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"...dann kommt man nicht mehr nach Hause"
Am 3. Spieltag 97/98 schoss Ingo Anderbrügge (l.) das entscheidende 1:0 im Revierderby
1984 feierte Ingo Anderbrügge sein Bundesliga-Debüt für Borussia Dortmund. Vier Jahre später wechselte er ausgerechnet zum Erzrivalen des BVB, dem FC Schalke 04. Für die "Königsblauen" absolvierte der 45-Jährige 321 Spiele in Bundesliga und 2. Bundesliga.
Noch heute, viele Jahre nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn, begeistert ihn der Ruhrpott-Schlager zwischen den beiden Vereinen. Dies nahm bundesliga.de zum Anlass, vor dem insgesamt 134. Revierderby mit Anderbrügge über die schönsten Duelle zu sprechen, die er selbst erlebt hat, und auf die kommende Partie zwischen Dortmund und Schalke zu blicken.
bundesliga.de: Natürlich sind Sie in dieser Woche wieder ein gefragter Mann. Schließlich spielt in der Bundesliga der BVB gegen Schalke. Auch wenn Ihre aktive Zeit ein wenig zurück liegt, fiebern Sie diesem Derby noch immer entgegen?
Ingo Anderbrügge: Natürlich guckt man da ein bisschen genauer hin und denkt so an seine Zeit. Aber ich nehme mir dafür nicht extra einen Termin frei oder gehe zu Fuß zum Stadion. Es ist nicht wie jedes Spiel. Es ist sicher etwas anderes als Freiburg gegen Hertha oder so. Aber so wahnsinnig besonders wie die Partie für die Fans ist, ist es nicht mehr, da ich ja als Aktiver dabei war. Aber es gibt auch nur drei Punkte zu gewinnen. Als Profi muss man da schon schnell umschalten. Da bleibt nicht viel Zeit, das lange auszudiskutieren. So ein Fan, der das noch von Woche zu Woche mitträgt. Als Junge aus dem Revier weiß ich, wie die Leute vor und nach dem Derby mit dem Spiel leben. Aber als Aktiver muss man dieses Spiel auch wieder schnell abhaken können.
bundesliga.de: Ihr allererstes Revierderby spielten Sie 1984/85 am 16. Spieltag in Dortmund und siegten mit 4:1. Bleibt dieses erste Derby immer in Erinnerung?
Anderbrügge: Das war mein erstes Jahr in Dortmund. So richtig kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern. Da gab es andere Spiele, die mehr hängen geblieben sind. Die Partie fand im alten Westfalenstadion statt, wo die Ecken noch offen waren. Das hatte auch was. Ich kann mich noch an das eine oder andere Derby im alten Westfalenstadion erinnern. Das war schon etwas Besonderes während meiner aktiven Zeit. Ich hatte auch das Glück, auf beiden Seiten spielen zu dürfen. Auch die Partien im Parkstadion waren immer toll.
bundesliga.de: Nach vier Jahren in Dortmund wechselten Sie 1988 ausgerechnet nach Schalke, spielten dort allerdings drei Jahre in der 2. Bundesliga. Warum haben Sie sich damals für den Schritt zum Rivalen und den Schritt eine Liga tiefer entschieden?
Anderbrügge: Ich hab ja 1988 den Wechsel vollziehen müssen. Im Winter 87/88 hatte ich mich am Meniskus verletzt. Damals war Klaus Gerster der Manager der Borussia und Reinhard Saftig war der Trainer. Spieler wie Michael Lusch, Günter Kutowski, Daniel Simmes oder Maurice Banach, der leider wenige Jahre später verunglückt ist, mussten den Verein wechseln. Es waren viele junge Spieler. Ich habe es damals nicht unbedingt verstanden - wie auch mehrere andere Spieler. Ich hätte zu Waldhof Mannheim oder auch nach Nürnberg gehen können. Zu diesem Zeitpunkt waren das auch zwei Vereine, die nicht immer erstligareif waren. Ich habe mich dann für Schalke entschieden. Mit 24 Jahren wollte ich auch nicht aus der Region weg. Schalke war dann auch damals schon ein Club, der um den Aufstieg mitgespielt hat. Gott sei Dank ist dies ja drei Jahre später auch gelungen. Ich konnte da Fuß fassen. Ich konnte mich beweisen und hab in der 2. Bundesliga gezeigt, dass ich das Zeug für die Bundesliga habe. Und ab 1991 habe ich ja dann auch noch ein paar Jahre Bundesliga gespielt (lacht).
bundesliga.de: Ihr erstes Bundesliga-Derby gegen den BVB spielten Sie am 5. Spieltag der Saison 1991/92 auf Schalke. Sie hatten auch gleich einen Einstand nach Maß. Welche Erinnerungen haben Sie an das Spiel?
Anderbrügge: Vorher hatte ich mit Schalke noch ein Pokalspiel gegen Dortmund bestritten (Achtelfinale DFB-Pokal 1988/89; Anm.d.Red.). Damals waren wir noch Zweitligist. Im Parkstadion haben wir gegen Dortmund mit 3:2 verloren. Ich hab in der 90. Minute das 3:2 per Elfmeter erzielt. Das war der erste Berührungspunkt mit Dortmund. Aber an das Duell 1991 kann ich mich auch sehr gut erinnern. Denn ich habe das Tor mit rechts geschossen. Das ging 5:2 für Schalke aus. Das war ein recht schönes Tor und heißes Spiel.
bundesliga.de: Unvergessen bleibt auch das Last-Minute-Tor vom damaligen Schalke-Keeper Jens Lehmann zum 2:2-Endstand in der 90. Minute am 20. Spieltag der Saison 1997/98. Sie wurden damals eingewechselt. Wie haben Sie das Tor erlebt?
Anderbrügge: Ich stand bei Eckbällen für uns immer außerhalb des Strafraums, um einen abgewehrten Ball zu schießen. Ich war auch nicht das Kopfballungeheuer, das im Strafraum was anbrennen lässt. Ich bin dann also raus aus dem Sechzehner und Jens stürmte nach vorne. Und als er das Ding gemacht hat, sind wir alle auf ihn drauf. Ich glaube Olaf Thon war der Erste. Mit der größten Sprungkraft sprang er ihm an den Hals und alle anderen dann drauf. Das war schon ein Hammer. Zudem war es auf der Seite, auf der die Schalker Fans waren. Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Man konnte es ja kaum glauben, dass da ein Torwart ein Tor erzielt. Und dann noch so ein wichtiges. Aber Jens hatte auch im Training immer ein gutes Gefühl fürs Timing. Als Torwart muss man das haben, aber nicht unbedingt mit dem Kopf. Da war er schon recht gut. Das war schon Wahnsinn.
bundesliga.de: Gab es denn noch ein anderes Derby, an das Sie besondere Erinnerungen haben?
Anderbrügge: Ja, Sie haben das Derby 1997 vergessen. Da bin ich spät eingewechselt worden und habe das entscheidende 1:0 erzielt (86. Minute am 3. Spieltag 97/98; Anm.d.Red.). Wenn man Offensivspieler ist und die Brisanz dieses Spiel kennt, dann ist das etwas Besonderes, wenn man so ein Spiel entscheidet. Mir ist das dann mal gelungen. Das bleibt hängen und man wird immer wieder mal drauf angesprochen. Wenn man dann mit Fans darüber spricht und sie ihre Erinnerungen an das Tor erzählen, dann geht es auch nicht darum, wie das Tor gefallen ist. Der Ball musste nur über die Linie.
bundesliga.de: Wie macht man Neuzugängen die Brisanz des Derbys klar?
Anderbrügge: Den Neuzugängen auf beiden Seiten sollte bewusst sein, was so ein Derby-Sieg bedeutet. Das sind zwar nur drei Punkte. Auch wir, Jungs, die aus dem Ruhrgebiet kamen - Martin Max, Mike Büskens und ich - mussten schnell umschalten. Zurück zur Tagesordnung kommen. Aber der Spieler der neu ist und aus dem Ausland kommt, der kann ja die Historie nicht kennen. Das würde mir ja ebenso gehen, wenn ich in einem anderen Land spielen würde. Die sollten schon intensiv Zeitung lesen und mal mit dem einen oder anderen Fan reden und nochmal Brötchen holen beim Bäcker. Einfach mal reinhorchen. Das ist schon spannend und motivierend. Und wenn man dann am Montag nochmal da hingeht und sagt, wir haben gewonnen, dann kommt man nicht mehr nach Hause. Alle wollen sie dann mit einem sprechen.
Das Gespräch führte Sebastian Stolz
bundesliga.de: Natürlich sind Sie in dieser Woche wieder ein gefragter Mann. Schließlich spielt in der Bundesliga der BVB gegen Schalke. Auch wenn Ihre aktive Zeit ein wenig zurück liegt, fiebern Sie diesem Derby noch immer entgegen?
Ingo Anderbrügge: Natürlich guckt man da ein bisschen genauer hin und denkt so an seine Zeit. Aber ich nehme mir dafür nicht extra einen Termin frei oder gehe zu Fuß zum Stadion. Es ist nicht wie jedes Spiel. Es ist sicher etwas anderes als Freiburg gegen Hertha oder so. Aber so wahnsinnig besonders wie die Partie für die Fans ist, ist es nicht mehr, da ich ja als Aktiver dabei war. Aber es gibt auch nur drei Punkte zu gewinnen. Als Profi muss man da schon schnell umschalten. Da bleibt nicht viel Zeit, das lange auszudiskutieren. So ein Fan, der das noch von Woche zu Woche mitträgt. Als Junge aus dem Revier weiß ich, wie die Leute vor und nach dem Derby mit dem Spiel leben. Aber als Aktiver muss man dieses Spiel auch wieder schnell abhaken können.
bundesliga.de: Ihr allererstes Revierderby spielten Sie 1984/85 am 16. Spieltag in Dortmund und siegten mit 4:1. Bleibt dieses erste Derby immer in Erinnerung?
Anderbrügge: Das war mein erstes Jahr in Dortmund. So richtig kann ich mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern. Da gab es andere Spiele, die mehr hängen geblieben sind. Die Partie fand im alten Westfalenstadion statt, wo die Ecken noch offen waren. Das hatte auch was. Ich kann mich noch an das eine oder andere Derby im alten Westfalenstadion erinnern. Das war schon etwas Besonderes während meiner aktiven Zeit. Ich hatte auch das Glück, auf beiden Seiten spielen zu dürfen. Auch die Partien im Parkstadion waren immer toll.
bundesliga.de: Nach vier Jahren in Dortmund wechselten Sie 1988 ausgerechnet nach Schalke, spielten dort allerdings drei Jahre in der 2. Bundesliga. Warum haben Sie sich damals für den Schritt zum Rivalen und den Schritt eine Liga tiefer entschieden?
Anderbrügge: Ich hab ja 1988 den Wechsel vollziehen müssen. Im Winter 87/88 hatte ich mich am Meniskus verletzt. Damals war Klaus Gerster der Manager der Borussia und Reinhard Saftig war der Trainer. Spieler wie Michael Lusch, Günter Kutowski, Daniel Simmes oder Maurice Banach, der leider wenige Jahre später verunglückt ist, mussten den Verein wechseln. Es waren viele junge Spieler. Ich habe es damals nicht unbedingt verstanden - wie auch mehrere andere Spieler. Ich hätte zu Waldhof Mannheim oder auch nach Nürnberg gehen können. Zu diesem Zeitpunkt waren das auch zwei Vereine, die nicht immer erstligareif waren. Ich habe mich dann für Schalke entschieden. Mit 24 Jahren wollte ich auch nicht aus der Region weg. Schalke war dann auch damals schon ein Club, der um den Aufstieg mitgespielt hat. Gott sei Dank ist dies ja drei Jahre später auch gelungen. Ich konnte da Fuß fassen. Ich konnte mich beweisen und hab in der 2. Bundesliga gezeigt, dass ich das Zeug für die Bundesliga habe. Und ab 1991 habe ich ja dann auch noch ein paar Jahre Bundesliga gespielt (lacht).
bundesliga.de: Ihr erstes Bundesliga-Derby gegen den BVB spielten Sie am 5. Spieltag der Saison 1991/92 auf Schalke. Sie hatten auch gleich einen Einstand nach Maß. Welche Erinnerungen haben Sie an das Spiel?
Anderbrügge: Vorher hatte ich mit Schalke noch ein Pokalspiel gegen Dortmund bestritten (Achtelfinale DFB-Pokal 1988/89; Anm.d.Red.). Damals waren wir noch Zweitligist. Im Parkstadion haben wir gegen Dortmund mit 3:2 verloren. Ich hab in der 90. Minute das 3:2 per Elfmeter erzielt. Das war der erste Berührungspunkt mit Dortmund. Aber an das Duell 1991 kann ich mich auch sehr gut erinnern. Denn ich habe das Tor mit rechts geschossen. Das ging 5:2 für Schalke aus. Das war ein recht schönes Tor und heißes Spiel.
bundesliga.de: Unvergessen bleibt auch das Last-Minute-Tor vom damaligen Schalke-Keeper Jens Lehmann zum 2:2-Endstand in der 90. Minute am 20. Spieltag der Saison 1997/98. Sie wurden damals eingewechselt. Wie haben Sie das Tor erlebt?
Anderbrügge: Ich stand bei Eckbällen für uns immer außerhalb des Strafraums, um einen abgewehrten Ball zu schießen. Ich war auch nicht das Kopfballungeheuer, das im Strafraum was anbrennen lässt. Ich bin dann also raus aus dem Sechzehner und Jens stürmte nach vorne. Und als er das Ding gemacht hat, sind wir alle auf ihn drauf. Ich glaube Olaf Thon war der Erste. Mit der größten Sprungkraft sprang er ihm an den Hals und alle anderen dann drauf. Das war schon ein Hammer. Zudem war es auf der Seite, auf der die Schalker Fans waren. Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Man konnte es ja kaum glauben, dass da ein Torwart ein Tor erzielt. Und dann noch so ein wichtiges. Aber Jens hatte auch im Training immer ein gutes Gefühl fürs Timing. Als Torwart muss man das haben, aber nicht unbedingt mit dem Kopf. Da war er schon recht gut. Das war schon Wahnsinn.
bundesliga.de: Gab es denn noch ein anderes Derby, an das Sie besondere Erinnerungen haben?
Anderbrügge: Ja, Sie haben das Derby 1997 vergessen. Da bin ich spät eingewechselt worden und habe das entscheidende 1:0 erzielt (86. Minute am 3. Spieltag 97/98; Anm.d.Red.). Wenn man Offensivspieler ist und die Brisanz dieses Spiel kennt, dann ist das etwas Besonderes, wenn man so ein Spiel entscheidet. Mir ist das dann mal gelungen. Das bleibt hängen und man wird immer wieder mal drauf angesprochen. Wenn man dann mit Fans darüber spricht und sie ihre Erinnerungen an das Tor erzählen, dann geht es auch nicht darum, wie das Tor gefallen ist. Der Ball musste nur über die Linie.
bundesliga.de: Wie macht man Neuzugängen die Brisanz des Derbys klar?
Anderbrügge: Den Neuzugängen auf beiden Seiten sollte bewusst sein, was so ein Derby-Sieg bedeutet. Das sind zwar nur drei Punkte. Auch wir, Jungs, die aus dem Ruhrgebiet kamen - Martin Max, Mike Büskens und ich - mussten schnell umschalten. Zurück zur Tagesordnung kommen. Aber der Spieler der neu ist und aus dem Ausland kommt, der kann ja die Historie nicht kennen. Das würde mir ja ebenso gehen, wenn ich in einem anderen Land spielen würde. Die sollten schon intensiv Zeitung lesen und mal mit dem einen oder anderen Fan reden und nochmal Brötchen holen beim Bäcker. Einfach mal reinhorchen. Das ist schon spannend und motivierend. Und wenn man dann am Montag nochmal da hingeht und sagt, wir haben gewonnen, dann kommt man nicht mehr nach Hause. Alle wollen sie dann mit einem sprechen.
Das Gespräch führte Sebastian Stolz
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