Historie
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28.04.2010 16:19:49
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"Es war eine begeisternde Mannschaft"
St. Paulis Dieter Schlindwein (r.) und Stuttgarts Alois Schwartz im Zweikampf
Am Ende der Saison 1990/91 wurde die Relegation zum vorerst letzten Mal ausgetragen. Doch bei ihrem letzten Auftritt der "ersten Amtszeit" bewies die Qualifikationsrunde noch einmal, welch Spannung sie zum Abschluss einer Spielzeit bringen kann.
In drei packenden Duellen setzte sich der Zweitligist Stuttgarter Kickers gegen Bundesligist FC St. Pauli durch. Für die Schwaben sollte es bis heute der letzte große Erfolg gewesen sein.
Zobel und die "jungen Wilden"
Den Grundstein für diesen Triumph legte der 1979 zum Präsidenten ernannte Axel Dünnwald-Metzler. Unter ihm etablierten sich die Kickers Anfang der 80er Jahre zu einem stetigen Aufstiegsaspiranten. 1987/88 gelang dann erstmals der Sprung in die Erstklassigkeit als Tabellenführer der 2. Bundesliga. Es folgten der sofortige Wiederabstieg und die knapp verpasste Relegation im Jahr 1989 (Platz 4).
Anschließend wurde Rainer Zobel von Eintracht Braunschweig als neuer Trainer verpflichtet. Er führte die Mannschaft auf Anhieb in die Relegation. "Eigentlich hatte dieser unbekümmerten, jungen Mannschaft niemand diesen Erfolg zugetraut", erinnert er sich im Gespräch mit bundesliga.de.
Zwei Mal Unentschieden
Locker und frei spielten die Kickers dann auch gegen St. Pauli auf. Im Hinspiel erzielte ein junger Angreifer namens Marcus Marin in der 88. Minute den Ausgleich. "St. Pauli war im heimischen Stadion eine Macht. Der späte Ausgleich tat natürlich gut", so Zobel. Auch das Rückspiel im Neckarstadion vor 32.000 Zuschauern endete 1:1-Unentschieden.
Und so kam es zum dritten Mal in der Geschichte der Relegation zu einem Entscheidungsspiel auf neutralem Boden - ausgetragen im Gelsenkirchener Parkstadion. "Wir waren sehr zuversichtlich vor dem Spiel in Gelsenkirchen", weiß der heute 61-jährige Trainer. "Allerdings hatten wir ein riesiges Problem. Wir hatten damals immer bei Spielen in der Gegend unser Trainingslager in Köln aufgeschlagen. Doch diesmal war der Verkehr unglaublich und wir kamen erst 25 Minuten vor Anpfiff im Parkstadion an."
Erst Stau, dann Bundesliga
Und während sich die "Kiezkicker" in Ruhe aufwärmten und Kickers-Präsident Dünnwald-Metzler "völlig aufgelöst" war, schwor Zobel seine Mannschaft auf der Busfahrt zum Parkstadion ein: "Ich habe der Mannschaft gesagt, wir würden so tun, als würden wir normal so anreisen. Wir wollten keine Hektik zeigen. Das haben wir auch gemacht. Wir sind ganz locker ins Stadion gelaufen. In der Kabine war es dann natürlich sehr hektisch. Wir haben uns schnell umgezogen, 20 Minuten aufgewärmt und dann ging das Spiel auch schon los."
Die Kickers legten los wie die Feuerwehr und führten nach Treffern von Ralf Vollmer und Juan Cayasso Reid nach 35 Minuten mit 2:0. St. Pauli verkürzte, doch noch vor der Pause stellte Dirk Fengler den 3:1-Endstand her. "Das sollten wir immer so machen", hatte Zobel damals angesprochen auf die Strapazen der Busfahrt gesagt.
Ein letztes Mal erstklassig
Zum zweiten Mal waren die Kickers erstklassig. Doch auch wenn die Saison, die nach dem Mauerfall mit 20 Mannschaften ausgetragen wurde, nur als 17. abgeschlossen wurde und der direkte Abstieg folgte, blickt Zobel gern zurück auf dieses eine Jahr Bundesliga mit den Schwaben.
"Wir hatten eigentlich nur drei erfahrene Spieler. Das Problem lag an der Unbekümmertheit der Mannschaft. Wir konnten einfach nicht auf Ergebnis spielen. Wir haben sensationelle Ergebnisse auswärts erzielt. Wir haben zum Beispiel 4:1 in München gewonnen, 3:1 in Bremen oder auch 3:0 in Hamburg. Dafür haben wir zuhause in den letzten Minuten Spiele verloren. Das war die Unerfahrenheit der Mannschaft. Vielleicht auch des Trainers. Es war eine begeisternde Mannschaft. Aber in der Bundesliga wird so etwas bestraft."
