Historie
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01.04.2010 11:12:40
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"Klassenerhalt ist für mich auch wie ein Titelgewinn"

Frank Schulz, Karl-Heinz "Charly" Körbel und Präsident Matthias Ohms (v.l.) feiern ausgelassen den Klassenerhalt
Für Eintracht Frankfurt verlief die Hinrunde der Saison 1988/89 sehr bitter. Der Begriff "Torflaute" wurde damals von den Hessen neu definiert. Gerade einmal acht Tore schossen sie in den ersten 17 Spielen. Mit dem 1:0 gegen Hannover zum Jahresabschluss schafften sie es gerade noch, die "Rote Laterne" des Tabellenletzten abzugeben. Für die Vereinsführung war mit Platz 15 aber dennoch klar: Ein neuer Trainer muss her.


Jörg Berger, im Juni 2010 leider verstorben, sollte damals das Ruder noch einmal herumreißen. Und er tat das, wie fast immer in solch brenzligen Situationen, mit Bravour. Zwar konnten sich die Frankfurter im Verlauf der Rückrunde nicht weiter nach vorne schieben, aber immerhin schossen sie jetzt wieder Tore.

"Die Fans waren nach dem 2:2 gegen Bayern zum Rückrundenstart total happy. 'Wir haben ein Tor geschossen' - die freuten sich riesig", erinnerte sich Berger noch im Frühjahr 2010 bei bundesliga.de gerne an diese Zeit zurück.

Zittern bis zum Schluss

Dennoch: Die Angst vor dem Abstieg sollte der tägliche Begleiter bei der Eintracht bleiben. Am letzten Spieltag stand dann das erste Endspiel auf dem Programm. In Hannover sollte aber nichts anbrennen, schließlich waren die Hausherren schon abgestiegen, "wir waren Favorit", so Berger.

"Alle sind davon ausgegangen, dass wir das Spiel gewinnen. Es waren auch mehr Eintracht-Fans als 96er im Stadion. Und dann macht Siegfried Reich das 1:0 und für unsere Anhänger bricht eine Welt zusammen. Das konnte man spüren." Die Kunde vom 1:0 der Stuttgarter Kickers in Nürnberg verschlimmerte die Lage.

Berger und die Liebe zu seiner Frau

Aber Charly Körbel erlöste die Eintracht-Gemeinde in Hannover mit seinem Treffer zum 1:1-Endstand. Die Frankfurter waren gerettet, zumindest vorerst. Die psychische Belastung war Berger noch lange nach dem Abpfiff anzumerken. Denn nun warteten die Relegationsspiele.

"Ein Reporter fragte mich, ob ich nun wüsste, auf wen wir in der Relegation treffen könnten. Ich wusste es so ad hoc nicht. Er nannte mir Saarbrücken und Fortuna Köln und fragte, wen ich denn am liebsten hätte. Ich sagte 'meine Frau', und bin gegangen", kramte Berger Anekdoten raus und legte nach: "Im Sportstudio am selben Abend konnte ich mich nicht erinnern, wie alt meine Zwillinge waren, die nur wenige Wochen zuvor am 29. Spieltag zur Welt kamen. Und das, obwohl mir Bernd Heller mehrmals eine Brücke gebaut hat. Ich wollte dann aber die nächste Frage hören."

Relegation gegen Freund Schlappner

Der Gegner hieß dann aber 1. FC Saarbrücken, mit einem alten Bekannten. "Für mich hatten die Spiele eine persönliche Komponente. Saarbrückens Trainer Klaus Schlappner war früher mein Assistent und wir hatten ein gutes Verhältnis", erläuterte Berger.

Nach dem 2:0 im Hinspiel war die Sache eigentlich schon entschieden. Aber die Saarländer gaben sich, angeführt "von einem überragenden Anthony Yeboah", nicht auf. Sein "Doppelpack" reichte aber nicht, da Frank Schulz zwischenzeitlich für die Eintracht den Ausgleich erzielte. Es war aber Jörg Berger, der als Retter gefeiert wurde.

Durchgestartet in den UEFA-Cup

In der darauffolgenden Saison setzte er sich in Frankfurt dann endgültig ein Denkmal, als er mit einer fast identischen Mannschaft den 3. Platz erreichte, der die Teilnahme am UEFA-Cup sicherte. Jörn Andersen, der das Jahr zuvor in 20 Spielen gerade einmal zwei Treffer erzielte, traf 18 Mal ins Schwarze und wurde damit erster ausländischer Torschützenkönig der Bundesliga.

"Viele sehen das als großen Erfolg an. Aber das tut mir immer so ein bisschen weh. Wenn ich eine Mannschaft auf einem Abstiegsplatz übernehme, und sie dann zum Klassenerhalt führe, ist das für mich auch wie ein Titelgewinn", ordnete Berger die Siegesserie der Hessen 1989/90 für sich persönlich nicht ganz so hoch ein.

Berger schien diese Krimis im Kampf gegen den Abstieg zu lieben. Und die Relegation war dabei noch einmal die Krönung. Denn Berger wusste: "Die Relegation ist etwas Besonderes, die Relegation ist etwas Dramatisches, die Relegation ist etwas Nervenaufreibendes."

Michael Reis

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