Historie
Historie
|
03.03.2009 14:33:56
Weiterempfehlen
Drucken
schliessen x
Name des Absenders
E-Mail Adresse
Name des Empfängers
E-Mail Adresse
DDR-Oberliga: Zwischen Ideologie und Propaganda
Das berühmteste Tor des DDR-Fußballs: Jürgen Sparwasser (2.v.l.) erzielt das 1:0 im WM-Spiel gegen die BRD in Hamburg
Fußball in der DDR ist ein spannendes Stück deutsche Zeitgeschichte. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden in Westdeutschland bereits die ersten Strukturen eines Fußballbetriebs.
Die anfängliche Skepsis der Besatzungsmächte gegenüber der Neugründung der Sportvereine - nach einem Beschluss der Alliierten als Teil des Potsdamer Abkommens wurden alle Sportvereine als Unterorganisationen der NSDAP verboten - löste sich bald in Wohlgefallen auf. So stand der Organisation einer bundesweiten Meisterschaft nicht mehr viel im Weg.
Die Anfänge
Während in der BRD spätestens mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 der Fußball als Massenphänomen etabliert war und seinen festen Platz im kulturellen Gedächtnis einer ganzen Nation gefunden hatte, kam der Breitensport in der DDR schleppender in Fahrt. Den Machthabern der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) waren die bürgerlichen Vereine ein Dorn im Auge, galten sie doch als Ausdruck der Bourgeoisie und Keimzelle der Konterrevolution. Bemühungen, die teilweise hundertjährigen Traditionen der Vereine wieder aufleben zu lassen, wurden im Keim erstickt. Trotz allem veranstaltete der neu gegründete "Deutsche Sportausschuss" 1948 die erste so genannte "Ostzonen-Meisterschaft", die im K.o.-System ausgetragen wurde. Ihr folgte 1949 die DDR-Oberliga, der erste landesweite Ligabetrieb der DDR.
Der Widerstand der politischen Führung gegen die Belebung der traditionellen bürgerlichen Vereine führte zu einer vollständig neuen Gliederung der Teams. Weder Geschichte noch regionale Zusammenhänge wurden bei der Neugründung berücksichtigt. Ganz im Sinne einer planwirtschaftlichen Ideologie wurden die Teams aus so genannten Betriebssportgruppen (BSG) einzelner Produktionssektoren rekrutiert und umbenannt. Die neuen Namen sollten Modernität und Zusammenhalt symbolisieren. Die BSG der Wasserindustrie hieß Turbine, die der Textilindustrie Fortschritt, usw. Für den Unterhalt der Teams war der jeweilige industrielle Sektor verantwortlich.
Fußball zwischen Ideologie und Propaganda
DDR-Fußball, das ist natürlich auch politische Vereinnahmung und Propaganda gewesen. Dem Gesetz der Gleichheit verschrieben, delegierten die Verantwortlichen den Umzug ganzer Vereine in strukturschwächere Zonen. Für die Mannschaften Ostberlins beispielsweise war grundsätzlich ein Platz in der Oberliga reserviert, wenn es dann doch sportlich nicht reichte, wurde die Liga eben aufgestockt oder ein erfolgreiches Team kurzerhand nach Berlin verpflanzt. Vereinsumbenennungen waren an der Tagesordnung. Der später als 1. FC Lokomotive Leipzig bekannte Club trug beispielsweise bis 1966 fünf verschiedene Namen.
Sparwasser schockt die BRD
Erst ab den 1970er Jahren kehrte mehr Normalität in den Spielbetrieb. Der Fußballsport konsolidierte sich und das führte zu Erfolgen auch auf europäischer Ebene. 1974 gewann der 1. FC Magdeburg mit Jürgen Sparwasser den Europapokal der Pokalsieger. Und eben dieser Sparwasser war es, der im gleichen Jahr mit seinem Siegtor im deutsch-deutschen Duell die ganze Bundesrepublik in einen Schockzustand versetzte.
Kollaboration oder Republikflucht?
Auch Bespitzelung, Propaganda und Manipulation gehörten zum DDR-Fußball. Spätestens mit der Teilnahme am Europäischen Wettbewerb standen die ins westliche Ausland reisenden Sportler unter Generalverdacht. Wenn sie nicht als potentielle Kollaborateure galten, wurden sie der versuchten Republikflucht verdächtigt. So standen nicht nur etliche Profis auf den Gehaltslisten der Stasi (Staatssicherheit), Auswärtsspiele wurden zudem von ganzen Delegationen von Spitzeln begleitet. Bei einem Spiel der BSG Eisenhüttenstadt in der Schweiz sollen neben 16 Spielern, drei Trainern und fünf weiteren Betreuern ganze acht Stasi-Spitzel dabei gewesen sein.
Mielke, Manipulation und der Fall BFC Dynamo
Redet man über den Missbrauch des Fußballs für propagandistische Zwecke oder die Manipulationen von Spielergebnissen, kommt man an einem Club nicht vorbei: Die SG Dynamo, die in Fusion zusammengeschlossene Betriebssportgruppe des Geheimdienstes, der Staatsicherheit und der Volkspolizei. Die erfolgreichsten Vereine der DDR-Historie, Dynamo Dresden und BFC (Berliner Fußball Club) Dynamo gehörten der Dachorganisation an. Vorsitzender des BFC Dynamo war der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke. Dessen Strategie bestand darin, den Ruf der Geheimdienste, vor allem der Stasi, durch Erfolg im beliebtesten Zuschauersport der DDR zu verbessern. In diesem Sinne wurden Talente gesichtet und beinahe alle guten Spieler an einen der Dynamo-Clubs transferiert.
Sich auf den sportlichen Wettkampf verlassen wollten die Staatslenker indes nicht. Schiedsrichter galten als besonders wohlwollend im Umgang mit den Dynamo-Teams, bei Spielen des umstrittenen Rekordmeisters BFC Dynamo kam es immer wieder zu Ausschreitungen. Die regelmäßigen Titel der Berliner wurden von außerhalb mit Häme und Spott kommentiert.
Mielke erreichte damit das exakte Gegenteil von dem, was er sich erhoffte. Mehr noch, das Interesse am Fußball nahm aufgrund der offensichtlichen Manipulation stetig ab. Die Zuschauerzahlen schrumpften, so dass in den 1980er Jahren bei Spielen der Nationalmannschaft stellenweise nicht mehr als 2.000 Zuschauer anwesend waren.
Der Osten in der Bundesliga
Das Ende des DDR-Fußballs kam mit der Wiedervereinigung. Sportlich überlebt haben am Ende nicht die Altmeister, sondern die "Underdogs" und grauen Mäuse der Liga. Hansa Rostock und der FC Energie Cottbus sind heute die erfolgreichsten Teams aus den neuen Bundesländern. Die staatlich geförderten Teams von einst spielen heute im bezahlten Fußball keine Rolle mehr.
Hansa gewann die letzte Meisterschaft im DDR-Fußball, die nach der im Saisonverlauf vollzogenen Auflösung des Deutschen Fußballverbandes der DDR (DFV) unter dem Titel NOFV-Meisterschaft stattfand. Zugleich waren die Hansestädter gemeinsam mit Dynamo Dresden die ersten beiden Ost-Vereine in der Bundesliga. Später spielte auch noch der VfB Leipzig (1. FC Lokomotive Leipzig) eine Saison in der Bundesliga (1993/94).
Daniel Dillmann
Hier finden Sie weitere Meldungen zum Thema:
Die 1990er Jahre: TV-Boom, Einheit und Dortmunder Dominanz
1990/91: Letzte DDR-Saison "ein geiles Highlight"
Schlünz: "Wir galten als der klassische Zweite"
Die Geschichte des F.C. Hansa Rostock
Die Geschichte des FC Energie Cottbus
Die Geschichte der SG Dynamo Dresden
Die Geschichte des VfB Leipzig (1. FC Lokomotive Leipzig)
Die Geschichte der Bundesliga
Die Anfänge
Während in der BRD spätestens mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1954 der Fußball als Massenphänomen etabliert war und seinen festen Platz im kulturellen Gedächtnis einer ganzen Nation gefunden hatte, kam der Breitensport in der DDR schleppender in Fahrt. Den Machthabern der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) waren die bürgerlichen Vereine ein Dorn im Auge, galten sie doch als Ausdruck der Bourgeoisie und Keimzelle der Konterrevolution. Bemühungen, die teilweise hundertjährigen Traditionen der Vereine wieder aufleben zu lassen, wurden im Keim erstickt. Trotz allem veranstaltete der neu gegründete "Deutsche Sportausschuss" 1948 die erste so genannte "Ostzonen-Meisterschaft", die im K.o.-System ausgetragen wurde. Ihr folgte 1949 die DDR-Oberliga, der erste landesweite Ligabetrieb der DDR.
Der Widerstand der politischen Führung gegen die Belebung der traditionellen bürgerlichen Vereine führte zu einer vollständig neuen Gliederung der Teams. Weder Geschichte noch regionale Zusammenhänge wurden bei der Neugründung berücksichtigt. Ganz im Sinne einer planwirtschaftlichen Ideologie wurden die Teams aus so genannten Betriebssportgruppen (BSG) einzelner Produktionssektoren rekrutiert und umbenannt. Die neuen Namen sollten Modernität und Zusammenhalt symbolisieren. Die BSG der Wasserindustrie hieß Turbine, die der Textilindustrie Fortschritt, usw. Für den Unterhalt der Teams war der jeweilige industrielle Sektor verantwortlich.
Fußball zwischen Ideologie und Propaganda
DDR-Fußball, das ist natürlich auch politische Vereinnahmung und Propaganda gewesen. Dem Gesetz der Gleichheit verschrieben, delegierten die Verantwortlichen den Umzug ganzer Vereine in strukturschwächere Zonen. Für die Mannschaften Ostberlins beispielsweise war grundsätzlich ein Platz in der Oberliga reserviert, wenn es dann doch sportlich nicht reichte, wurde die Liga eben aufgestockt oder ein erfolgreiches Team kurzerhand nach Berlin verpflanzt. Vereinsumbenennungen waren an der Tagesordnung. Der später als 1. FC Lokomotive Leipzig bekannte Club trug beispielsweise bis 1966 fünf verschiedene Namen.