Über Nacht auf den "Betze"
Nach dem Abstieg sollte und wollte Zobel die Mannschaft eigentlich weiter- und wieder in die Bundesliga zurückführen. "Doch über Nacht verließ Karl-Heinz Feldkamp Kaiserslautern und die hätten mich gern dort gehabt", erinnert er sich. "Ich habe mit unserem Präsidenten gesprochen und der meinte: ‚Da musst du hingehen. Und du kannst da hingehen.‘"
Zobel folgte also dem Ruf aus der Pfalz und gab den Kickers ein Versprechen, das er viele Jahre später einlösen sollte. Bis dahin hatten die Stuttgarter aber mit anderen Problemen zu kämpfen. Toptorjäger Marin und Verteidiger Thomas Ritter folgten Zobel zum FCK, Abwehrchef Wolfgang Wolf ließ seine aktive Laufbahn beim VfR Mannheim ausklingen. Der gefährliche Mittelfeldspieler Karel Kula wechselte in die Bundesliga zu Wattenscheid 09, Stürmer Dimitrios Moutas folgte ihm und unterschrieb beim VfL Bochum.
Versprochen ist versprochen
Weitere Leistungsträger packten ihre Koffer am Ende der Zweitliga-Saison 1992/93. Jene Spielzeit beendeten die Kickers nur einen Punkt von den Abstiegsrängen entfernt. Im Folgejahr konnte der Fall in die Drittklassigkeit nicht mehr verhindert werden. Noch einmal erholten sich die Schwaben von diesem Rückschlag und kehrten in die 2. Bundesliga zurück (1996).
Im September 2000 kehrte Zobel zu den Kickers zurück. "Als mich der Präsident 1992 gehen ließ, meinte er ‚Wenn ich dich eines Tages brauchen sollte, dann musst du mir auch helfen‘", verrät der heute in Südafrika arbeitende Coach. "So kam es dann auch zu meinem zweiten Engagement bei den Kickers. Da sollte ich die Mannschaft vor dem Abstieg aus der 2. Bundesliga retten. Das war eigentlich unmöglich. Doch ich hatte mein Versprechen gegeben."
Den Abstieg konnte Zobel nicht verhindern. Und so absolvierten die Kickers am 20. Mai 2001 ihr bislang letztes Spiel in der 2. Bundesliga.
Sebastian Stolz
Zobel und die "jungen Wilden"
Den Grundstein für diesen Triumph legte der 1979 zum Präsidenten ernannte Axel Dünnwald-Metzler. Unter ihm etablierten sich die Kickers Anfang der 80er Jahre zu einem stetigen Aufstiegsaspiranten. 1987/88 gelang dann erstmals der Sprung in die Erstklassigkeit als Tabellenführer der 2. Bundesliga. Es folgten der sofortige Wiederabstieg und die knapp verpasste Relegation im Jahr 1989 (Platz 4).
Anschließend wurde Rainer Zobel von Eintracht Braunschweig als neuer Trainer verpflichtet. Er führte die Mannschaft auf Anhieb in die Relegation. "Eigentlich hatte dieser unbekümmerten, jungen Mannschaft niemand diesen Erfolg zugetraut", erinnert er sich im Gespräch mit bundesliga.de.
Zwei Mal Unentschieden
Locker und frei spielten die Kickers dann auch gegen St. Pauli auf. Im Hinspiel erzielte ein junger Angreifer namens Marcus Marin in der 88. Minute den Ausgleich. "St. Pauli war im heimischen Stadion eine Macht. Der späte Ausgleich tat natürlich gut", so Zobel. Auch das Rückspiel im Neckarstadion vor 32.000 Zuschauern endete 1:1-Unentschieden.
Und so kam es zum dritten Mal in der Geschichte der Relegation zu einem Entscheidungsspiel auf neutralem Boden - ausgetragen im Gelsenkirchener Parkstadion. "Wir waren sehr zuversichtlich vor dem Spiel in Gelsenkirchen", weiß der heute 61-jährige Trainer. "Allerdings hatten wir ein riesiges Problem. Wir hatten damals immer bei Spielen in der Gegend unser Trainingslager in Köln aufgeschlagen. Doch diesmal war der Verkehr unglaublich und wir kamen erst 25 Minuten vor Anpfiff im Parkstadion an."
