Historie
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13.07.2009 23:03:07
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Bundesliga-Aufstieg der "Feierabend-Fußballer"

Gerhard Kleppinger (2.v.li.) und der SV Darmstadt 98 kassierten beim 0:2 auswärts gegen den 1. FC Kaiserslautern eine von 20 Saison-Niederlagen
Neben den großen traditionsreichen Clubs Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach schaffte es auch ein dritter hessischer Verein in den Kreis der Bundesligisten. Der SV Darmstadt 98 überraschte seine namhafte Konkurrenz in der Saison 1977/78, als sich die "Lilien" die Meisterschaft der 2. Bundesliga Süd und den Bundesliga-Aufstieg sicherten.


Überraschend deshalb, weil alle Spieler tagsüber einem Beruf nachgingen. Zu jener Zeit sprach man auch vom "Darmstädter Modell". Gerhard Kleppinger, der insgesamt 541 Spiele in der Bundesliga und 2. Bundesliga bestritt, erinnert sich:

"Wir waren wirklich die Feierabend-Fußballer! Jeder ging neben dem Fußball einer geregelten Tätigkeit nach. Ich machte gerade eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Nachmittags ging es dann zum Training und danach wieder in die Berufsschule. Da wurden Fahrgemeinschaften unter den Spielern gebildet."

15 Spiele ungeschlagen

Der heutige Co-Trainer des FSV Frankfurt ist ein Stück Darmstädter Fußball-Geschichte. "Kleppos" erste und letzte Station als Fußballprofi war jeweils der SV Darmstadt 98, für den er insgesamt 171 Ligaspiele absolvierte. Bis April 2009 war er noch Cheftrainer der "Lilien" in der Regionalliga.

Die Aufstiegssaison hat der ehemalige Abwehrspieler noch lebhaft vor Augen: "Anfangs lief es noch nicht rund. Knackpunkt war für mich die 0:4-Niederlage beim FSV Frankfurt am 17. Spieltag. Danach stellte Trainer Lothar Buchmann auf einigen Positionen um. Wir blieben 15 Spiele ungeschlagen und wurden beste Rückrundenmannschaft. Ich hatte bis zum Frankfurt-Spiel erst zwei Einsätze in der Hinrunde, doch dann bestritt ich fast alle Partien bis zum Saisonende."

"Eine tolle Truppe aufgebaut"

Für den damals 19-Jährigen galt noch großer Respekt vor den erfahrenen Spielern. "Wenn ich auf der Massagebank lag und ein gestandener Spieler den Raum betrat, sprang ich sofort auf", so Kleppinger, "dann wurde erst einmal dieser Spieler massiert und erst wenn der fertig war, wurde meine Massage fortgesetzt. Das war ein ungeschriebenes Gesetz."

Die Aufstiegsmeriten möchte "Kleppo" nicht allein Lothar Buchmann zuschreiben "Udo Klug, der Vorgänger von Buchmann, hatte aus meiner Sicht auch seinen Anteil am Aufstieg. Er hatte in den Jahren davor um Leistungsträger wie Torwart Dieter Rudolf, Verteidiger Walter Bechtold oder auch Manfred Drexler eine tolle Truppe aufgebaut. Nicht zu vergessen auch Edwin Westenberger, der leider schon 2002 verstorben ist."

...sonst wären wir dringeblieben"

Bis heute ist für Kleppinger die Mannschaft dieser Aufstiegssaison "das Beste, was Darmstadt jemals fußballerisch zu bieten hatte." Deshalb relativiert er auch den sofortigen Abstieg aus der Bundesliga am Ende der Saison 1978/79:" Wir hatten in der Bundesliga-Saison wirklich extremes Verletzungspech, sonst wären wir dringeblieben."

Allzu viele Erfolgserlebnisse waren Darmstadt in der Tat nicht gegönnt. Bis auf die ersten beiden Spieltage standen die "Lilien" immer auf einem Abstiegsplatz. Allein 21 Spieltage am Tabellenende auf Platz 18. Lichtblicke waren Siege gegen Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach und natürlich der 2:0-Derbysieg gegen Frankfurt am 28. Spieltag.

Tor des Monats gegen Sepp Maier

Besonders ist Kleppinger aber das Auswärtsspiel beim FC Bayern München in Erinnerung geblieben:" Bis zur 89. Minute lagen wir 0:1 hinten. Dann fasste sich Uwe Hahn ein Herz und zimmerte den Ball aus 35 Metern Sepp Maier in den Winkel! Es wurde sogar zum Tor des Monats gewählt."

Momentan trennen den Traditionsclub Welten von der Bundesliga und die sportliche Situation Darmstadts sieht Gerhard Kleppinger auch realistisch:" Die vierte Liga ist finanziell nicht allzu attraktiv. Man spielt gegen viele U23-Mannschaften vor wenigen Zuschauern. Zudem steigt nur ein Verein auf. Da wird es für viele Traditionsvereine immer schwieriger, da auch kleine Clubs auf einmal mit ungeahnten finanziellen Möglichkeiten in die dritte Liga drängen."

Hier finden Sie weitere Legenden und Geschichten zu den Spielzeiten der 1970er Jahre:

Die Geschichte des SV Darmstadt 98

Tabelle und Spieltage der Saison 1978/79

1978/79: Der "Terrier" nimmt Abschied

Die 1970er Jahre: Schwarze Stunde, goldenes Jahrzehnt

Tore, Titel, Tabellen: Die wichtigsten Statistiken im Überblick