Historie
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08.11.2009 20:44:46
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Der Mauerfall und die Fußballeinheit
Hans-Georg Moldenhauer (l.) und DFB-Präsident Hermann Neuberger besiegeln die Fußballeinheit am 21.11.1990
Der 9. November 1989. Der Fall der Berliner Mauer. Auch 20 Jahre danach hat niemand in Deutschland vergessen, wo er an jenem Herbstabend war. Es war der entscheidende Schritt in Richtung eines wiedervereinten Deutschlands.
Die deutsche Einheit: Sie spielte in allen Bereichen des ostwestdeutschen Zusammenwachsens eine große Rolle. Auch im Sport. Auch im Fußball. Denn nicht nur die Lenker und Denker auf politischer Ebene zerbrachen sich ab dem Tag des Mauerfalls die Köpfe darüber, wie man zu ebener jener Einheit verschmelzen könne.
Ab 1991/92 alles unter einem Hut
Auch die Fußballverbände der Bundesrepublik Deutschland - der DFB - und der Deutschen Demokratischen Republik - der DFV (Deutscher Fußball-Verband) - suchten nach einer schnellen und für alle Seiten zufriedenstellenden Lösung, des (Gesamt)Deutschen liebsten Sport zu vereinheitlichen.
Das Resultat dieser vielen Gesprächsrunden und Debatten waren die Auflösung des DFV und die damit verbundene Aufnahme aller 4412 dortigen Mitgliedervereine in den von Hermann Neuberger angeführten DFB, sowie das Ende der DDR-Oberliga und die längsten Spielzeiten in der Geschichte der Bundesliga und 2. Bundesliga 1991/92.
Neue Bosse in der DDR
Doch der Weg dorthin war ein langer und steiniger. Direkt nach Öffnung der innerdeutschen Grenze schwärmten die Scouts der Bundesliga-Clubs aus, um die größten DDR-Talente in den Westen zu locken. Andreas Thom machte bereits zur Rückrunde der Saison 1989/90 den Anfang und viele weitere Stars des DDR-Fußballs sollten schon im Sommer 1990 folgen.
Zu Beginn des Jahres 1990 gaben sich die ersten DDR-Vereine neue Namen, um die Vergangenheit möglichst schnell hinter sich zu lassen. Am 10. Februar 1990 trat DFV-Präsident Günther Erbach zurück und Günther Schneider wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Dessen Amtszeit endete jedoch nach seiner Abwahl schon am 31. März.
Neuer stärkster Mann im DDR-Fußball wurde Hans-Georg Moldenhauer. Schon in der Nacht der Wende hatte dieser angefangen, nach Lösungen für eine möglichst schnelle fußballerische Wiedervereinigung zu suchen, was in den eigenen Reihen lange auf Kritik stieß. Doch die Wende ließ sich nicht mehr aufhalten. Und so wurde Moldenhauer bei seiner Ernennung zum DFV-Präsidenten gefeiert, als er sagte: "Je besser ich arbeite, um so kürzer bin ich im Amt."
Erstes Treffen im April 1990
Keine drei Wochen später, am 19. April 1990, setzten sich DFV und DFB am Rande des UEFA-Kongresses in Malta erstmals zusammen. Das nächste Treffen wurde für das DFB-Pokalfinale in Berlin einen Monat später vereinbart. Am 19. Mai ließ man die Öffentlichkeit wissen, dass eine Fußballeinheit nicht vor 1992/93 geplant und möglich sei.
Ein möglicher Grund für die plötzliche Stagnation des Einheitsprozesses war sicherlich auch die Auslosung für die Qualifikationsgruppen zur Europameisterschaft 1992. Die BRD und die DDR waren in eine Gruppe gelost worden. "Wir gegen uns" titelte die BILD damals.
Meilenstein im Juli
Doch der öffentliche Druck und die schnellen politischen Veränderungen ließen den Mächtigen im deutschen Fußball keine Wahl. Moldenhauer verschärfte Ton und Tempo bei seiner Suche nach einer schnellen Einigung und so sollte am 19. Juli 1990 der Durchbruch gelingen.
Einen Tag zuvor hatte der DFV auf einer außerordentlichen Sitzung in Berlin die Olympiaauswahl und die Nationalmannschaft der DDR aus den anstehenden Wettbewerben zurückgezogen. Es würde also keine innerdeutschen Qualifikationsspiele geben. Der Weg war frei für eine schnelle Wiedervereinigung.
In Frankfurt am Main einigten sich DFV und DFB am nächsten Tag darauf, die Fußballeinheit schon ein Jahr früher als geplant - also schon zur Saison 1991/92 - zu vollziehen. Zudem würde sich der DFV noch im Jahr 1990 auflösen, neu gründen und vom DFB aufgenommen werden.
"2+6"-Regel
Die Vereinigung auf Clubebene sollte wie folgt laufen. Statt der geplanten Reduzierung auf 16 Clubs stockte die Bundesliga von 18 auf 20 Vereine auf. "2 + 6" hieß die Formel zur Integration des ostdeutschen Fußballs in den Profibereich ab der Saison 1991/92, in der es gleich vier Absteiger gab, um 1992/93 wieder zur ursprünglichen Größe der Spielklasse zurückzukehren.
Der F.C. Hansa Rostock als letzter DDR-Meister (NOFV-Meister) und der 1. FC Dynamo Dresden als Zweitplatzierter der DDR-Oberliga 1990/91 schafften den Sprung in die Bundesliga. Die 2. Bundesliga fuhr für diese eine Saison zweigleisig und begrüßte die ehemaligen DDR-Vereine Rot-Weiß Erfurt, Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig und Hallescher FC (Südstaffel). Im Norden kam Stahl Brandenburg hinzu. Ab Mitte der Saison wurde in Playoffs um Auf- und gegen den Abstieg gespielt. Schon 1992/93 erfolgte die Rückkehr zur Eingleisigkeit mit der stattlichen Zahl von 24 Clubs.
Länderspieleinheit im Dezember
Zweieinhalb Monate nach diesem historischen Treffen begingen zwei für viele Jahre getrennte Staaten offiziell die Deutsche Einheit. Nur wenige Wochen nach diesem 3. Oktober 1990, nämlich am 20. November war der DFV Geschichte.
Am Vormittag jenes Tages löste sich der Verband auf. Am Nachmittag gründete man sich als Nordostdeutscher Fußballverband (NOFV) neu und fand als nunmehr regionaler Verband Aufnahme im DFB. Etwas mehr als ein Jahr hatte es gedauert, doch die deutsche Fußballeinheit war vollzogen. Und am 19. Dezember 1990 wurde sie erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. Dann nämlich gab es das erste gesamtdeutsche Länderspiel. Deutschland besiegte die Schweiz in Stuttgart mit 4:0. Matthias Sammer debütierte für die DFB-Elf in der Anfangsformation und wurde in der 74. Minute für Andreas Thom ausgewechselt. Der Stürmer von Bayer Leverkusen traf nur eine Minute später zum 3:0. Und ganz (!) Deutschland jubelte…
Sebastian Stolz
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Ab 1991/92 alles unter einem Hut
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Das Resultat dieser vielen Gesprächsrunden und Debatten waren die Auflösung des DFV und die damit verbundene Aufnahme aller 4412 dortigen Mitgliedervereine in den von Hermann Neuberger angeführten DFB, sowie das Ende der DDR-Oberliga und die längsten Spielzeiten in der Geschichte der Bundesliga und 2. Bundesliga 1991/92.
Neue Bosse in der DDR
Doch der Weg dorthin war ein langer und steiniger. Direkt nach Öffnung der innerdeutschen Grenze schwärmten die Scouts der Bundesliga-Clubs aus, um die größten DDR-Talente in den Westen zu locken. Andreas Thom machte bereits zur Rückrunde der Saison 1989/90 den Anfang und viele weitere Stars des DDR-Fußballs sollten schon im Sommer 1990 folgen.
Zu Beginn des Jahres 1990 gaben sich die ersten DDR-Vereine neue Namen, um die Vergangenheit möglichst schnell hinter sich zu lassen. Am 10. Februar 1990 trat DFV-Präsident Günther Erbach zurück und Günther Schneider wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Dessen Amtszeit endete jedoch nach seiner Abwahl schon am 31. März.
Neuer stärkster Mann im DDR-Fußball wurde Hans-Georg Moldenhauer. Schon in der Nacht der Wende hatte dieser angefangen, nach Lösungen für eine möglichst schnelle fußballerische Wiedervereinigung zu suchen, was in den eigenen Reihen lange auf Kritik stieß. Doch die Wende ließ sich nicht mehr aufhalten. Und so wurde Moldenhauer bei seiner Ernennung zum DFV-Präsidenten gefeiert, als er sagte: "Je besser ich arbeite, um so kürzer bin ich im Amt."
