Historie
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10.01.2010 10:28:54
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Der "weiße Löwe" feiert runden Geburtstag

2002 führte Winfried Schäfer Kamerun zur Afrika-Meisterschaft
Winfried Schäfer feiert am Sonntag seinen 60. Geburtstag. Hatte es der ehemalige Bundesliga-Profi und -Trainer vor zehn Jahren noch ordentlich krachen lassen, entschied er sich für diesen runden Geburtstag für eine Feier im kleinen Kreis.


"Es werden nur meine Familie und einige gute Freunde dabei sein", sagte Schäfer, der am Sonntag in seiner langjährigen Heimat Ettlingen vor den Toren Karlsruhes seinen Ehrentag begehen wird.

Kein Gedanke an Ruhestand

Dabei widerstrebt dem in der Eifelstadt Mayen geborenen Schäfer offensichtlich das große Brimborium, das um diesen Tag veranstaltet wird. "Früher war man mit 60 alt, aber heute ist 60 kein Alter mehr. Gerade als Fußball-Trainer ist man in den besten Jahren, wie man an Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld oder auch Otto Rehhagel sieht", erklärte Schäfer.

Deshalb denkt er auch noch lange nicht an den Ruhestand. "Ich will so schnell wie möglich wieder arbeiten", betonte Schäfer, der in 403 Bundesliga-Spielen für Borussia Mönchengladbach, Kickers Offenbach und den Karlsruher SC 46 Tore erzielte.

Letzter Job in Dubai

Nachdem er Anfang Dezember sein Engagement beim Al Ain Club in den Vereinigten Arabischen Emiraten beendet und er drei Wochen später eine Offerte von MKE Ankaragücü ausgeschlagen hatte, ist er nach einem Monat Urlaub wieder heiß auf einen neuen Job.

"Ich genieße es, mehr Zeit für meine Familie zu haben, aber ohne Fußball geht es nicht", sagte der "weiße Löwe", dessen Ehefrau Angelika sowie seine erwachsenen Kinder Aylissa und Sascha seit jeher viel Verständnis für die Leidenschaft ihres Familienoberhauptes hatten.

Meister als Spieler

Auch wenn es nie für die Nationalmannschaft reichte, blickt Schäfer zufrieden auf seine bisherige Karriere zurück. "Die beste Zeit habe ich in Mönchengladbach verbracht. Unter Trainer Hennes Weisweiler zu arbeiten, war ein Highlight. Und die 70er Mannschaft um Günter Netzer war überragend."

Mit den damaligen "Fohlen" wurde Schäfer 1970 zunächst Deutscher Meister und im selben Jahr dann auch DFB-Pokal-Sieger mit Kickers Offenbach. 1979 gewann der damalige Mittelfeldspieler mit Gladbach den UEFA-Cup.

Macher beim KSC

Als Coach feierte Schäfer seine größten Erfolge mit dem Karlsruher SC, mit dem er 1987 in die Bundesliga aufstieg, dann 1994 das UEFA-Cup-Halbfinale und zwei Jahre später das DFB-Pokalfinale erreichte. Spätere Nationalspieler wie Oliver Kahn, Jens Nowotny oder auch Mehmet Scholl begannen unter Schäfer beim KSC ihre Profikarriere.

"Damals hatte ich einen kaputten Verein übernommen, der vor der Insolvenz stand, dann haben wir unseren Weg gemacht", berichtete Schäfer, dessen blonde Haarpracht auch nach sechs Jahrzehnten noch nicht gelitten hat.

"Das Wunder vom Wildpark"

Besonders gerne erinnert er sich an den 2. November 1993, an das legendäre UEFA-Cup-Rückspiel der zweiten Runde gegen den damaligen spanischen Tabellenführer FC Valencia, der das Hinspiel 3:1 gewonnen hatte.

Mit 7:0 schaffte der KSC das "Wunder vom Wildpark", und nach dem 6:0 durch den vierfachen Torschützen "Euro-Eddy" Edgar Schmitt wurde auf der Anzeigetafel das Konterfei von Winfried Schäfer eingeblendet - darunter stand "Winnie-Wahnsinn".

Schäfer, der für diese Begegnung gesperrt war, hatte sich vor Spielbeginn vor den UEFA-Beobachtern versteckt und verbotenerweise sein Team vor dem Anpfiff in der Kabine heiß gemacht. Seine weiteren Trainerstationen VfB Stuttgart und Tennis Borussia Berlin waren dann aber nicht mehr vom Erfolg gekrönt.

Kameruns berühmtester "Löwe"

Im Ausland konnte Schäfer dann wieder auf sich aufmerksam machen. 2002 führte er Kamerun zur Afrika-Meisterschaft, ein Jahr später zog er mit den "unzähmbaren Löwen" ins Finale des Confed Cup ein.

Neben einer neuen beruflichen Herausforderung wünscht sich Schäfer für seinen neuen Lebensabschnitt vor allem Glück: "Glück ist wichtiger als Gesundheit. Die meisten Passagiere auf der Titanic waren gesund, sie hatten aber kein Glück..."