten wird, wird neben viel fußballerischer Prominenz aus dem In- und Ausland auch der Bundestrainer zugegen sein.

Michael Ballack hat es verdient. In seiner 17 Jahre dauernden Profikarriere hat der 36-Jährige viel erlebt. Als 19-Jähriger debütierte er für den Chemnitzer FC in der 2. Bundesliga. Nach zwei Jahren folgte der Mittelfeldspieler dem Lockruf von Otto Rehhagel, der ihn zum 1. FC Kaiserslautern lotste. Dort feierte Ballack gleich im seinem ersten Bundesliga-Jahr seinen ersten großen Titelgewinn. Die Meisterschaft des Aufsteigers FCK ist bis heute wohl die größte Sensation in der 50-jährigen Bundesliga-Geschichte. Ballack bestritt 16 Spiele, blieb ein weiteres Jahr und wechselte dann 1999 zu Bayer Leverkusen.

Drei Jahre lang blieb er am Rhein und stieg dort, maßgeblich gefördert zunächst von Trainer Christoph Daum und später von Klaus Toppmöller, zum internationalen Topstar auf. Einen Titel holte er mit der "Werkself“ nicht, nur vier zweite Plätze in Meisterschaft, Pokal und Champions League. Besonders bitter war die verlorene Meisterschaft 2000. Leverkusen hätte am letzten Spieltag ein Remis beim Underdog Unterhaching zum Titel gereicht. Dann unterlief ausgerechnet Ballack ein Eigentor zum 0:1. Der Anfang vom Ende.

Führungsspieler im DFB-Team


In der Nationalmannschaft, in der 1999 debütierte, wurde er nach der verkorksten EM 2000 unter dem neuen Teamchef Rudi Völler rasch zum Führungsspieler. Der technisch versierte, dynamische, körperlich robuste und extrem torgefährliche Mittelfeldspieler war es, der der deutschen Elf seinen Stempel aufdrückte und in vielen entscheidenden Spielen mit seinen Toren auf die Siegerstraße brachte. Sei es in den Relegationsspielen gegen die Ukraine im Herbst 2001 oder bei der Endrunde 2002, als ihm im Viertel- und Halbfinale die goldenen Tore gelangen. Ballack schoss Deutschland ins WM-Finale, das er selbst wegen einer Gelbsperre verpasste.

Nach seiner Zeit in Leverkusen sammelte Ballack vier Jahre beim FC Bayern munter Titel. Unter Ottmar Hitzfeld und Felix Magath holte er drei Doubles, bevor er nach der WM 2006 seinen Traum verwirklichte und bei einem internationalen Topverein unterschrieb. Vier Jahre kickte Ballack für den FC Chelsea mit dem er eine Meisterschaft und drei FA-Cups gewann. Aber wie auch schon mit Leverkusen scheiterte er auch mit Chelsea 2009 unglücklich im Finale der Champions League.

Die WM 2010 sollte dann die Krönung seiner Laufbahn werden. Nach dem verlorenen EM-Finale 2008 und zwei Niederlagen in Champions-League-Finals wollte der seit den Tagen des Bundestrainer Jürgen Klinsmann nur "Capitano" gerufene Ballack endlich einen großen internationalen Titel gewinnen. Doch daraus wurde nichts.

Nach dem geplatzten Traum ließ Michael Ballack bei seiner letzten Station in Leverkusen seine Karriere ausklingen. Zahlreiche Verletzungen warfen ihn in den beiden Jahren immer wieder zurück. Sein letztes Bundesliga-Spiel bestritt er dann im Mai 2012 für Leverkusen als Einwechselspieler in Nürnberg. Die Fans verabschiedeten ihn freundlich.

Von Tobias Gonscherowski
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