Historie
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05.05.2010 13:45:28
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"Dorfverein" zwischen Sensation und Skandal
Uwe Freiler (l.) im umstrittenen London-Trikot der Homburger
Als der FC 08 Homburg 1984 in die 2. Bundesliga aufstieg, rechnete kaum jemand damit, dass der Verein aus dem Saarland lange bleiben würde. Recht sollten die Kritiker behalten. Doch der Verein, der selbst für Zweitligaverhältnisse als Kleinkaliber herhalten musste, verließ die 2. Bundesliga in eine andere Richtung als erwartet.
Es grenzte also schon an ein Fußballwunder, als Homburg am Ende der Saison 1985/86 als Tabellenführer in die Bundesliga marschierte. "Dorfkicker", "Feierabendfußballer": Medien, Fans und Konkurrenten hatten viele Begriffe für den damals kleinsten Club der Bundesliga-Historie übrig. Doch schon vor dem ersten Anpfiff der Saison 1986/87 hatte man die Homburger als Absteiger Nummer eins abgestempelt gehabt.
Strohballen statt Fußbälle
Zu Unrecht. Denn schon 1976 und 1980 hatte Homburg im DFB-Pokal für Schrecken gesorgt und sich jeweils unter die besten Acht gekämpft. "Bevor ich nach Homburg gekommen bin, haben sie hier mit Strohballen gespielt", sagte der damalige Trainer Uwe Klimaschewski einst nach einem Pokalsieg gegen den FC Bayern.
Mit dieser Lockerheit und dem nötigen Selbstbewusstsein sollten dann auch Klimaschweskis Erben in der Bundesliga bestehen. Regelmäßig kamen die "Großen" der Branche mit einer gewissen Portion Arroganz aufs Land gefahren. Doch Homburg bot den Etablierten mehr als einmal die Stirn. In zwölf von 17 Heimspielen holte die Mannschaft etwas Zählbares. Schwergewichte wie der HSV oder Dortmund ließen Federn im Waldstadion.
"Das Stadion war immer voll, die Atmosphäre für eine so kleine Stadt gut", bekundete Roman Wojcicki, der nach dem Aufstieg als einer der ersten Polen in die Bundesliga kam und drei Jahre in Homburg seine Brötchen verdiente.
Vom Manager zum Trainer
Die größte Sensation ereignete sich aber am 31. Spieltag. Und sie sollte die Mannschaft in den verbleibenden Wochen tragen. Gegen den Meister FC Bayern sicherte sich Homburg daheim einen Punkt und kletterte auf Platz 16. Zur Pause lagen die 08er noch 0:2 hinten, ehe Klaus Müller und Uwe Freiler für den überraschenden Punktgewinn sorgten.
Zu diesem Zeitpunkt schwang bereits Gerd Schwickert das Zepter an der Seitenlinie. Mitte Mai hatte der Manager der Homburger Udo Klug als Trainer der 08er ersetzt gehabt. Eine Maßnahme, die sich bezahlt machen sollte.
Platz 16 gesichert
Am 34. Spieltag gab es das erste "Endspiel" der Saison bei Blau-Weiß 90. Homburg hatte einen Punkt und drei Tore Vorsprung auf Fortuna Düsseldorf. Die Berliner waren bereits abgestiegen, hätten Homburg aber noch mit in die Zweitklassigkeit zerren können. Kurt Knolls Eigentor gab BW eine 2:1-Halbzeitführung. Doch wieder war es Freiler, der ein Remis rettete.
In der Relegation kam es zum Duell mit dem FC St. Pauli. Die Hamburger waren ebenso überraschend so weit vorn in der Tabelle der 2. Bundesliga gelandet, wie noch ein Jahr zuvor die 08er. Und doch hätten die Gegensätze auf den ersten Blick nicht größer sein können: der Kleinstadtverein aus dem braven Saarland gegen die "Kiezkicker" vom Millerntor.
Saarland gegen Reeperbahn
Das Hinspiel hätte für die Hamburger nicht besser beginnen können. Bereits in der dritten Minute erzielte Fred Klaus das 1:0. Doch die Homburger zeigten sich keineswegs geschockt. Sie hatten oft genug Rückstände aufgeholt. So auch dieses Mal. Schon in Minute acht traf Reinhard Brendel zum 1:1. Und noch vor der Pause stellten Wolfgang Schäfer und erneut Brendel den späteren 3:1-Endstand her.
Im Rückspiel erwarteten die 08er ein aus allen Nähten platzendes Millerntor-Stadion und ein Sturmlauf der Norddeutschen. Doch das Führungstor sollte erst spät fallen für die Hamburger - zu spät. Zu allem Überfluss kassierte St. Pauli in der 86. Minute per Strafstoß den Ausgleich. Die Hoffnung keimte nach Stefan Studers 2:1-Treffer nochmals auf. Doch kurze Zeit später folgte der Schlusspfiff. Homburg war sensationell gerettet.
Der Kondom-Skandal
"Die Bundesliga an sich war eine Sensation, stets eine ganze Saison lang", erklärte Schwickert später. Und die nächste Sensation sollte schon im zweiten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit folgen - wenngleich weniger aus sportlichen Gründen. Vielmehr war es der Brustaufdruck auf den Trikots der Grün-Weißen, der den DFB und die Medienlandschaft beschäftigte.
Der Kondom-Hersteller "London" war der neue Trikotsponsor der 08er. Zwischenzeitlich mussten die Saarländer mit einem schwarzen Balken auf der Brust auflaufen. Erst spät entschied das Frankfurter Landgericht, dass die Werbung nicht sittenwidrig sei und keineswegs gegen Ethik und Moral verstieße. Einer der wenigen Siege der Mannschaft in der Saison 1987/88. Homburg stieg als Vorletzter wieder ab.
Sebastian Stolz
Strohballen statt Fußbälle
Zu Unrecht. Denn schon 1976 und 1980 hatte Homburg im DFB-Pokal für Schrecken gesorgt und sich jeweils unter die besten Acht gekämpft. "Bevor ich nach Homburg gekommen bin, haben sie hier mit Strohballen gespielt", sagte der damalige Trainer Uwe Klimaschewski einst nach einem Pokalsieg gegen den FC Bayern.
Mit dieser Lockerheit und dem nötigen Selbstbewusstsein sollten dann auch Klimaschweskis Erben in der Bundesliga bestehen. Regelmäßig kamen die "Großen" der Branche mit einer gewissen Portion Arroganz aufs Land gefahren. Doch Homburg bot den Etablierten mehr als einmal die Stirn. In zwölf von 17 Heimspielen holte die Mannschaft etwas Zählbares. Schwergewichte wie der HSV oder Dortmund ließen Federn im Waldstadion.
"Das Stadion war immer voll, die Atmosphäre für eine so kleine Stadt gut", bekundete Roman Wojcicki, der nach dem Aufstieg als einer der ersten Polen in die Bundesliga kam und drei Jahre in Homburg seine Brötchen verdiente.
Vom Manager zum Trainer
Die größte Sensation ereignete sich aber am 31. Spieltag. Und sie sollte die Mannschaft in den verbleibenden Wochen tragen. Gegen den Meister FC Bayern sicherte sich Homburg daheim einen Punkt und kletterte auf Platz 16. Zur Pause lagen die 08er noch 0:2 hinten, ehe Klaus Müller und Uwe Freiler für den überraschenden Punktgewinn sorgten.
Zu diesem Zeitpunkt schwang bereits Gerd Schwickert das Zepter an der Seitenlinie. Mitte Mai hatte der Manager der Homburger Udo Klug als Trainer der 08er ersetzt gehabt. Eine Maßnahme, die sich bezahlt machen sollte.
Platz 16 gesichert
Am 34. Spieltag gab es das erste "Endspiel" der Saison bei Blau-Weiß 90. Homburg hatte einen Punkt und drei Tore Vorsprung auf Fortuna Düsseldorf. Die Berliner waren bereits abgestiegen, hätten Homburg aber noch mit in die Zweitklassigkeit zerren können. Kurt Knolls Eigentor gab BW eine 2:1-Halbzeitführung. Doch wieder war es Freiler, der ein Remis rettete.
In der Relegation kam es zum Duell mit dem FC St. Pauli. Die Hamburger waren ebenso überraschend so weit vorn in der Tabelle der 2. Bundesliga gelandet, wie noch ein Jahr zuvor die 08er. Und doch hätten die Gegensätze auf den ersten Blick nicht größer sein können: der Kleinstadtverein aus dem braven Saarland gegen die "Kiezkicker" vom Millerntor.
Saarland gegen Reeperbahn
Das Hinspiel hätte für die Hamburger nicht besser beginnen können. Bereits in der dritten Minute erzielte Fred Klaus das 1:0. Doch die Homburger zeigten sich keineswegs geschockt. Sie hatten oft genug Rückstände aufgeholt. So auch dieses Mal. Schon in Minute acht traf Reinhard Brendel zum 1:1. Und noch vor der Pause stellten Wolfgang Schäfer und erneut Brendel den späteren 3:1-Endstand her.
Im Rückspiel erwarteten die 08er ein aus allen Nähten platzendes Millerntor-Stadion und ein Sturmlauf der Norddeutschen. Doch das Führungstor sollte erst spät fallen für die Hamburger - zu spät. Zu allem Überfluss kassierte St. Pauli in der 86. Minute per Strafstoß den Ausgleich. Die Hoffnung keimte nach Stefan Studers 2:1-Treffer nochmals auf. Doch kurze Zeit später folgte der Schlusspfiff. Homburg war sensationell gerettet.
Der Kondom-Skandal
"Die Bundesliga an sich war eine Sensation, stets eine ganze Saison lang", erklärte Schwickert später. Und die nächste Sensation sollte schon im zweiten Jahr der Bundesliga-Zugehörigkeit folgen - wenngleich weniger aus sportlichen Gründen. Vielmehr war es der Brustaufdruck auf den Trikots der Grün-Weißen, der den DFB und die Medienlandschaft beschäftigte.
Der Kondom-Hersteller "London" war der neue Trikotsponsor der 08er. Zwischenzeitlich mussten die Saarländer mit einem schwarzen Balken auf der Brust auflaufen. Erst spät entschied das Frankfurter Landgericht, dass die Werbung nicht sittenwidrig sei und keineswegs gegen Ethik und Moral verstieße. Einer der wenigen Siege der Mannschaft in der Saison 1987/88. Homburg stieg als Vorletzter wieder ab.
Sebastian Stolz
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