Historie
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27.03.2009 22:02:29
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Eine Welt-Karriere begann bei Blau-Weiß 90

Trotz harter Bewacher wie FC Bayerns Norbert Nachtweih (li.) gelangen Karlheinz Riedle in seiner ersten Bundesligasaison zehn Tore für Blau-Weiß 90 Berlin
Außer Hertha BSC haben schon drei weitere Berliner Vereine in der Bundesliga gespielt: Tasmania, Tennis Borussia und Blau-Weiß 90. Letztgenannter Club aus dem Stadtteil Mariendorf hielt sich wie Tasmania nur eine Spielzeit in der Bundesliga, Tennis Borussia blieb immerhin zwei Jahre erstklassig.


1986 schaffte Blau-Weiß 90 den Aufstieg und verpflichtete einen jungen Stürmer, der später Weltmeister, Deutscher Meister und Champions-League-Sieger werden sollte: Karlheinz Riedle. bundesliga.de hat sich mit Riedle über seine Zeit in Berlin unterhalten.

bundesliga.de: Herr Riedle, können Sie sich noch erinnern, wie der Wechsel zu Blau-Weiß 90 Berlin zustande kam?

Karlheinz Riedle: Ich spielte damals beim FC Augsburg in der Bayernliga, also der dritthöchsten Liga. Nach einem Spiel wurde ich vom Spielervermittler Michael Koppold angesprochen, dass Blau-Weiß 90 Interesse an mir hätte. So kamen wir ins Gespräch und so hab' ich mich für Berlin entschieden.

bundesliga.de: Gab es noch andere Angebote?

Riedle: Ja, es gab auch Interesse aus Nürnberg und Bielefeld.

bundesliga.de: Wie haben die Berliner den Bundesliga-Neuling Blau-Weiß 90 angenommen?

Riedle: Eigentlich ganz gut. Wir hatten im ersten Heimspiel gegen Kaiserslautern fast 40.000 Zuschauer im Olympiastadion. Außerdem spielte Hertha in dieser Saison nur in der Oberliga, wir waren der einzige Berliner Verein im Profifußball. Wir hatten auch eine ordentliche Mannschaft mit guten Spielern wie Jürgen Haller oder Bodo Mattern.

bundesliga.de: Gegen Kaiserslautern haben Sie ihr erstes Bundesligator und auch das erste für Blau-Weiß 90 geschossen.

Riedle: Das war das Tor zum 1:1-Ausgleich, am Ende haben wir 4:1 verloren. Ich war vor der Saison als Stürmer Nummer vier oder fünf vorgesehen, aber ich hatte eine Super-Vorbereitung und stand im ersten Spiel in der Startelf.

bundesliga.de: Am Saisonende waren es 34 Bundesligaspiele für Sie.

Riedle: Ja, aber ich war anfangs kein richtiger Stammspieler. Gerade in den Top-Spielen gegen die starken Gegner bin ich erst eingewechselt worden. Unser Trainer Bernd Hoss hat immer gesagt, ich wäre noch jung und er wolle mich nicht verheizen. Dann hat es wohl auch Druck vom Vorstand gegeben und so habe ich immer öfter von Anfang an gespielt.

bundesliga.de: Am 3. Spieltag gab's den ersten Sieg und ihren ersten Doppelpack.

Riedle: Wir haben 3:2 gegen Mönchengladbach gewonnen und ich habe das 2:2 und 3:2 gemacht. Das war unser erster Sieg, danach haben wir nur noch zwei Mal gewonnen.

bundesliga.de: Sie haben am Ende zehn Tore geschossen und sich für andere Vereine empfohlen.

Riedle: Im März oder April kam Otto Rehhagel auf mich zu und wollte mich zu Bremen holen. Er hat mich überzeugt, weil er mir eine klare Perspektive aufgezeigt hat. Rehhagel war entscheidend, denn ich hatte finanziell bessere Angebote aus Frankfurt und Leverkusen.

bundesliga.de: Haben Sie noch Kontakt zu anderen Spielern aus der Blau-Weiß-Zeit?

Riedle: Wenig, ab und zu schreiben Jürgen Haller und ich uns. Ich weiß noch, dass es damals immer sehr mühsam war, nach Berlin zu kommen. Ich bin noch öfter in meine Heimat ins Allgäu gefahren und das hat wegen der Grenzkontrollen doch schon immer lange gedauert.

bundesliga.de: Wären Sie vielleicht noch ein Jahr in Berlin geblieben, wenn Blau-Weiß 90 die Klasse gehalten hätte?

Riedle: Das ist schwer zu sagen. Vor allem, wenn ein Verein wie Werder Bremen und Otto Rehhagel an dir interessiert sind.

Das Gespräch führte Stefan Kusche

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