Historie
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02.07.2010 11:42:42
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2009/10: Der tragische Tod der Nummer 1

Robert Enke machte 196 Bundesliga-Spiele, 164 davon für Hannover 96
Der 10. November 2009 sollte einer der dunkelsten Tage in der Geschichte der Bundesliga werden. Er sollte eine ganze Liga, ihre Fans und sogar das ganze Land in tiefe Trauer stürzen. Am 10. November 2009 nahm sich Nationaltorwart Robert Enke das Leben.


In das Gedenken an den Familienmensch Enke, die Verzweiflung und die Fassungslosigkeit über den Freitod des Torhüters von Hannover 96 mischte sich die immer wiederkehrende Frage nach dem "Warum". Es war schließlich seine Frau Teresa Enke, die Licht ins Dunkel brachte.

Bewegende Pressekonferenz von Teresa Enke

Die trotz zittriger Stimme unheimlich stark wirkende Teresa Enke berichtete keine 24 Stunden nach dem Unglück in einer bewegenden Pressekonferenz in Hannover gemeinsam mit Arzt Dr. Valentin Markser vor rund 200 Medienvertretern detailliert über die schweren Depressionen ihres Mannes in den vergangenen fünf Jahren.

"Ich habe stets versucht, ihm Perspektive und Hoffnung zu geben. Ich habe geglaubt, mit Liebe können wir das durchstehen. Ich war auch in den letzten Trainingseinheiten stets bei ihm", sagte Teresa Enke." Daneben habe der Fußball ihrem Mann immer wieder Kraft gegeben: "Der Fußball war sein Lebenselixier."

Deutschland trauerte

Ihr bemerkenswerter Auftritt nur 19 Stunden nach dem Selbstmord ihres geliebten Mannes trieb nicht nur DFB-Präsident Theo Zwanziger die Tränen in die Augen. "Ich möchte meinen höchsten Respekt und meine höchste Wertschätzung für die liebenswerte Frau Enke zum Ausdruck bringen. Es muss übermenschliche Kraft gekostet haben, noch nicht einmal 24 Stunden nach dem schrecklichen Tod ihres Mannes an die Öffentlichkeit zu treten. Ich denke, sie wollte eine Botschaft übermitteln", sagte Zwanziger.

Die Botschaft wurde verstanden. Es gab einen Trauermarsch durch die Innenstadt Hannovers, an dem Tausende teilnahmen. Die deutsche Nationalmannschaft sagte das geplante Länderspiel gegen Chile ab und verabschiedete sich wenige Tage später mit einem bewegenden Film vorm Spiel gegen die Elfenbeinküste von ihrer Nummer 1.

Wenige Tage zuvor verabschiedeten sich in der AWD-Arena rund 35.000 Menschen tränenreich und endgültig von ihrem Idol. Als Enkes Teamkollegen von Hannover 96 den Sarg aus dem Stadion trugen und danach die Kult-Hymne "You'll never walk alone" erklang, verneigte sich die Fußballwelt letztmals vor dem Nationalkeeper.

Familienmensch und Sportsmann

Enke war keiner, der sich im Rampenlicht der Öffentlichkeit sonnte. Er war ein zurückhaltender Familienmensch, ein tadelloser Sportsmann und Tierfreund Enke war stets bereit, das Wohl anderer über seine eigenen Bedürfnisse zu stellen. Sportlich ging es für ihn seit seiner Rückkehr zu Hannover 96 steil bergauf, doch er kannte auch die Schattenseiten des Lebens.

Sportlich erlebte er diese nach seinem frühen Wechsel ins Ausland. Beim FC Barcelona führte er ein Dasein als Bankdrücker. Er wechselte zu Fenerbahce Istanbul. Dort widerfuhr ihm ein Alptraumstart, der Spuren hinterließ. Nach einer Niederlage in seinem ersten Spiel wurde er von den eigenen Fans mit Feuerzeugen und Flaschen beworfen.

Rückschläge im Berufs- und Privatleben

Er verließ Fenerbahce nach nur wenigen Wochen, weil er "diese überdrehte Leidenschaft und diese Brutalität gegenüber Verlierern" nicht aushielt. Sie widersprachen seiner Vorstellung von Fairness und Respekt eklatant. Erst nach seinem Wechsel nach Hannover 2004 fand Enke ein fußballerisches Zuhause.

Auch privat traf die Familie Enke das Schicksal schwer. Etwas mehr als zwei Jahre vor seinem Freitod verloren der fast immer sachliche und abgeklärte Enke und seine Frau Teresa ihre zweijährige Tochter, die mit einem schweren Herzfehler auf die Welt gekommen war.

Diese schwierige Zeit hat Robert Enke stark geprägt. "Unsere Tochter war fast ein Jahr im Krankenhaus, davon ein halbes Jahr auf der Intensivstation. Das verändert die Sichtweise. Ich habe gelernt, andere Prioritäten zu setzen", sagte er damals, nachdem er lange und verzweifelt um das Leben seiner Tochter gerungen hatte.

Die Bundesliga gedenkt Enke

Doch spätestens im Mai 2009 schien die Welt des Robert Enke wieder voller Glück, Zuversicht stand ihm ins Gesicht geschrieben. Das Ehepaar Enke adoptierte ein zwei Monate altes Mädchen namens Leila. "Wir sind sehr, sehr glücklich und dankbar für diesen kleinen Menschen, der in unser Leben getreten ist", sagte er.

Es schien eine zweite Chance für das Familienglück zu geben. Umso tiefer traf der Schmerz, als die Nachricht von Enkes Selbstmord um die Welt ging. Am Abend jenes 10. Novembers hat die Bundesliga einen großartigen Sportsmann, einen herausragenden Menschen und ein echtes Vorbild verloren.