Historie
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24.04.2009 11:52:09
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"Alle haben geschrien und sich umarmt"

Die Sekunden nach dem Tor zum Titelgewinn 2000/01: Bayerns Patrick Andersson wird von seinen Mitspielern fast erdrückt vor Freude
Die Geschichte der Bundesliga ist reich an kleineren und größeren sportlichen Dramen. In den letzten Minuten der Saison 2000/01 spielte sich parallel an zwei Orten eines der bewegendsten ab: in Gelsenkirchen und in Hamburg. Andreas Möller und Carsten Jancker waren an diesem heißen 19. Mai 2001 direkt beteiligt. bundesliga.de erzählt die Geschichte des Gewinners und des Verlierers.


Carsten Jancker sitzt in Hamburg auf der Ersatzbank des FC Bayern, als eine spannende - wenn auch keine Herzschlag-Saison - auf ihr übliches Ende zusteuert. Die Bayern waren mit drei Punkten Vorsprung auf den FC Schalke zum letzten Spiel beim HSV angetreten. Ein Punkt hätte also zum Titel gereicht, und so halten die Münchner das 0:0 ziemlich ungefährdet bis in die Schlussminuten.

"Der HSV war sehr motiviert, aber wir haben das Spiel kontrolliert. Es wird auch immer vergessen, dass mir ein klares Tor aberkannt wurde, sonst hätten wir in der zweiten Halbzeit 1:0 geführt", sagt Jancker. Es bleibt also vorerst beim 0:0.

"Das war's"

Neben Jancker, der nach 77. Minuten gegen Alexander Zickler ausgewechselt wird, gesellt sich nach 88 Minuten Giovane Elber, und beide sehen um 17.16 Uhr von außen das Kopfballtor von Sergej Barbarez - neuer Stand: 0:1 aus Sicht der Bayern! "Da dachten wir: Das Ding ist gegessen, das war's. Wir saßen da ganz still und haben auch nicht gesprochen", erinnert sich Jancker.

Vor Anbruch der Nachspielzeit haben die Bayern somit die Meisterschale an Schalke verloren. "Unser Spiel hatte später angefangen und es gab viele Unterbrechungen. Deshalb war die lange Nachspielzeit berechtigt."

"Eine Tatsachenentscheidung"

Dann läuft die dritte Minute der Nachspielzeit, HSV-Verteidiger Tomas Ujfalusi spitzelt den Ball in Richtung Torwart Mathias Schober, der nimmt den Ball auf, und Merk entscheidet auf Rückpass und indirekten Freistoß. Für Jancker "eine Tatsachenentscheidung".

"Unsere Spieler sind alle zum Ball gelaufen, auch Olli Kahn, es war ein Riesen-Getümmel. Auch der Trainer (Ottmar Hitzfeld; d.Red.) wusste nicht, wer schießt. Effenberg hat dann entschieden, dass Patrik Andersson schießt", beschreibt Jancker die tumultartigen Szenen im HSV-Strafraum.

Andersson findet die Lücke

Inzwischen läuft die vierte Minute der Nachspielzeit fast ab, Stefan Effenberg legt den Ball kurz ab und Andersson findet die Lücke, die es eigentlich nicht gibt. "Ich hab' auf der Seitenlinie gekniet und den Kopf in die Hände gestützt. Irgendwie geht der Ball rein, das war wie eine Erlösung und danach sind alle nur wild durcheinander gelaufen und haben geschrien und sich umarmt", denkt Jancker an die Sekunden der Entscheidung zurück.

Später habe er das Tor zum 1:1 noch oft im TV gesehen und könne es bis heute nicht richtig fassen, wie der Ball durch die Abwehrmauer gehen konnte. Dass der FC Bayern auch verdient Deutscher Meister 2001 geworden ist, steht für Jancker außer Frage: "Wir haben unsere Nervenstärke ausgespielt und nicht aufgegeben. 1999 haben wir ja eine ähnliche Situation erlebt wie Schalke, als wir das Champions-League-Finale in den letzten Sekunden gegen ManU verloren haben."

"Einfach eine geile Truppe"

Vier Tage nach der Deutschen Meisterschaft gewann der FC Bayern am 23. Mai 2001 das Endspiel der Champions League gegen den FC Valencia. "Dass wir Deutscher Meister wurden, war sicher ausschlaggebend für den Sieg in der Champions League. Wenn wir geknickt zum Endspiel gefahren wären, hätten wir es vielleicht nicht geschafft", meint Jancker.

Grundsätzlich habe in der Saison 2000/01 die Champions League Priorität für die Bayern gehabt. Jancker: "Nach der Niederlage 1999 wollte jeder von uns unbedingt diesen Titel. Wir hatten ja ungefähr noch die gleiche Mannschaft wie '99, und jeder hat gespürt, dass es für diese Mannschaft die letzte Chance ist. Wir hatten damals einen großen Zusammenhalt unter den Spielern, das war einfach eine geile Truppe."

Stefan Kusche

Hier finden Sie weitere Rückblicke zu den Spielzeiten der 2000er Jahre:

Tabelle und Spieltage der Saison 2006/07

2000/01: Der "Meister der Herzen"

2001/02: "Der Fußball-Gott ist kein Leverkusener"

2002/03: "Mit zwei blauen Augen davongekommen"

2003/04: Titelgewinn in der "Höhle des Löwen"

2004/05: Ein meisterlicher Endspurt

2005/06: Zwei Krimis zum Abschluss

2007/08: Mit "König Franck" zurück an die Spitze

Die 2000er Jahre: DFL, Samba und immer wieder Bayern

Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick