Historie
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30.06.2009 15:03:29
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Schussfahrt in die 2. Bundesliga

Chancenlos waren Saarbrücken und Matthias Lust (re.) bei der 0:6-Auswärtspleite gegen den FC Bayern und Mehmet Scholl am 23. April 1993
Der 1. FC Saarbrücken gehörte 1963 zu den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga, stieg als Tabellenletzter aber gleich wieder ab. Es folgten gute und schlechte Fußball-Tage für den saarländischen Traditionsverein: 1992/93 spielte Saarbrücken seine fünfte und bis heute letzte Bundesliga-Saison.


Bis zum endgültigen Aufstieg 1992 hatte der 1. FCS lange an der Tür zur Bundesliga gekratzt. 1989 und 1990 scheiterte Saarbrücken jeweils denkbar knapp in den Relegationsspielen. Erst Trainer Peter Neururer erreichte das Ziel als Meister der 2. Bundesliga Süd.

Zahlreiche Neuzugänge folgten anschließend Neururers Ruf nach Saarbrücken. "Es waren sehr interessante Typen und sehr unterschiedliche Charaktere dabei", erinnert sich Thomas Stratos an die Neuen, zu denen der Mittelfeldspieler ebenfalls gehörte.

"Bunte Truppe"

Stratos kam nach längeren Transferverhandlungen vom Hamburger SV zur "bunten Truppe" der Saarbrücker. Von Spaniens Espanyol Barcelona hatte Neururer den Exzentriker Wolfram Wuttke geholt, der technisch starke Thomas Stickroth kehrte aus dem schottischen St. Mirren zurück in die Bundesliga.

Für die Abwehr wurde Stefan Beckenbauer, talentierter Sohn von Franz Beckenbauer, verpflichtet, und vorne stürmte der Amerikaner Eric Wynalda neben dem Russen Juri Sawitschew. "Peter Neururer hat es anfangs durch seine lockere Art sehr gut hinbekommen, die vielen verschiedenen und nicht immer einfachen Typen unter einen Hut zu bekommen", sagt Stratos.

Überzeugend gegen Bayern und BVB

Der Aufsteiger legte auch einen ordentlichen Start hin. Das 1:1 im ersten Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen ließ aufhorchen, am Ende der Hinrunde reichte es immerhin zu Platz 13. "Wir haben wirklich gute Spiele gezeigt. Beim 1:1 vor über 35.000 Zuschauern gegen die Bayern oder beim 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund", denkt Stratos zurück.

Für den heutigen Trainer des fünftklassigen NRW-Ligisten SC Wiedenbrück lief es dagegen weniger gut. Nach sieben Einsätzen stoppte ein Kreuzbandriss die Karriere von Stratos, der fast ein Jahr ausfallen sollte. Ohne Stratos startete Saarbrücken mit einem Heimsieg gegen Leverkusen in die Rückserie.

Schwarze Serien

Dass das 3:1 am 20. Februar 1993 der bis heute letzte Bundesliga-Sieg bleiben sollte, hätte in Saarbrücken damals wohl nicht mal der größte Pessimist befürchtet. Doch es ging fortan erst langsam und dann ungebremst im freien Fall in Richtung Abstiegszone - mit nahezu unheimlichen Serien.

Sieben Mal in Folge trennte sich Saarbrücken ab dem 19. Spieltag unentschieden und verlor ab dem 26. Spieltag alle restlichen neun Partien. Zwischen den Spieltagen 24 und 32 schoss der 1. FC Saarbrücken kein einziges Tor! "Einige haben damals zu früh angefangen, den Klassenerhalt zu feiern", meint Stratos 26 Jahre später vielsagend.

Der Abstieg war nach diesen schlimmen Serien natürlich nicht zu verhindern, als Tabellen-Achtzehnter beendeten die Saarländer ihre vorerst letzte Bundesliga-Saison. Thomas Stratos blieb noch ein weiteres Jahr bei Saarbrücken in der 2. Bundesliga, bevor er später in sechs Jahren bei Arminia Bielefeld die beste Zeit seiner Karriere erlebte. Seine aktive Laufbahn endete 2002 in der 2. Bundesliga: beim 1. FC Saarbrücken.

Stefan Kusche

Hier finden Sie weitere Rückblicke zu den Spielzeiten der 1990er Jahre:

Tabelle und Spieltage der Saison 1992/93

Die Geschichte des 1. FC Saarbrücken

1992/93: "Ausländer rein!" zu Beginn der 30. Saison

Die 1990er Jahre: TV-Boom, Einheit und Dortmunder Dominanz

Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick