Historie
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14.05.2009 10:04:01
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Stuttgarts langer Atem
Stürmer Fritz Walter (li.) schoss in Stuttgart Meistersaison 22 Tore, Mittelfeldspieler Maurizio Gaudino gelangen acht Treffer für den VfB
Nach Abpfiff des 34. Spieltags der Saison 1991/92 stand Eintracht Frankfurt an der Tabellenspitze und war doch nicht Deutscher Meister. Denn im Zuge der deutschen Wiedervereinigung und der Aufnahme der beiden besten Clubs der letzten DDR-Meisterschaft 1990/91, Hansa Rostock und Dynamo Dresden, war die Bundesliga auf 20 Mannschaften aufgestockt worden.
Nach 38 Spieltagen musste folglich die Entscheidung im Titelkampf fallen, und die Saison mit Überlänge sah vor dem letzten Anpfiff gleich drei Vereine punktgleich mit 50:24 Zählern an der Spitze: Frankfurt führte vor dem VfB Stuttgart und Borussia Dortmund. Um sieben Tore stand die Eintracht besser als der VfB, sogar um 18 besser als der BVB - ein Sieg in Rostock hätte Frankfurt zum Deutschen Meister gemacht.
Vom "Fußball 2000" schwärmten viele angesichts der Frankfurter Spielkunst der Saison 19991/92. Vor Torhüter Uli Stein glänzten Manfred Binz, Uwe Bein, Andreas Möller oder Anthony Yeboah mit tollem Kombinationsfußball. "Von den drei Mannschaften war unser Kader sicher am schwächsten besetzt. Aber das haben wir durch unseren starken Teamgeist aufgefangen", sagt Maurizio Gaudino, der damals das Trikot des VfB Stuttgart trug, gegenüber bundesliga.de.
VfB am Rande einer Niederlage
Der VfB muss am letzten Spieltag beim Tabellen-Sechsten Bayer Leverkusen ran, Dortmund trifft ebenfalls auswärts auf den abstiegsbedrohten MSV Duisburg. Der BVB erhöht durch sein schnelles Führungstor - Stephane Chapuisats 1:0 nach neun Minuten bedeutet auch den Endstand - den Druck auf die beiden anderen und liegt zur Pause vorne. In Rostock steht es 0:0, in Leverkusen hat Stuttgart kurz vor dem Pausenpfiff zum 1:1 ausgeglichen.
"Unser Trainer Christoph Daum hatte uns schon in den Wochen davor gesagt, dass jetzt jedes Spiel ein Finale für uns ist. Leverkusen wäre unser letztes Finale und das sollten wir uns nicht kaputt machen lassen", erinnert sich Gaudino.
Im "letzten Finale" steht der VfB aber am Rande einer Niederlage.
Sammer sieht Rot
Unglaublich, wie Verteidiger Günther Schäfer mit einem Fallrückzieher auf der eigenen Torlinie das 1:2 verhindert. "Das war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Der Ball war nach einem Heber von Andreas Thom knapp unterhalb der Latte, kein Mensch weiß, wie das geklappt hat", denkt Gaudino an die artistische Rettungsaktion zurück.
Als Mittelfeld-Motor Matthias Sammer nach 79 Minuten auch noch die Rote Karte sieht, scheint alles für den VfB gelaufen. "Wir haben dann eine Trotzreaktion gezeigt: Jetzt erst recht, wir gewinnen für Matthias", sagt Gaudino, der die letzten neun Minuten nach seiner Auswechslung am Spielfeldrand erlebt - neben dem Monitor einer Fernsehkamera, über die auch die Bilder aus Rostock flimmern.
Kein Elfmeter für Frankfurt
Dort läuft es überhaupt nicht für ein saft- und kraftloses Frankfurt. "Das war nicht die Eintracht der letzten Wochen", wird Andreas Möller später sagen, "ich hatte keine Energie", so Manfred Binz. Eintracht-Stürmer Axel Kruse kann aber Mitte der zweiten Hälfte den 0:1-Rückstand ausgleichen.
Ein Foul im Rostocker Strafraum, das nicht geahndet wird, bricht der Eintracht endgültig das Genick. In der Nachspielzeit fällt sogar das 1:2. Unvergessen der Wutausbruch von Ralf Weber, bei dem eine teure TV-Kamera in die Brüche geht. Eintracht-Trainer Dragoslav Stepanovic verarbeitet den Schock am schnellsten. Sein Spruch "Lebbe geht weida" wird Kult in der Fußball-Szene.
Buchwald köpft Stuttgart zum Meister
In Leverkusen ticken die letzten Minuten herunter, als Ludwig "Wiggerl" Kögl nochmals hoch in den Bayer-Strafraum flankt. Weltmeister Guido Buchwald steigt am höchsten und nickt in der 86. Minute zum 2:1 ein: die Entscheidung, der Sieg, die Deutsche Meisterschaft.
"Kurz vor dem Ende laufen unsere Fans schon aufs Spielfeld und wollen feiern. Ich sehe noch, wie Guido Buchwald sie zurückhalten will, ich hatte Angst, dass das Spiel abgebrochen wird. Aber dann war Schluss, wir sind rumgetobt und alle aufeinander gesprungen, das war unbegreiflich", erinnert sich Gaudino.
"Nichts war geplant
Der VfB Stuttgart wird von dem Titel derart überrascht, dass alle Feiern improvisiert werden müssen. Eine Meisterfeier hatte der VfB erst gar nicht geplant. "Ich habe sogar die Übergabe der Meisterschale auf der Haupttribüne verpasst, weil ich noch mit den Fans gefeiert habe. Erst in der Kabine habe ich die Schale in den Händen gehalten. Das Schöne damals war, dass alles spontan ablief und nichts geplant war ", berichtet Gaudino.
Nach einer langen Nacht in Stuttgart seien einige Spieler sogar direkt am nächsten Morgen zum Neckarstadion gekommen, wo die Meisterfeier stattfand, der Autocorso startete und die Meisterfotos geschossen wurden. "Es waren zwar alle da. Aber wie wir aussahen…", kann sich Gaudino an viele kleine Augen seiner Mitspieler erinnern.
Lob für Daum
Für Gaudino, der alle 38 Spiele für den VfB absolvierte, war es die vielleicht stärkste Saison seiner Karriere. Großen Anteil schreibt der fünfmalige Nationalspieler seinem damaligen Trainer Christoph Daum zu: "Er hat immer wieder Zusatztraining mit mir gemacht, er hat jeden unheimlich motiviert und mental stark gemacht. Das war einfach sensationell."
Stefan Kusche
Hier finden Sie weitere Geschichten zum Thema:
Tabelle und Spieltage der Saison 1991/92
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1991/92: Eintracht scheitert am letzten Spieltag
1991/92: Eine deutsche Einheit in Rostock
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Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick
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Der VfB muss am letzten Spieltag beim Tabellen-Sechsten Bayer Leverkusen ran, Dortmund trifft ebenfalls auswärts auf den abstiegsbedrohten MSV Duisburg. Der BVB erhöht durch sein schnelles Führungstor - Stephane Chapuisats 1:0 nach neun Minuten bedeutet auch den Endstand - den Druck auf die beiden anderen und liegt zur Pause vorne. In Rostock steht es 0:0, in Leverkusen hat Stuttgart kurz vor dem Pausenpfiff zum 1:1 ausgeglichen.
"Unser Trainer Christoph Daum hatte uns schon in den Wochen davor gesagt, dass jetzt jedes Spiel ein Finale für uns ist. Leverkusen wäre unser letztes Finale und das sollten wir uns nicht kaputt machen lassen", erinnert sich Gaudino.
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Sammer sieht Rot
Unglaublich, wie Verteidiger Günther Schäfer mit einem Fallrückzieher auf der eigenen Torlinie das 1:2 verhindert. "Das war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Der Ball war nach einem Heber von Andreas Thom knapp unterhalb der Latte, kein Mensch weiß, wie das geklappt hat", denkt Gaudino an die artistische Rettungsaktion zurück.
Als Mittelfeld-Motor Matthias Sammer nach 79 Minuten auch noch die Rote Karte sieht, scheint alles für den VfB gelaufen. "Wir haben dann eine Trotzreaktion gezeigt: Jetzt erst recht, wir gewinnen für Matthias", sagt Gaudino, der die letzten neun Minuten nach seiner Auswechslung am Spielfeldrand erlebt - neben dem Monitor einer Fernsehkamera, über die auch die Bilder aus Rostock flimmern.
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Dort läuft es überhaupt nicht für ein saft- und kraftloses Frankfurt. "Das war nicht die Eintracht der letzten Wochen", wird Andreas Möller später sagen, "ich hatte keine Energie", so Manfred Binz. Eintracht-Stürmer Axel Kruse kann aber Mitte der zweiten Hälfte den 0:1-Rückstand ausgleichen.
Ein Foul im Rostocker Strafraum, das nicht geahndet wird, bricht der Eintracht endgültig das Genick. In der Nachspielzeit fällt sogar das 1:2. Unvergessen der Wutausbruch von Ralf Weber, bei dem eine teure TV-Kamera in die Brüche geht. Eintracht-Trainer Dragoslav Stepanovic verarbeitet den Schock am schnellsten. Sein Spruch "Lebbe geht weida" wird Kult in der Fußball-Szene.
Buchwald köpft Stuttgart zum Meister
In Leverkusen ticken die letzten Minuten herunter, als Ludwig "Wiggerl" Kögl nochmals hoch in den Bayer-Strafraum flankt. Weltmeister Guido Buchwald steigt am höchsten und nickt in der 86. Minute zum 2:1 ein: die Entscheidung, der Sieg, die Deutsche Meisterschaft.
"Kurz vor dem Ende laufen unsere Fans schon aufs Spielfeld und wollen feiern. Ich sehe noch, wie Guido Buchwald sie zurückhalten will, ich hatte Angst, dass das Spiel abgebrochen wird. Aber dann war Schluss, wir sind rumgetobt und alle aufeinander gesprungen, das war unbegreiflich", erinnert sich Gaudino.
"Nichts war geplant
Der VfB Stuttgart wird von dem Titel derart überrascht, dass alle Feiern improvisiert werden müssen. Eine Meisterfeier hatte der VfB erst gar nicht geplant. "Ich habe sogar die Übergabe der Meisterschale auf der Haupttribüne verpasst, weil ich noch mit den Fans gefeiert habe. Erst in der Kabine habe ich die Schale in den Händen gehalten. Das Schöne damals war, dass alles spontan ablief und nichts geplant war ", berichtet Gaudino.
Nach einer langen Nacht in Stuttgart seien einige Spieler sogar direkt am nächsten Morgen zum Neckarstadion gekommen, wo die Meisterfeier stattfand, der Autocorso startete und die Meisterfotos geschossen wurden. "Es waren zwar alle da. Aber wie wir aussahen…", kann sich Gaudino an viele kleine Augen seiner Mitspieler erinnern.
Lob für Daum
Für Gaudino, der alle 38 Spiele für den VfB absolvierte, war es die vielleicht stärkste Saison seiner Karriere. Großen Anteil schreibt der fünfmalige Nationalspieler seinem damaligen Trainer Christoph Daum zu: "Er hat immer wieder Zusatztraining mit mir gemacht, er hat jeden unheimlich motiviert und mental stark gemacht. Das war einfach sensationell."
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