Sparwasser schockt die BRD
Erst ab den 1970er Jahren kehrte mehr Normalität in den Spielbetrieb. Der Fußballsport konsolidierte sich und das führte zu Erfolgen auch auf europäischer Ebene. 1974 gewann der 1. FC Magdeburg mit Jürgen Sparwasser den Europapokal der Pokalsieger. Und eben dieser Sparwasser war es, der im gleichen Jahr mit seinem Siegtor im deutsch-deutschen Duell die ganze Bundesrepublik in einen Schockzustand versetzte.
Kollaboration oder Republikflucht?
Auch Bespitzelung, Propaganda und Manipulation gehörten zum DDR-Fußball. Spätestens mit der Teilnahme am Europäischen Wettbewerb standen die ins westliche Ausland reisenden Sportler unter Generalverdacht. Wenn sie nicht als potentielle Kollaborateure galten, wurden sie der versuchten Republikflucht verdächtigt. So standen nicht nur etliche Profis auf den Gehaltslisten der Stasi (Staatssicherheit), Auswärtsspiele wurden zudem von ganzen Delegationen von Spitzeln begleitet. Bei einem Spiel der BSG Eisenhüttenstadt in der Schweiz sollen neben 16 Spielern, drei Trainern und fünf weiteren Betreuern ganze acht Stasi-Spitzel dabei gewesen sein.
Mielke, Manipulation und der Fall BFC Dynamo
Redet man über den Missbrauch des Fußballs für propagandistische Zwecke oder die Manipulationen von Spielergebnissen, kommt man an einem Club nicht vorbei: Die SG Dynamo, die in Fusion zusammengeschlossene Betriebssportgruppe des Geheimdienstes, der Staatsicherheit und der Volkspolizei. Die erfolgreichsten Vereine der DDR-Historie, Dynamo Dresden und BFC (Berliner Fußball Club) Dynamo gehörten der Dachorganisation an. Vorsitzender des BFC Dynamo war der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke. Dessen Strategie bestand darin, den Ruf der Geheimdienste, vor allem der Stasi, durch Erfolg im beliebtesten Zuschauersport der DDR zu verbessern. In diesem Sinne wurden Talente gesichtet und beinahe alle guten Spieler an einen der Dynamo-Clubs transferiert.
Sich auf den sportlichen Wettkampf verlassen wollten die Staatslenker indes nicht. Schiedsrichter galten als besonders wohlwollend im Umgang mit den Dynamo-Teams, bei Spielen des umstrittenen Rekordmeisters BFC Dynamo kam es immer wieder zu Ausschreitungen. Die regelmäßigen Titel der Berliner wurden von außerhalb mit Häme und Spott kommentiert.
Mielke erreichte damit das exakte Gegenteil von dem, was er sich erhoffte. Mehr noch, das Interesse am Fußball nahm aufgrund der offensichtlichen Manipulation stetig ab. Die Zuschauerzahlen schrumpften, so dass in den 1980er Jahren bei Spielen der Nationalmannschaft stellenweise nicht mehr als 2.000 Zuschauer anwesend waren.
Der Osten in der Bundesliga
Das Ende des DDR-Fußballs kam mit der Wiedervereinigung. Sportlich überlebt haben am Ende nicht die Altmeister, sondern die "Underdogs" und grauen Mäuse der Liga. Hansa Rostock und der FC Energie Cottbus sind heute die erfolgreichsten Teams aus den neuen Bundesländern. Die staatlich geförderten Teams von einst spielen heute im bezahlten Fußball keine Rolle mehr.
Hansa gewann die letzte Meisterschaft im DDR-Fußball, die nach der im Saisonverlauf vollzogenen Auflösung des Deutschen Fußballverbandes der DDR (DFV) unter dem Titel NOFV-Meisterschaft stattfand. Zugleich waren die Hansestädter gemeinsam mit Dynamo Dresden die ersten beiden Ost-Vereine in der Bundesliga. Später spielte auch noch der VfB Leipzig (1. FC Lokomotive Leipzig) eine Saison in der Bundesliga (1993/94).
Daniel Dillmann
Hier finden Sie weitere Meldungen zum Thema:
Die 1990er Jahre: TV-Boom, Einheit und Dortmunder Dominanz
1990/91: Letzte DDR-Saison "ein geiles Highlight"
Schlünz: "Wir galten als der klassische Zweite"
Die Geschichte des F.C. Hansa Rostock
Die Geschichte des FC Energie Cottbus
Die Geschichte der SG Dynamo Dresden
Die Geschichte des VfB Leipzig (1. FC Lokomotive Leipzig)
Die Geschichte der Bundesliga
Die besten Videos!
Fakten, Fak- ten, Fakten
Elf des Spieltags













