Historie
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28.04.2009 11:08:24
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"Weltsaison" blieb titellos

Zweiter in der Bundesliga, unterlegen im DFB-Pokalfinale und auch das Endspiel der Champions League verlor Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller
Als am Ende der Saison 2001/02 die Trophäen verteilt wurden, ging Bayer 04 Leverkusen leer aus. Deutscher Meister wurde Borussia Dortmund, DFB-Pokalsieger der FC Schalke und die Champions League gewann Real Madrid. Leverkusen blieben drei Vize-Titel, Lob, Stolz, Enttäuschung sowie die Gewissheit, Fußball-Geschichte geschrieben zu haben.


Eine "Weltsaison" nennt Klaus Toppmöller dieses unvergessene Jahr im Rückblick. Toppmöller war Trainer und Inspirator einer Bayer-Mannschaft, die mit ihrem Offensivfußball die Fußball-Welt erstaunte und verzückte.

"Ich werde noch heute immer wieder auf diese Saison angesprochen, besonders im Ausland. Ich habe kürzlich den Präsidenten von Girondins Bordeaux getroffen und der hat mir gesagt, dass er noch nie eine taktisch so gute und attraktiv spielende deutsche Mannschaft wie unsere gesehen hat", sagt Toppmöller, der sonst "nicht so oft" an 2001/02 denkt.

"Zu dünn besetzt"

Doch bei der Frage nach dem Hauptgrund, weshalb es zu keinem Titel gereicht habe, muss der ehemalige Torjäger des 1. FC Kaiserslautern keine Sekunde überlegen.

"Unser Kader war in der Breite einfach zu dünn besetzt. Wir hatten eine super Mannschaft von 12, 13 Spielern, aber danach fehlte es uns an Qualität. Wir hätten in der Winterpause nachlegen müssen", meint Toppmöller.

Mit Nationalspielern gespickt

Es war in der Tat ein mit Nationalspielern gespicktes und durch viele Talente ergänztes Team, mit dem Bayer jene Mammut-Saison bestreiten sollte. Vor Torhüter Jörg Butt verteidigten Lucio und Jens Nowotny, im Mittelfeld brillierten und arbeiteten Michael Ballack, Bernd Schneider, Carsten Ramelow und Ze Roberto, während der etablierte Angriff mit Ulf Kirsten und Oliver Neuville durch das Ausnahme-Talent Dimitar Berbatov unterstützt wurde.

Als Vierter der Vorsaison hatte Leverkusen die Qualifikationsspiele für die Champions League erreicht und sich zu Anfang der Spielzeit 2001/02 in zwei Spielen gegen Roter Stern Belgrad durchgesetzt. "Als ich vor der Saison von Leverkusen verpflichtet wurde, hieß es vom Verein klipp und klar: Die wichtigsten Spiele dieser Saison sind die Quali-Spiele gegen Belgrad. Das haben wir geschafft und damit gleich positiv begonnen", so Toppmöller.

Nicht endender Siegeszug

Es folgte eine atemberaubende Saison, die für Toppmöller wie im Flug verging: "Wir haben ja praktisch immer mittwochs und samstags gespielt. Wenn Länderspiele waren, fehlten mir ein Dutzend Spieler im Training. Ich war außerdem immer unterwegs, um Spiele und Spieler zu beobachten. Zum Beispiel bin ich samstags nach dem Spiel in den Flieger gestiegen, habe sonntags ein Spiel in Brasilien gesehen und war montags wieder in Leverkusen beim Training."

Nach einem nicht endenden Siegeszug durch Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League schien der Titel des Deutschen Meisters als erstes fällig. Vor Anpfiff des 32. Spieltages führte Bayer mit fünf Punkten vor dem Zweiten Borussia Dortmund und empfing Werder Bremen in der BayArena.

"Das war der Knackpunkt"

Beim Spielstand von 1:1 verschoss Torhüter Jörg Butt einen Foulelfmeter, am Ende siegte Werder 2:1. "Das war der Knackpunkt. Wenn Butt den Elfer verwandelt, dann werden wir Deutscher Meister", ist nicht nur Klaus Toppmöller heute noch immer überzeugt.

Nach dem 33. Spieltag war aus dem übrig gebliebenen Zwei-Punkte-Vorsprung sogar ein Ein-Punkt-Rückstand geworden: Bayer verlor 0:1 in Nürnberg, der BVB siegte 4:3 beim HSV. Leverkusen hatte es folglich am letzten Spieltag gegen Hertha BSC nicht mehr selbst in der Hand, nach der Meisterschale zu greifen.

BVB schnappt sich die Meisterschale

"Ich hatte der Mannschaft gesagt, sie soll sich nur auf sich konzentrieren. Natürlich haben wir die Stimmung im Stadion mitbekommen, vor allem, als Dortmund 0:1 hinten lag", erzählt Toppmöller. Die Borussen behielten aber die Nerven und setzten sich 2:1 gegen Bremen durch. Bayers 2:1-Heimsieg reichte nur zur Vize-Meisterschaft.

Eine Woche später, am 11. Mai 2002 winkte Leverkusen der DFB-Pokal. Erst recht, nachdem Berbatov die 1:0-Führung im Finale gegen den FC Schalke erzielt hatte. Jörg Böhmes Ausgleich praktisch mit dem Pausenpfiff wendete das Blatt, der "Pott" ging nach einem 4:2-Sieg an Schalke. "Vielleicht wäre es besser gewesen, wir wären in der ersten Runde rausgeflogen und hätten Kraft gespart", mutmaßt Toppmöller.

Zidane entscheidet Champions-League-Finale

Die große Chance auf den größten europäischen Vereinstitel blieb Bayer aber noch. Nach 34 Bundesliga-Spielen, sechs DFB-Pokalduellen und 18 (!) Partien in der Champions League stand Leverkusen am 15. Mai in Glasgow im Finale gegen Real Madrid mit seinem Superstar Zinedine Zidane.

"Das war ein Riesen-Spiel mit einem Jahrhunderttor von Zidane. Wir waren absolut gleichwertig und hatten in den letzten zehn Minuten Chancen für drei Spiele. Sogar Jörg Butt hatte eine Kopfballchance, die er reinmachen muss", hat Toppmöller die dramatischen Szenen der 1:2-Niederlage noch immer vor Augen.

"Titel interessieren mich weniger"

Unterm Strich blieben Bayer drei zweite Plätze. Als Verlierer hat sich Toppmöller jedoch nie gefühlt: "Titel interessieren mich weniger. Wir wollten immer schönen und attraktiven Fußball spielen und das ist uns auch gelungen. Ich hätte es nie übers Herz bringen können, die halbe Mannschaft mal draußen zu lassen, das wäre für mich Betrug am Zuschauer gewesen."

Stefan Kusche

Hier finden Sie weitere Rückblicke zu den Spielzeiten der 2000er Jahre:

2000/01: Der "Meister der Herzen"

2001/02: "Der Fußball-Gott ist kein Leverkusener"

2002/03: "Mit zwei blauen Augen davongekommen"

2003/04: Titelgewinn in der "Höhle des Löwen"

2004/05: Ein meisterlicher Endspurt

2005/06: Zwei Krimis zum Abschluss

2007/08: Mit "König Franck" zurück an die Spitze

Die 2000er Jahre: DFL, Samba und immer wieder Bayern

Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick