Historie
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16.04.2009 18:48:09
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"Schöner als der Aufstieg"
Ralf Kohl (h., mit Stephane Chapuisat) sicherte mit Freiburg im Schlussspurt den Klassererhalt
Es war der späte Freitagabend des 15. Aprils 1994, an dem Geschichte der späteren Breisgau-Brasilianer beinahe zu Ende gewesen wäre, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Der Sportclub Freiburg hatte sein Heimspiel gegen Dynamo Dresden 0:1 verloren, und der Bundesliga-Neuling fiel am 31. Spieltag praktisch hoffnungslos im Abstiegskampf zurück.
Vier Punkte betrug der Rückstand des Drittletzten Freiburg auf den um einen Rang besser gestellten 1. FC Nürnberg – ein gewaltiger Abstand angesichts der seinerzeit gültigen Zwei-Punkte-Regel. "Uns war im Grunde klar, dass wir abgestiegen sind. Wir hatten vielleicht noch eine kleine reelle Restchance von einem Prozent", blickt Ralf Kohl auf die entscheidenden Wochen der Saison 1993/94 zurück.
"Das war der Knackpunkt"
Der damalige Mittelfeld-Motor der Freiburger erinnert sich aber auch, dass die hoffnungslose Lage wie ein Befreiungsschlag auf die Mannschaft gewirkt habe. "Wir hatten auf einmal nichts mehr zu verlieren, der Druck war nicht mehr da. Und so kam die Spielfreude und Unbekümmertheit zurück und wir gewannen das nächste Spiel 4:0 beim VfB Stuttgart."
Unter großer Mithilfe von Kohl, der zwei seiner drei Saisontore in dieser Partie erzielte: das erste und letzte, die beiden anderen Treffer erzielte Rodolfo Cardoso. "Wir hatten vor dem Spiel große Personalsorgen. Ich sollte eigentlich auch nicht spielen und bin erst kurz vor Anpfiff in die Mannschaft gerutscht. Im Stadion waren bestimmt 20.000 Freiburg-Fans, die uns unterstützt haben. Dieses Spiel war für uns dann auch ausschlaggebend, das war der Knackpunkt", denkt Kohl.
Der 1. FC Nürnberg verlor am 32. Spieltag zwar 1:2 beim FC Bayern. Doch musste das Duell wegen des "Phantom-Tores" von Thomas Helmer in der Woche vor dem letzten Spieltag wiederholt werden. Am vorletzten Spieltag drohte Freiburg und seinem Trainer Volker Finke das vorzeitige Bundesliga-Aus. Während Nürnberg sein Heimspiel sicher mit 4:1 gegen Wattenscheid nach Hause brachte, mühte sich der Sportclub verzweifelt gegen den bereits als Absteiger feststehenden VfB Leipzig.
Cardoso erlöst den Sportclub
"Das war ein richtiges Zitterspiel. Leipzig war total motiviert und hatte einige Riesen-Konterchancen. Unser Torhüter Jörg Schmadtke hat ein paar Mal super gehalten. Erst kurz vor Schluss haben wir das 1:0 durch Cardoso gemacht", erinnert sich Kohl, der in den Folgejahren als unermüdlicher Kämpfertyp zu den absoluten Freiburger Publikumslieblingen gehören sollte.
Das Wiederholungsspiel zwischen den Bayern und Nürnberg ging klar mit 5:0 an die Münchner, so dass Freiburg mit zwei Punkten Rückstand auf den FCN - aber besserem Torverhältnis - zum MSV Duisburg reiste. Den 1. FC Nürnberg führte es am 34. Spieltag zu Borussia Dortmund, das die Punkte im Kampf um die UEFA-Pokal-Qualifikation brauchte.
"Schöner und größer als die Aufstiegsfeier"
"Wir wussten, dass Dortmund gewinnen musste und haben auch daran geglaubt. Wir waren natürlich auch immer über die Zwischenstände informiert", sagt Kohl, der mit dem Sportclub schließlich 2:0 in Duisburg siegte, während Nürnberg 1:4 beim BVB unterging. Der Schlussspurt mit drei Siegen aus den letzten drei Spielen rettete den Sportclub, der seine erste Bundesligasaison als Fünfzehnter abschloss – punktgleich mit Absteiger Nürnberg.
"Die Nicht-Abstiegsfeier war noch schöner und größer als die Aufstiegsfeier im Jahr davor. Es hatte ja keiner mehr damit gerechnet, dass wir drinbleiben. Die Rückfahrt aus Duisburg, wo bestimmt 15.000 Fans aus Freiburg waren, bleibt unvergesslich, in Freiburg war die ganze Innenstadt zu. Wir haben eigentlich immer guten Fußball gespielt, uns fehlte aber noch die Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit im ersten Bundesligajahr", so Kohl, der seinen Spitznamen "Kanzler" seinem damaligen Mitspieler Martin Braun verdankte.
