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14.05.2013 - 11:58 Uhr


"Irgendwat hat mit die Uhr nicht gestimmt"

Wolf-Dieter Ahlenfelder leitete zwischen 1975 und 1988 insgesamt 106 Bundesligaspiele

Wolf-Dieter Ahlenfelder leitete zwischen 1975 und 1988 insgesamt 106 Bundesligaspiele

Er wohnt heute in Oberhausen-Holten, ist gelernter Industriekaufmann, war später 17 Jahre Mineralölkaufmann bei BP und ist mit 60 Jahren in den Vorruhestand gegangen. Wolf-Dieter Ahlenfelder (69), kleinwüchsig und schon zu aktiven Zeiten eher korpulent, hat als Schiedsrichter Bundesliga-Geschichte geschrieben. Unvergessen bleibt, wie er am 8. November 1975 bei der Partie Werder Bremen gegen Hannover 96 schon nach 32 Minuten zur Halbzeit pfiff.
Frage: Herr Ahlenfelder, wie war das damals?

Wolf-Dieter Ahlenfelder: Wir waren vor dem Spiel gegen Hannover in einem Bremer Vorort mittagessen. Richard Ackerschott hatte uns eingeladen, der Schiedsrichter-Betreuer von Werder, meine Linienrichter Rüdiger Wuttke und Horst Gaza waren auch dabei. Es gab Gans und Bierchen und Malteser für alle obendrauf. Beide trinke ich heute noch gerne, ich wohne so nahe der Königs-Brauerei, dass ich eine Standleitung haben könnte.

Frage: Die Bewirtung vor den Spielen war damals üblich, oder?

Ahlenfelder: Logisch, das war überall so.

Frage: Und was ist dann passiert?

Ahlenfelder: Ja, dann habe ich nach 32 Minuten gepfiffen und den Jungs gesagt, es sei Halbzeit. Der Höttges kam zu mir und sagte: Schiri, das kann nicht sein, mein Trikot ist ja noch nicht nass. Dann hat auch Wuttke mir ein Zeichen gegeben, ich solle weiterspielen lassen. Also hab ich mir den Ball geschnappt und mit einem Schiedsrichterball ging's weiter. Ich hab immer noch zu früh zur Halbzeit gepfiffen. Irgendwat hat mit die Uhr nicht gestimmt…

Frage: Könnten Sie sich vorstellen, dass so etwas heute auch noch passiert?

Ahlenfelder: Glaub' ich eher nicht. Ich hab das alles nie schön geredet, et war eben so. Die ganze Sache, so sehe ich es heute, hat mir nie geschadet. Die Leute haben immer gefragt: Ahli, wie war das mit der dritten Halbzeit…

Frage: Bis heute?

Ahlenfelder: Ja, bis heute. Viele Jahre habe ich noch die Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft gepfiffen, später die Spiele der Berufsfeuerwehr Oberhausen und der Autobahnpolizei NRW. Mein letztes Spiel habe ich vielleicht vor zehn Jahren geleitet. Immer wieder kommen noch Anfragen wie zuletzt vom Förderverein der Berufsfeuerwehr Oberhausen. Aber ich bin nicht mehr der alte Ahlenfelder. Die Füße, die Füße, die laufen nicht mehr wie ich will.

Frage: Der Fußball heute begeistert Sie weniger als die Spiele damals?

Ahlenfelder: Beim 4:4 gegen Schweden hätte ich den TV am liebsten aus dem Fenster geworfen, so habe ich mich über die deutsche Mannschaft geärgert. Das Derby BVB gegen Schalke habe ich wirklich nur eine Halbzeit gesehen. Das hat doch alles nichts mehr mit dem Fußball zu tun, den ich erlebt habe. Der Fußball von früher war lustiger, vielleicht habe ich da besser hingepasst.
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