offizielle Webseite

Liveticker

Historie

03.12.2012 - 17:03 Uhr


Der König von Giesing

Petar Radenkovic wurde 1968 mit den Münchner Löwen Deutscher Meister

Petar Radenkovic wurde 1968 mit den Münchner Löwen Deutscher Meister

Die Münchner Abendzeitung ist voll des Lobes. "Ja, der Radi! Sollen sie doch ruhig sagen, daß er ein Kasperl ist, der gerne Theater spielt und den wilden Mann markiert. Eines steht jedenfalls hinter seiner bühnenreifen Komik: Er hält, daß den gegnerischen Stürmern die Haare zu Berge stehen. Ohne seine Leistungen im Tor wären die Löwen nie so weit vorgedrungen…“
So wurde der am 1. Oktober 1934 in Belgrad geborene Petar Radenkovic, eine der schillernsten Figuren im Bundesliga-Gehäuse Mitte der Sechziger Jahre treffend skizziert. Die Kultfigur des TSV 1860 München hatte ja großen Anteil daran, dass die im Stadion an der Grünwalder Straße beheimateten Löwen als Südmeister der letzten Oberliga-Runde zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga zählten und nicht etwa der Drittplatzierte FC Bayern.

Den Europapokal in den Händen


Am 13. Juni 1964 gewann der in der ersten Bundesliga-Saison auf dem 7. Platz gelandete TSV 1860 München auch den Pokal. Durch den 2:0-Sieg im Stuttgarter Neckar-Stadion gegen Eintracht Frankfurt folgte eine grandiose Löwen-Zeit bis in das Europokal-Endspiel. Vor 100.000 Zuschauern im alten Wembley-Stadion mussten sich die Weiß-Blauen dem englischen Vertreter West Ham United mit 0:2 geschlagen geben.

Beim anschließenden Bankett sah der "Radi“ auf einem der Blumen geschmückten Tische den großen, glitzernden Europapokal stehen. Da scheute er sich nicht, die Herren von West Ham United zu fragen, ob er diese Trophäe nur einmal in Händen halten dürfe.“ Diese Bitte wurde ihm nicht abgeschlagen. Ein englischer Journalist hatte sich seine Meinung über einen der populärsten Torhüter gebildet: "Seit zwanzig Jahren gehe ich auf Fußballplätze. Ich habe alle großen Mannschaften erlebt. Der beste Torwart, den ich je sah, war Radenkovic.“

"Bin i Radi, bin i König"


Petar Radenkovic, der mit seiner 400.000 mal verkauften Schallplatte "Bin i Radi, bin i König“ bis auf Platz 5 der Charts stürmte und mitunter vor den Rolling Stones und den Beatles notiert war, ist praktisch der Initiator der Torhüter-Ausflüge. Er revolutionierte das Torwartspiel der 60er Jahre, er begeisterte einfach das Publikum. Seine Sturmläufe in die gegnerische Hälfte mit dem Ball am Fuß unternahm der "Radi“ nicht erst kurz vor dem Abpfiff.

Damit brachte er nicht nur Trainer Max Merkel, mit dem er bis zu dessen Entlassung im Dezember 1966 eine Dauerfehde führte, sondern auch zuweilen die Löwen-Fans auf die Palme: „Bleib in Deinem Kasten“, "Sakra, bist wohl narrisch“, aber auch ein wohl klingendes "Der is guat“ waren zu vernehmen. Er konnte halt mehr als nur Bälle fangen.

Der 1,87 Meter große Radenkovic, der sich selbst als "bestes Torwart von Welt“ bezeichnet hatte, war einer der ersten Ausländer der Premieren-Runde. In der Saison 1965/66 feierten die Münchner Löwen ihre einzige Meisterschaft. Der 1:0-Sieg im ersten Stadtderby der Bundesliga-Geschichte gegen Neuling FC Bayern war ein wichtiger Meilenstein. Im Meisterjahr stand der „Radi“ in allen 34 Spielen im Löwen-Zwinger und bekam stets gute Noten.

Radis Wunsch: Mal wieder ein Münchner Derby


Nach acht Spielzeiten und insgesamt 215 Spielen für die Münchner Löwen beendete der 35-jährige Petar Radenkovic nach der Saison 1969/70 seine aktive Laufbahn. Reaktionsschnelligkeit, Sprungkraft und erstklassiges Stellungsspiel waren herausragende Eigenschaften. Seine gute Ballbehandlung befähigte ihn auch, außerhalb des Strafraums das Spiel anzukurbeln.

Zum 75. Geburtstag gratulierte ihm der langjährige Bayern-Keeper Sepp Maier: "Du warst Deiner Zeit zwanzig Jahre voraus, ein Pionier.“ Einen Wunschtraum hat der "Radi“ aber noch: "Vielleicht gibt es wieder ein Derby, in dem wir eine Chance haben, den FC Bayern zu schlagen. Hoffentlich dauert es nicht, bis ich 100 Jahre bin.“

Jürgen Schmidt

Hier lesen Sie den Original-Artikel des kicker vom 15. Januar 1968 über einen Vorfall um "Radi" .

.


Karriere in Zahlen:

Geburtsdatum: 01.10.1934
Bundesliga-Spiele: 215
Bundesliga-Tore: 0
Deutscher Meister: 1966
DFB-Pokalsieger: 1964
Europapokal der Pokalsieger: 1965

Saison Verein Einsätze/Tore
1963/64 1860 München 30/0
1964/65 1860 München 29/0
1965/66 1860 München 34/0
1966/67 1860 München 26/0
1967/68 1860 München 34/0
1968/69 1860 München 30/0
1969/70 1860 München 32/0
Verwandte Artikel
Ewige Tabelle

© 2014 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH