Historie
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01.07.2012 09:14:08
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2011/12: Dortmunds Hollywood-reife Fortsetzung

  • Freude pur: Sebastian Kehl (r.) und Co. feiern das erste Double der Vereinsgeschichte
  • Die Truppe um Coach Jürgen Klopp hat in der Rückrunde kein einziges Spiel verloren
  • Robert Lewandowski steuerte in der Bundesliga 22 Treffer bei
Wenn ein Film mit mittelprächtigem Budget und ohne Schauspieler der ersten Garde widererwartend zu einem echten Blockbuster wird, dann hat Hollywood ein einfaches Rezept: Die Filmfabrik dreht einfach einen zweiten Teil. Mit Borussia Dortmund hat es sich in den vergangenen beiden Jahren ganz ähnlich verhalten.


Zwar zählte die Mannschaft von "Regisseur" Jürgen Klopp im Sommer 2010 zu den aufstrebenden Teams der Bundesliga, doch mit dem Gewinn der Meisterschaft hatten nicht einmal die kühnsten Optimisten gerechnet. Und doch geschah es. Und weil es so schön war, folgte Teil zwei.

Erstmals das "Double"



Mit demselben Prinzip, derselben dynamischen und frischen Spielweise und einem Regisseur, der genau wusste, wie er seine Sternchen so einzusetzen hatte, damit sie im Sommer 2012 Stars sein würden. Das Konzept ging auf und übertraf alles, was 2010/11 dagewesen war.

Zum ersten Mal in der 103-jährigen Geschichte von Borussia Dortmund gewannen die Schwarz-Gelben das "Double" – Meisterschaft und DFB-Pokal in ein und derselben Spielzeit. Es war eine Saison der Superlative. 81 Punkte holte der BVB und übertrumpfte damit den bisherigen Punkterekord des FC Bayern München (79 Zähler - 1971/72 und 1972/73).

Phänomenale Rückrunde



Allein in der Rückrunde holten die Borussen sensationelle 47 Zähler – so viele wie nie eine Mannschaft in der Bundesliga-Geschichte zuvor. Weiterhin blieb die Elf von Klopp als bisher einziges Team während einer Spielzeit 28 Spiele in Folge ohne Niederlage.

Nochmal zurück zu den Bayern: die galten als der große Favorit auf den Gewinn der Meisterschaft. Nach einer starken Hinrunde und der Herbstmeisterschaft mussten sie sich aufgrund des Durchmarschs der Dortmunder mit der Rolle des ärgsten Verfolgers begnügen.

Dominantes Pokalfinale



Und die Chance, den Borussen doch noch in die Suppe zu spucken, verpassten sie. Am 30. Spieltag untermauerte der BVB mit einem 1:0-Sieg gegen die Bayern seine Titelambitionen. Wenige Wochen später trafen sich die beiden Schwergewichte im Berliner Olympiastadion im DFB-Pokalfinale wieder. Was als ein Duell auf Augenhöhe angepriesen wurde, entpuppte sich als Demonstration der Stärke des BVB und gleichzeitige Demontage des Rekordchampions.

Die Elf von Klopp fügte dem FC Bayern in einem hochklassigen Endspiel beim 5:2-Sieg die höchste Final-Niederlage der bayrischen Vereinsgeschichte zu und gewann nach einem "Dreierpack" von Robert Lewandowski zum dritten Mal nach 1965 und 1989 den Cup.

Klopp sprachlos



"Das war ein Pokalfinale, wie man es sich als Dortmunder nicht besser vorstellen kann. Eiskalt zugeschlagen, tolle Tore gemacht - das ist definitiv nicht in Worte zu fassen, was in uns abläuft", resümierte ein überwältigter Klopp nach dem "Double-Gewinn".

Lewandowski war einer der Helden dieser Fortsetzungsgeschichte. 2010/11 oft noch als "Joker" eingesetzt, avancierte der polnische Nationalspieler in der Saison 2011/12 zum Goalgetter. 22 Mal traf er in der Bundesliga für den BVB. Hinzu kamen sieben Treffer im Pokal.

Es gab auch Tiefpunkte



Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Borussen war Shinji Kagawa. Nach dem Weggang von Nuri Sahin zu Real Madrid vor Saisonbeginn übernahm der Japaner das Zepter und bewies Reife, Übersicht, Torhunger und ein gutes Auge für seine Mitspieler.

Doch wie es sich für einen guten Film gehört, gab es auch beim BVB Tiefpunkte. In der Champions League lief die Mannschaft den erfahrenen Gegnern oft ins Messer und schied sang- und klanglos in der Vorrunde aus.

Das Verletzungspech schlug zu



Hinzu kam ein nicht anhalten wollendes Verletzungspech. Neven Subotic verletzte sich im Gesicht nach einem Ellbogencheck. Sven Bender erlitt in der "Königsklasse" einen doppelten Kieferbruch. Sebastian Kehl prellte sich – ebenfalls in der Champions League – Augapfel und Jochbein. Moritz Leitner hatte ein Rippenbruch.

Und da war die Saison gerade einmal zur Hälfte vorüber. Gleich zu Beginn des Jahres 2012 schockte der BVB seine Fans mit der Nachricht, dass Mario Götze wegen einer Überlastung und Stressreaktion des Schambeins für mehrere Monate ausfallen würde.

Noch immer hungrig



Aber dennoch schaffte es Klopp, seine junge Mannschaft aufzurichten und sie in Szene zu setzen. Die Abgebrühtheit, die zu Saisonstart noch fehlte, war plötzlich vorhanden. Die Borussen wussten auch ein 1:0 mal über die Zeit zu bringen. Am wichtigsten war jedoch der Hunger auf Erfolge. "Die Jungs haben nicht wie ein Titelverteidiger agiert, sondern wie ein Herausforderer", verriet Klopp.

Bleibt abzuwarten, welches Drehbuch Klopp für die Saison 2012/13 aus der Schublade holt. Denn das Publikum hat definitiv noch lange nicht genug von dieser Borussia. Fortsetzung also nicht ausgeschlossen…

Hier finden Sie weitere Rückblicke zu den Spielzeiten der 2010er Jahre:

Saison-Feature 2011/12

Saison-Rückblick 2010/11

Saison-Feature 2010/11