Erst Stau, dann Bundesliga
Und während sich die "Kiezkicker" in Ruhe aufwärmten und Kickers-Präsident Dünnwald-Metzler "völlig aufgelöst" war, schwor Zobel seine Mannschaft auf der Busfahrt zum Parkstadion ein: "Ich habe der Mannschaft gesagt, wir würden so tun, als würden wir normal so anreisen. Wir wollten keine Hektik zeigen. Das haben wir auch gemacht. Wir sind ganz locker ins Stadion gelaufen. In der Kabine war es dann natürlich sehr hektisch. Wir haben uns schnell umgezogen, 20 Minuten aufgewärmt und dann ging das Spiel auch schon los."
Die Kickers legten los wie die Feuerwehr und führten nach Treffern von Ralf Vollmer und Juan Cayasso Reid nach 35 Minuten mit 2:0. St. Pauli verkürzte, doch noch vor der Pause stellte Dirk Fengler den 3:1-Endstand her. "Das sollten wir immer so machen", hatte Zobel damals angesprochen auf die Strapazen der Busfahrt gesagt.
Ein letztes Mal erstklassig
Zum zweiten Mal waren die Kickers erstklassig. Doch auch wenn die Saison, die nach dem Mauerfall mit 20 Mannschaften ausgetragen wurde, nur als 17. abgeschlossen wurde und der direkte Abstieg folgte, blickt Zobel gern zurück auf dieses eine Jahr Bundesliga mit den Schwaben.
"Wir hatten eigentlich nur drei erfahrene Spieler. Das Problem lag an der Unbekümmertheit der Mannschaft. Wir konnten einfach nicht auf Ergebnis spielen. Wir haben sensationelle Ergebnisse auswärts erzielt. Wir haben zum Beispiel 4:1 in München gewonnen, 3:1 in Bremen oder auch 3:0 in Hamburg. Dafür haben wir zuhause in den letzten Minuten Spiele verloren. Das war die Unerfahrenheit der Mannschaft. Vielleicht auch des Trainers. Es war eine begeisternde Mannschaft. Aber in der Bundesliga wird so etwas bestraft."
Über Nacht auf den "Betze"
Nach dem Abstieg sollte und wollte Zobel die Mannschaft eigentlich weiter- und wieder in die Bundesliga zurückführen. "Doch über Nacht verließ Karl-Heinz Feldkamp Kaiserslautern und die hätten mich gern dort gehabt", erinnert er sich. "Ich habe mit unserem Präsidenten gesprochen und der meinte: ‚Da musst du hingehen. Und du kannst da hingehen.‘"
Zobel folgte also dem Ruf aus der Pfalz und gab den Kickers ein Versprechen, das er viele Jahre später einlösen sollte. Bis dahin hatten die Stuttgarter aber mit anderen Problemen zu kämpfen. Toptorjäger Marin und Verteidiger Thomas Ritter folgten Zobel zum FCK, Abwehrchef Wolfgang Wolf ließ seine aktive Laufbahn beim VfR Mannheim ausklingen. Der gefährliche Mittelfeldspieler Karel Kula wechselte in die Bundesliga zu Wattenscheid 09, Stürmer Dimitrios Moutas folgte ihm und unterschrieb beim VfL Bochum.
Versprochen ist versprochen
Weitere Leistungsträger packten ihre Koffer am Ende der Zweitliga-Saison 1992/93. Jene Spielzeit beendeten die Kickers nur einen Punkt von den Abstiegsrängen entfernt. Im Folgejahr konnte der Fall in die Drittklassigkeit nicht mehr verhindert werden. Noch einmal erholten sich die Schwaben von diesem Rückschlag und kehrten in die 2. Bundesliga zurück (1996).
Im September 2000 kehrte Zobel zu den Kickers zurück. "Als mich der Präsident 1992 gehen ließ, meinte er ‚Wenn ich dich eines Tages brauchen sollte, dann musst du mir auch helfen‘", verrät der heute in Südafrika arbeitende Coach. "So kam es dann auch zu meinem zweiten Engagement bei den Kickers. Da sollte ich die Mannschaft vor dem Abstieg aus der 2. Bundesliga retten. Das war eigentlich unmöglich. Doch ich hatte mein Versprechen gegeben."
Den Abstieg konnte Zobel nicht verhindern. Und so absolvierten die Kickers am 20. Mai 2001 ihr bislang letztes Spiel in der 2. Bundesliga.
Sebastian Stolz
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