Historie
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21.01.2009 15:47:30
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1990/91: Letzte DDR-Saison "ein geiles Highlight"

Juri Schlünz (3.v.r.) hat die Hand am NOFV-Pokal, dem letzten Fußballpokal der DDR
Es ist der 23. Spieltag und das Duell der Spitzenteams steht an. Tabellenführer Hansa Rostock empfängt Verfolger Dynamo Dresden. Mit einem Sieg können die Rostocker Meister werden, ausgerechnet gegen Titelträger Dresden bei noch drei ausstehenden Spielen.


Am Ende ist es ein 3:1, Rostock holt den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte und gleichzeitig den letzten der DDR-Fußballhistorie. "Die zwei Tore gegen und die anschließende Meisterschaft, das war ein absolut geiles Highlight," so der damalige Kapitän der "Kogge" Juri Schlünz.

Neuordnung des Ligensystems

Die NOFV (Nordostdeutscher Fußballverband)-Oberliga markierte den Übergang bei der Eingliederung des DDR-Fußballbetriebs in die westdeutsche Bundesliga. Das ostdeutsche Pendant zum DFB, der DFV (Deutscher Fußballverband der DDR), löste sich im Zuge der Wiedervereinigung am 20. November 1990 in Leipzig auf. Die NOFV-Oberligarunde 1990/91 wurde somit zur letzten Meisterschaft der DDR.

Den ersten beiden Mannschaften der Abschlusstabelle winkte die direkte Qualifikation in die für ein Jahr auf 20 Mannschaften aufgestockte höchste gesamtdeutsche Spielklasse - die Bundesliga. Die Plätze 3 bis 6 durften sich über einen Platz in der 2. Bundesliga freuen. Die Plätze 7 bis 12 konnten sich dank einer Qualifikationsrunde noch Hoffnungen auf zwei weitere Startplätze für die 2. Bundesliga machen. Dem Rest drohte der Amateurfußball.

Keiner hatte Hansa auf der Rechnung

Für Hansa Rostock war die Zielsetzung klar: "Wir wollten unbedingt in den bezahlten Fußball. Daher musste es am Ende mindestens Platz 6 sein," sagte Schlünz. Ein Unterfangen, das damals keineswegs selbstverständlich war. Rostock stand stets im Schatten der erfolgreichen Ostclubs, wie dem achtfachen Meister Dynamo Dresden und dem zehnfachen Titelträger Berliner FC (BFC) Dynamo.

Dass es am Ende mit einem 1:0-Sieg im NOFV-Pokalfinale über den Eisenhüttenstädter FC Stahl sogar das "Double" wurde, setzte der Saison das sprichwörtliche Sahnehäubchen auf.

Schlünz, mit über 300 Pflichtspieleinsätzen für die Hansa ein Rostocker Urgestein, kann sich noch gut an die Stellung des Clubs aus Mecklenburg-Vorpommern erinnern: "Über uns sagten alle immer: Die spielen guten Fußball, gewinnen aber sowieso nichts." Rostock wurde von einer "Fahrstuhlmannschaft" zum ewigen Zweiten, es standen drei Vizemeisterschaften und fünf Endspiele im DDR-Pokal zu Buche. Titel konnten bis 1991 keine errungen werden.

Schon früh vorne weg

In der Saison 1990/91 deutete sich jedoch früh an, dass diesmal mit den Rostockern zu rechnen sei. Die Tabellenführung eroberten sie bereits am 4. Spieltag von Rot Weiß Erfurt und gaben diese bis zum Ende nicht mehr ab. "Im Laufe der Saison hat sich herauskristallisiert, dass wir das diesmal endlich schaffen können," erinnert sich Schlünz.

Rückblickend erscheint der Erfolg der "Kogge" nicht mehr ganz so überraschend. Hansa war eines der wenigen Teams, die keine Leistungsträger an westdeutsche Mannschaften verloren hatten und das Team mit dem US-Amerikaner Paul Caligiuri, erster ausländischer Spieler im Hansa-Dress, noch verstärken konnten.

Ein "Wessi" hatte das Sagen

Ein weiterer prominenter Neuzugang war Trainer Uwe Reinders, der von Eintracht Braunschweig nach Rostock wechselte. "Er hat uns immer wieder nach vorne getrieben, motiviert und heiß gemacht", beschrieb Schlünz den westdeutschen Trainer der Hanseaten.

Wie wichtig die Meisterschaft und vor allem die Qualifikation für die Bundesliga waren, zeigt die Geschichte. Ehemalige Größen des DDR-Fußballs, wie der BFC Dynamo oder FC Sachsen Leipzig verschwanden aufgrund der verpassten Qualifikation in der Bedeutungslosigkeit.

Daniel Dillmann

Hier finden Sie weitere Legenden und Geschichten zu den Spielzeiten der 1990er Jahre:

Tabelle und Spieltage der Saison 1990/91

1991/92: Eine deutsche Einheit in Rostock

1992/93: "Ausländer rein!" zu Beginn der 30. Saison

1993/94: Das "Phantom-Tor"

1994/95: Wermutstropfen bei Möllers triumphaler Rückkehr

1995/96: Das Bosman-Urteil

1996/97: Klinsmann und der Tonnentritt

1997/98: Trapattoni: "Ich habe fertig!"

1998/99: Berger "hätte auch die Titanic gerettet"

1999/2000: Die unheimliche Serie des BVB

Die 1990er Jahre: TV-Boom, Einheit und Dortmunder Dominanz

Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick