Historie
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21.05.2009 11:49:51
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Meisterfeier mit 500.000 Gästen

"Die Schale gehört uns!" Martin Kree (3.v.r.) feiert am 17. Juni 1995 mit seinen Mannschaftskollegen im Westfalenstadion die Deutsche Meisterschaft
Werder Bremen oder Borussia Dortmund. Nur diese zwei Mannschaften standen seit dem ersten Spieltag der Saison 1994/95 in munterem Wechsel an der Tabellenspitze und machten die Entscheidung um die Deutsche Meisterschaft allein unter sich aus.


Es war die letzte Spielzeit mit der Zwei-Punkte-Regel, und der SV Werder fuhr mit dem hauchdünnen Vorsprung eines einzigen Punktes auf den BVB zum finalen Saisonspiel. Erst am 29. Spieltag hatte Bremen die Dortmunder wieder überflügelt, nachdem die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel das direkte Duell gegen Ottmar Hitzfelds Borussen 3:1 gewonnen hatte.

"In den letzten Saisonspielen ist dann vieles gut für uns gelaufen. Obwohl wir unglaubliches Verletzungspech hatten. Unsere Stürmer Stephane Chapuisat und Karlheinz Riedle fielen in der Endphase mit Kreuzbandrissen aus, wir hatten vorne eigentlich nur noch die beiden A-Jugendlichen Lars Ricken und Ibrahim Tanko", erzählt Martin Kree.

Imponierender Julio Cesar

Der Abwehrspieler mit dem legendär harten Linksschuss war vor der Saison von Bayer Leverkusen zum BVB gewechselt. Wie auch Andreas Möller und Julio Cesar, die einen bis dato schon gut besetzten Dortmunder Kader um Matthias Sammer und Stefan Reuter erheblich verstärkten.

"Julio Cesar war vielleicht der imponierendste Spieler, dem ich in meiner langen Karriere begegnet bin. Dabei war ich anfangs nicht so begeistert. Denn als ich verpflichtet wurde, sagte mir der Verein, dass ich definitiv als letzter Abwehrspieler geholt würde. Und zwei Tage später kam Julio Cesar als neuer Abwehrchef", erinnert sich Kree.

Schalke hilft Dortmund

Auf dem Zahnfleisch kämpfte sich der dezimierte BVB durch die letzten Spieltage und nahm auch gerne die Schützenhilfe des ungeliebten Nachbarn aus Gelsenkirchen an: Der FC Schalke stoppte Werders möglichen Alleingang an der Spitze am 32. Spieltag durch einen 4:2-Heimsieg gegen Bremen.

Und auch am vorletzten Spieltag schien alles für den BVB verloren. 0:2 lagen die Dortmunder schon beim MSV Duisburg zurück, ehe Michael Zorc und Stefan Reuter die Partie bogen. "Dieser 3:2-Sieg war für uns der absolute Knackpunkt. Danach haben wir wieder absolut an uns geglaubt und waren sicher, dass wir es packen", meint Kree.

Unglaubliche Geräuschkulisse

Dazu brauchte es aber erneute Schützenhilfe, die diesmal der FC Bayern leisten sollte – der letzte Gegner des SV Werder. "Wir waren uns sicher, dass die Bayern den Bremern den Titel nicht unbedingt gönnen würden, die beiden Vereine waren nicht gerade befreundet. Und wir waren ja als großer Gegner der Bayern noch nicht existent, das kam erst in den folgenden Jahren", so Kree, der mit dem BVB zum Abschluss den Hamburger SV im Westfalenstadion empfing.

Noch heute spüre Kree eine Gänsehaut, wenn er an die Nachmittagsstunden des 17. Juni 1995 zurückdenkt. "Das Westfalenstadion war damals nur etwa halb so groß wie heute. Aber es herrschte eine Geräuschkulisse, das war mit nichts zu vergleichen. Diese fußballverrückte Stadt war über 30 Jahre nicht mehr Deutscher Meister geworden und die Stimmung war unvergleichbar."

"Dauernd auf die Anzeigetafel geschaut"

Mit seinem 14. Saisontor schoss Andreas Möller den BVB früh nach acht Minuten in Führung, Lars Ricken legte das 2:0 (28.). Die Borussen hatten ihren Teil der Aufgabe erfüllt, jetzt hätte Bremen in München schon gewinnen müssen, um Deutscher Meister zu werden.

Doch die Bayern führen zur Pause mit 2:1, Werder stemmt sich vergeblich gegen die Niederlage, die Alexander Zickler mit dem 3:1 in der Schlussphase besiegelt. "Bei uns wurden die Ergebnisse immer eingeblendet und es war so laut, dass wir Spieler auch dauernd auf die Anzeigetafel geschaut haben. Uns war allen schon während des Spiels klar, dass wir es geschafft haben", sagt Kree.

500.000 Menschen in Dortmund

Nach dem Abpfiff brechen alle Dämme, die Tore im Westfalenstadion werden geöffnet und zigtausende Fans wollen mit ihren Helden feiern. "Ich sehe noch heute vor mir, wie Kalle Riedle, der gerade operiert war und auf Krücken lief, sich vor dem Ansturm in Sicherheit bringen wollte. Er warf die Krücken weg und fiel über die Bande, zum Glück ist das Kreuzband heil geblieben", schmunzelt Kree.

Dortmund erlebt zwei Tage im Juni, die allen Beteiligten unvergessen bleiben. Mehr als 500.000 Menschen jubeln der Meister-Mannschaft am Sonntag in der Stadt zu. Kree: "Wir fuhren auf LKWs und alles war so emotional und auch nicht immer ungefährlich. Aber wir haben danach ja jedes Jahr gefeiert, die nächste Meisterschaft und die Champions League, und da haben die Ordner an der Wegstrecke schon Routine gehabt."

Stefan Kusche

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