In der folgenden Saison marschierte Freiburg sensationell bis auf den 3. Tabellenplatz und erreichte den UEFA-Pokal. Nach vier Jahren Bundesliga stieg Freiburg am Ende der Saison 1996/97 erstmals ab in die 2. Bundesliga.
Stefan Kusche
Hier finden Sie weitere Hintergründe zum Thema:
Abstiegskrimis Teil1: Nürnbergs Albtraum
Abstiegskrimis Teil2: "Totenstill im Stadion"
1993/94: Das "Phantom-Tor"
Die 1990er Jahre: TV-Boom, Einheit und Dortmunder Dominanz
Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick
"Das war der Knackpunkt"
Der damalige Mittelfeld-Motor der Freiburger erinnert sich aber auch, dass die hoffnungslose Lage wie ein Befreiungsschlag auf die Mannschaft gewirkt habe. "Wir hatten auf einmal nichts mehr zu verlieren, der Druck war nicht mehr da. Und so kam die Spielfreude und Unbekümmertheit zurück und wir gewannen das nächste Spiel 4:0 beim VfB Stuttgart."
Unter großer Mithilfe von Kohl, der zwei seiner drei Saisontore in dieser Partie erzielte: das erste und letzte, die beiden anderen Treffer erzielte Rodolfo Cardoso. "Wir hatten vor dem Spiel große Personalsorgen. Ich sollte eigentlich auch nicht spielen und bin erst kurz vor Anpfiff in die Mannschaft gerutscht. Im Stadion waren bestimmt 20.000 Freiburg-Fans, die uns unterstützt haben. Dieses Spiel war für uns dann auch ausschlaggebend, das war der Knackpunkt", denkt Kohl.
Der 1. FC Nürnberg verlor am 32. Spieltag zwar 1:2 beim FC Bayern. Doch musste das Duell wegen des "Phantom-Tores" von Thomas Helmer in der Woche vor dem letzten Spieltag wiederholt werden. Am vorletzten Spieltag drohte Freiburg und seinem Trainer Volker Finke das vorzeitige Bundesliga-Aus. Während Nürnberg sein Heimspiel sicher mit 4:1 gegen Wattenscheid nach Hause brachte, mühte sich der Sportclub verzweifelt gegen den bereits als Absteiger feststehenden VfB Leipzig.
Cardoso erlöst den Sportclub
"Das war ein richtiges Zitterspiel. Leipzig war total motiviert und hatte einige Riesen-Konterchancen. Unser Torhüter Jörg Schmadtke hat ein paar Mal super gehalten. Erst kurz vor Schluss haben wir das 1:0 durch Cardoso gemacht", erinnert sich Kohl, der in den Folgejahren als unermüdlicher Kämpfertyp zu den absoluten Freiburger Publikumslieblingen gehören sollte.
Das Wiederholungsspiel zwischen den Bayern und Nürnberg ging klar mit 5:0 an die Münchner, so dass Freiburg mit zwei Punkten Rückstand auf den FCN - aber besserem Torverhältnis - zum MSV Duisburg reiste. Den 1. FC Nürnberg führte es am 34. Spieltag zu Borussia Dortmund, das die Punkte im Kampf um die UEFA-Pokal-Qualifikation brauchte.
"Schöner und größer als die Aufstiegsfeier"
"Wir wussten, dass Dortmund gewinnen musste und haben auch daran geglaubt. Wir waren natürlich auch immer über die Zwischenstände informiert", sagt Kohl, der mit dem Sportclub schließlich 2:0 in Duisburg siegte, während Nürnberg 1:4 beim BVB unterging. Der Schlussspurt mit drei Siegen aus den letzten drei Spielen rettete den Sportclub, der seine erste Bundesligasaison als Fünfzehnter abschloss – punktgleich mit Absteiger Nürnberg.
"Die Nicht-Abstiegsfeier war noch schöner und größer als die Aufstiegsfeier im Jahr davor. Es hatte ja keiner mehr damit gerechnet, dass wir drinbleiben. Die Rückfahrt aus Duisburg, wo bestimmt 15.000 Fans aus Freiburg waren, bleibt unvergesslich, in Freiburg war die ganze Innenstadt zu. Wir haben eigentlich immer guten Fußball gespielt, uns fehlte aber noch die Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit im ersten Bundesligajahr", so Kohl, der seinen Spitznamen "Kanzler" seinem damaligen Mitspieler Martin Braun verdankte.
In der folgenden Saison marschierte Freiburg sensationell bis auf den 3. Tabellenplatz und erreichte den UEFA-Pokal. Nach vier Jahren Bundesliga stieg Freiburg am Ende der Saison 1996/97 erstmals ab in die 2. Bundesliga.
Stefan Kusche
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