Erstes Treffen im April 1990
Keine drei Wochen später, am 19. April 1990, setzten sich DFV und DFB am Rande des UEFA-Kongresses in Malta erstmals zusammen. Das nächste Treffen wurde für das DFB-Pokalfinale in Berlin einen Monat später vereinbart. Am 19. Mai ließ man die Öffentlichkeit wissen, dass eine Fußballeinheit nicht vor 1992/93 geplant und möglich sei.
Ein möglicher Grund für die plötzliche Stagnation des Einheitsprozesses war sicherlich auch die Auslosung für die Qualifikationsgruppen zur Europameisterschaft 1992. Die BRD und die DDR waren in eine Gruppe gelost worden. "Wir gegen uns" titelte die BILD damals.
Meilenstein im Juli
Doch der öffentliche Druck und die schnellen politischen Veränderungen ließen den Mächtigen im deutschen Fußball keine Wahl. Moldenhauer verschärfte Ton und Tempo bei seiner Suche nach einer schnellen Einigung und so sollte am 19. Juli 1990 der Durchbruch gelingen.
Einen Tag zuvor hatte der DFV auf einer außerordentlichen Sitzung in Berlin die Olympiaauswahl und die Nationalmannschaft der DDR aus den anstehenden Wettbewerben zurückgezogen. Es würde also keine innerdeutschen Qualifikationsspiele geben. Der Weg war frei für eine schnelle Wiedervereinigung.
In Frankfurt am Main einigten sich DFV und DFB am nächsten Tag darauf, die Fußballeinheit schon ein Jahr früher als geplant - also schon zur Saison 1991/92 - zu vollziehen. Zudem würde sich der DFV noch im Jahr 1990 auflösen, neu gründen und vom DFB aufgenommen werden.
"2+6"-Regel
Die Vereinigung auf Clubebene sollte wie folgt laufen. Statt der geplanten Reduzierung auf 16 Clubs stockte die Bundesliga von 18 auf 20 Vereine auf. "2 + 6" hieß die Formel zur Integration des ostdeutschen Fußballs in den Profibereich ab der Saison 1991/92, in der es gleich vier Absteiger gab, um 1992/93 wieder zur ursprünglichen Größe der Spielklasse zurückzukehren.
Der F.C. Hansa Rostock als letzter DDR-Meister (NOFV-Meister) und der 1. FC Dynamo Dresden als Zweitplatzierter der DDR-Oberliga 1990/91 schafften den Sprung in die Bundesliga. Die 2. Bundesliga fuhr für diese eine Saison zweigleisig und begrüßte die ehemaligen DDR-Vereine Rot-Weiß Erfurt, Chemnitzer FC, FC Carl Zeiss Jena, VfB Leipzig und Hallescher FC (Südstaffel). Im Norden kam Stahl Brandenburg hinzu. Ab Mitte der Saison wurde in Playoffs um Auf- und gegen den Abstieg gespielt. Schon 1992/93 erfolgte die Rückkehr zur Eingleisigkeit mit der stattlichen Zahl von 24 Clubs.
Länderspieleinheit im Dezember
Zweieinhalb Monate nach diesem historischen Treffen begingen zwei für viele Jahre getrennte Staaten offiziell die Deutsche Einheit. Nur wenige Wochen nach diesem 3. Oktober 1990, nämlich am 20. November war der DFV Geschichte.
Am Vormittag jenes Tages löste sich der Verband auf. Am Nachmittag gründete man sich als Nordostdeutscher Fußballverband (NOFV) neu und fand als nunmehr regionaler Verband Aufnahme im DFB. Etwas mehr als ein Jahr hatte es gedauert, doch die deutsche Fußballeinheit war vollzogen. Und am 19. Dezember 1990 wurde sie erstmals der Weltöffentlichkeit präsentiert. Dann nämlich gab es das erste gesamtdeutsche Länderspiel. Deutschland besiegte die Schweiz in Stuttgart mit 4:0. Matthias Sammer debütierte für die DFB-Elf in der Anfangsformation und wurde in der 74. Minute für Andreas Thom ausgewechselt. Der Stürmer von Bayer Leverkusen traf nur eine Minute später zum 3:0. Und ganz (!) Deutschland jubelte…
Sebastian Stolz
bundesliga.de fragt seine User: Was verbinden Sie in sportlicher Hinsicht mit dem Mauerfall? Lassen Sie uns an Ihrer Fußballgeschichte rund um den 9. November 1989 teilhaben. Unter allen Einsendungen verlost bundesliga.de 20 Bundesliga-Jahreskalender 2010. Mehr dazu hier!
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