Historie
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21.01.2009 15:52:01
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1994/95: Dortmunds Meisterschaft der Emotionen

Lars Ricken (r.) machte in der Meistersaison 94/95 21 Spiele für den BVB
Als Kapitän Michael Zorc am 17. Juni 1995 um exakt 17.19 Uhr die Meisterschale in die Höhe reckte, brachen im Westfalenstadion alle Dämme, entluden sich die Emotionen.


Selbst der ansonsten besonnene Trainer Ottmar Hitzfeld verlor jegliche Contenance. Seinem Freudentanz folgten Freudentränen. Borussia Dortmund feierte seinen vierten Titel nach 1956, 1957 und 1963 und damit den ersten seit 32 Jahren und Einführung der Bundesliga.

Eine ordentliche Ansage...

Der TraditionsClub hatte seine lange Durststrecke mit einem 2:0-Sieg über den Hamburger SV beendet. Allerdings auch mit Schützenhilfe des Erzrivalen FC Bayern München mit einem 3:1 über den vorherigen Tabellenführer Werder Bremen. Als Schiedsrichter Eugen Strigl (Horb) die Partie pünktlich um 17.15 Uhr abgepfiffen hatte, herrschte noch Ungewissheit. Die wischte Ex-Profi und Stadionsprecher Norbert Dickel wenig später beiseite: "Der Deutsche Meister 1995 heißt Borussia Dortmund!"

Die Siegerehrung erfolgte im Chaos, weil rund 15.000 BVB-Fans den Rasen in der seit Monaten mit 42.800 Zuschauern ausverkauften Arena stürmten. Neben dem damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun, der eine Kopie der Trophäe überreicht hatte - das Original weilte in München - zählten der damalige Bundestrainer Berti Vogts und Bundeskanzler Helmut Kohl zu den ersten Gratulanten. Vom "G7"-Gipfel aus dem kanadischen Halifax schrieb Kohl in seinem Fax: "Dortmund ist seit Jahren dran und deshalb verdient Meister."

"Babysturm" besteht Bewährungsprobe

Dortmunds Manager Michael Meier atmete tief durch: "Es gibt doch noch eine Gerechtigkeit im Fußball." Er erinnerte an die grandiose Hinrunde, die der BVB mit vier Punkten Vorsprung abgeschlossen hatte. Für die Experten und bei den Buchmachern war die Borussia bei der Jahreswende Titelaspirant Nummer eins.

Doch Sperren, Krankheiten und besonders der Ausfall des gesamten Angriffs durch die Kreuzbandrisse von Stephane Chapuisat, Karlheinz Riedle und Flemming Povlsen sorgten für erhebliche Rückschlage. Stadtdessen strampelte sich der "Babysturm" mit Ibrahim Tanko (17) und Lars Ricken (18) im kalten Bundesliga-Wasser frei.

"Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen"

"Was die Mannschaft geleistet hat, kommt einem Wunder gleich", resümierte Hitzfeld, der schon während des Spiel mit orkanartigen Sprechchören gefeiert wurde. "Ein Kindheitstraum ist in Erfüllung gegangen", schwärmte der gebürtige Dortmunder Zorc und wischte sich die Tränen der Rührung aus den Augenwinkeln. "Nach der 3:1-Führung in München hätten wir am liebsten gleich losgetanzt, aber wir mussten ja noch weiterspielen."

Als die Partie gegen den HSV begann, hatten sich bereits 50.000 Fans auf dem Friedensplatz in der Stadtmitte eingefunden. Straßenbahnen und Gehwege waren in schwarz-gelber Farbe angemalt. Einen Tag später begleiteten eine halbe Millionen Menschen den Autokorso der Helden durch die Stadt und sorgten für einen absoluten Ausnahmezustand.

Hier finden Sie weitere Rückblicke zu den Spielzeiten der 1990er Jahre:

Tabelle und Spieltage der Saison 1994/95

1990/91: Sie kamen als Nobodies und gingen als Meister

1991/92: Eintracht scheitert am letzten Spieltag

1992/93: Herzog macht Bremen zum "spielenden" Meister

1993/94: Held rettet Dresden trotz Vier-Punkte-Abzug

1995/96: Hitzfelds Aufstieg in die Trainer-Elite

1996/97: "Magisches Dreieck" verzaubert VfB

1997/98: Teuflisches Meisterstück in der Pfalz

1998/99: Hitzfeld - mit Rotationssystem zum Erfolg

1999/2000: Ein Kultclub als Meistermacher

Die 1990er Jahre: TV-Boom, Einheit und Dortmunder Dominanz

Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick